DistroKid unter Druck
UMG verklagt DistroKid wegen KI-Musik und Urheberrechtsverletzungen
musikbusiness distrokid universal ifpi
Das UMG-Headquarter in Santa Monica, Kalifornien. © Coolcaesar via Wikimedia (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Umgheadquarters.jpg) / Lizenz: CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)
DistroKid gehört zu den größten DIY-Musikvertreibern weltweit. Nach eigenen Angaben vertreibt das Unternehmen Musik von mehr als 4 Millionen Künstlern und bezeichnet sich als Distributor von ungefähr 40 Prozent der weltweit neu veröffentlichten Musik.
Streaming Integrity Initiative
Am 14. September 2026 veröffentlichte der internationale Branchenverband IFPI die Streaming Integrity Initiative (SII). Hintergrund ist die zunehmende Verbreitung von KI-generierter Musik auf Streamingplattforms.
Da Musikvertriebe eine Art Zugang zu den Digital Service Providern darstellen, setzt die SII bei den Distributoren an, um Streaming-Betrug und andere Formen manipulativer Uploads stärker zu bekämpfen.
Dafür wurden fünf Maßnahmen festgehalten. Die Distributoren sollen die Identität und Rechte der Kunden an den Aufnahmen und die Inhalte der Songs überprüfen. Außerdem sollen sie verdächtige Aktivitäten erkennen können und dagegen handeln. Des Weiteren sollen die Vertriebe untereinander Informationen teilen und alle Anti-Betrugs-Systeme kontinuierlich verbessern. Ausführlichere Informationen zur SII gibt es hier.
Insgesamt haben 24 Unternehmen die freiwillige Initiative unterschrieben, darunter auch Universal Music Group, Sony Music Group, Warner Music Group, Merlin und CD Baby – ein direkter Konkurrent von DistroKid. Neben DistroKid haben auch Vertriebsunternehmen wie Believe/TuneCore und UnitedMasters die SII nicht unterschrieben.
UMG verklagt DistroKid
In diesem Zusammenhang ist folgender Vorgang von Interesse. Am 15. September 2026 hat die Universal Music Group (UMG) eine 52-seitige Klage bei einem Bundesgericht in Delaware gegen DistroKid eingereicht. Unter anderem wirft UMG dem Unternehmen vor, Urheberrechte verletzt zu haben, irreführende Geschäftspraktiken zu betreiben und massenhaft "problematische Musik" an Streamingplattformen weiterzuleiten.
Außerdem vertreibt DistroKid laut UMG KI-generierte Musik in einer Weise, die den Eindruck erweckt, dass es sich um Veröffentlichungen echter Künstler handle. UMG bezeichnet diese Inhalte in der Klage als "AI-generated slop" ("KI-Schrott") und behauptet, dadurch würden Einnahmen und Aufmerksamkeit von legitimen Künstlern und Rechteinhabern vermindert. In der Klage erklärt die Universal Music Group:
"Die Täuschung verschafft DistroKid einen unlauteren Wettbewerbsvorteil: Die Kläger und andere tragen die erheblichen Kosten dafür, sicherzustellen, dass nur Musik, die von echten Künstlern stammt und rechtmäßig erworben wurde, an digitale Dienste verteilt wird, während DistroKid diese Arbeit nicht leistet und dennoch vom Markt so behandelt wird, als würde es zu denselben Bedingungen agieren. Ein auf einer solchen Täuschung aufbauendes Geschäft macht den Wettbewerb unlauter."
Zur Untermauerung der Vorwürfe für DistroKids KI-basierte Massenproduktion verweist UMG auf den Account namens "Lofi Chilli", der innerhalb von zwölf Monaten 4562 verschiedene Tracks veröffentlicht hat – durchschnittlich also ungefähr 380 im Monat. Auch weitere Accounts werden aufgeführt, die Tracks in einem Tempo veröffentlichen, das kein menschlicher Musiker je erreichen könnte.
Hohe Schadensersatzforderung
Insgesamt führt UMG in den Anlagen zur Klage 1.000 konkrete Aufnahmen auf, bei denen Urheberrechtsverletzungen vorliegen sollen. Das soll allerdings nur "die Spitze des Eisbergs" sein, da es möglicherweise tausende weitere betroffene Aufnahmen gibt.
UMG verlangt dafür Schadensansprüche und zielt auf den gesetzlich vorgesehenen Höchstschadensersatz von 150.000 US-Dollar pro Werk ab.
Stellungnahme von DistroKid
DistroKid weist die Vorwürfe von UMG zurück. In einer Stellungnahme gegenüber Digital Music News erklärt das Unternehmen:
"Wir nehmen den Schutz des Urheberrechts, die Betrugsbekämpfung und die Integrität des Musik-Ökosystems sehr ernst und arbeiten bei diesen Bemühungen eng mit digitalen Streaming-Plattformen, Rechteinhabern und anderen Partnern der Branche zusammen. Unser Vertriebsprozess umfasst ausgefeilte Schutzmaßnahmen, in die wir kontinuierlich investieren, um bei diesen Bemühungen an vorderster Front zu bleiben. Dies sind gemeinsame Herausforderungen der Branche, insbesondere da sich die Technologie sowie die Art und Weise, wie Musik geschaffen und verbreitet wird, ständig weiterentwickeln.
Wir weisen die Vorwürfe von UMG entschieden zurück und sind enttäuscht, dass das Unternehmen den Rechtsweg gewählt hat, anstatt etablierte Branchenverfahren zu nutzen, um diese Probleme anzugehen. Wir sind von unseren Vorgehensweisen überzeugt und beabsichtigen, DistroKid energisch zu verteidigen."
Ähnliche Themen
Meldungen bis Ende November möglich
US Copyright Office untersucht Streaming-Betrug
veröffentlicht am 09.10.2026
Streaming-Betrug im Visier
SII: Internationale Initiative der Musikbranche zur Bekämpfung von Streaming Betrug startet
veröffentlicht am 14.09.2026
Nach schweren Vorwürfen
500-Millionen-Dollar-Klage: Universal und Believe legen Rechtsstreit außergerichtlich bei
veröffentlicht am 08.04.2026
Schwere Vorwürfe
Universal Music verklagt Believe und TuneCore wegen Urheberrechtsverletzungen auf 500 Millionen US-Dollar
veröffentlicht am 06.11.2024