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Auch unabhängige Künstler betroffen

DistroKid: Musikkonzerne fordern Daten, Künstler beklagen Löschungen

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 28.10.2026

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DistroKid: Musikkonzerne fordern Daten, Künstler beklagen Löschungen

Der Firmensitz von Universal Music in Berlin. © Tony Webster (https://flic.kr/p/vfD9AM) / Lizenz: CC BY 2.0

Universal Music und Sony Music wollen den Musikvertrieb DistroKid zur Herausgabe von Daten über KI-generierte Musik zwingen. Gleichzeitig berichten unabhängige Künstler von der Löschung ihrer Songs, teilweise ohne vorherige Benachrichtigung. Die Auseinandersetzung wirft Fragen zum Umgang mit Urheberrechtsvorwürfen und zur Kontrolle von KI-Musik auf.

Die Universal Music Group (UMG) und Sony Music Entertainment erhöhen den juristischen Druck auf DistroKid. Am 14. Oktober 2026 beantragten die Unternehmen bei einem Bundesgericht in New York, den digitalen Musikvertrieb zur Herausgabe interner Daten über KI-generierte Aufnahmen zu verpflichten.

Die beiden Musikkonzerne hatten DistroKid bereits im September zur Vorlage entsprechender Informationen aufgefordert. Nach Darstellung der Kläger habe das Unternehmen bislang keine der angeforderten Unterlagen herausgegeben.

Welche Daten verlangen die Musikkonzerne?

Universal und Sony wollen unter anderem erfahren, wie viele Aufnahmen DistroKid monatlich an Streamingdienste liefert und welcher Anteil davon durch ein eingesetztes Erkennungssystem als wahrscheinlich KI-generiert eingestuft wird.

Darüber hinaus verlangen sie Angaben zu den Streamingzahlen und Tantiemen dieser Aufnahmen. Von Interesse ist auch, ob sich bestimmte Titel dem KI-Musikdienst Suno zuordnen lassen.

Die Musikkonzerne fordern außerdem Informationen über das verwendete Erkennungssystem und dessen Zuverlässigkeit. Dabei geht es insbesondere um mögliche Fehlklassifizierungen, bei denen regulär produzierte Musik fälschlicherweise als KI-generiert eingestuft wird.

Nach Angaben der Kläger lieferte DistroKid zwischen März und September 2026 fast zwölf Millionen Titel an einen einzelnen, nicht genannten Streamingdienst. Das seien mehr als die Hälfte aller dort eingereichten Aufnahmen gewesen. Wie viele dieser Titel tatsächlich KI-generiert waren, geht aus den Angaben nicht hervor.

Daten sollen im Verfahren gegen Suno helfen

Die geforderten Informationen sollen als Beweismittel in einem bereits seit 2024 laufenden Urheberrechtsverfahren gegen Suno dienen. Universal und Sony werfen dem KI-Unternehmen vor, geschützte Musikaufnahmen ohne Genehmigung zum Training seiner Modelle verwendet zu haben.

Suno beruft sich dabei auf die amerikanische Fair-Use-Regelung. Bei deren rechtlicher Bewertung spielt unter anderem eine Rolle, ob die Nutzung geschützter Werke den Markt für die Originalaufnahmen beeinträchtigt.

Universal und Sony wollen mit den Daten von DistroKid belegen, in welchem Umfang KI-generierte Musik auf Streamingplattformen verbreitet wird und welche Einnahmen damit erzielt werden.

DistroKid hält die angeforderten Informationen nach Darstellung der Kläger für nicht relevant, weil sie keinen unmittelbaren Aufschluss über die Rechtmäßigkeit des KI-Trainings gäben. Gegenüber Billboard erklärte das Unternehmen, als unbeteiligter Dritter weiterhin mit den Gerichten zusammenarbeiten zu wollen.

Streit um gelöschte Veröffentlichungen

Unabhängig davon hatte Universal Music gemeinsam mit Capitol Records und Capitol CMG am 15. September 2026 Klage gegen DistroKid eingereicht. Die Unternehmen werfen dem Distributor vor, urheberrechtsverletzende Aufnahmen zu verbreiten und Streamingplattformen mit massenhaft produzierter KI-Musik zu überfluten.

Im Zuge dieses Rechtsstreits wurden auch Veröffentlichungen unabhängiger Künstler entfernt. DistroKid bestätigte gegenüber The Verge, eine "sehr kleine Zahl" von Aufnahmen aufgrund der Vorwürfe von Universal gelöscht zu haben. Die Anschuldigungen des Musikkonzerns weist das Unternehmen entschieden zurück.

Mehrere Musiker berichten allerdings, dass ihre Songs ohne vorherige Benachrichtigung verschwunden seien. Der Künstler McGwire erklärte gegenüber The Verge, sechs seiner Titel seien entfernt worden. Darunter habe sich auch eine Coverversion von Stevie Wonders "Isn't She Lovely" befunden, für die er nach eigenen Angaben eine Lizenz besaß.

Auch die Rapper Insane Ian und King Chase berichteten von entfernten Veröffentlichungen, darunter ein bereits seit mehreren Jahren verfügbares Album.

Ob die betroffenen Aufnahmen tatsächlich Rechte verletzten oder gegen andere Plattformrichtlinien verstießen, ist bislang nicht geklärt. DistroKid hat keine detaillierten Zahlen zu den Löschungen veröffentlicht.

Folgen für unabhängige Musikschaffende

Der Konflikt verdeutlicht zwei Probleme des digitalen Musikvertriebs: Einerseits wächst der Druck auf Distributoren, urheberrechtsverletzende und massenhaft KI-generierte Inhalte zu erkennen. Andererseits besteht das Risiko, dass dabei auch rechtmäßig veröffentlichte Musik entfernt wird.

DistroKid sieht in seinen Richtlinien ein Verfahren für Gegendarstellungen bei mutmaßlich fehlerhaften Löschungen vor. Eine Wiederherstellung ist allerdings nicht garantiert, da Streamingdienste eigene Vorgaben anwenden können.

Für unabhängige Künstler stellt sich deshalb zunehmend die Frage, wie zuverlässig automatische Kontrollen funktionieren und welche Möglichkeiten bestehen, gegen ungerechtfertigte Löschungen vorzugehen.

Ob die von Universal und Sony geforderten Daten tatsächlich offengelegt werden müssen, ist noch nicht entschieden.

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