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Singen ist gesund

DMV und SOMM kritisieren das Gesangsverbot an Schulen

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 23.07.2020

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DMV und SOMM kritisieren das Gesangsverbot an Schulen

© Craig Adderley via Pexels

Der Deutsche Musikverleger-Verband e.V. (DMV) und die SOMM - Society Of Music Merchants e.V. lehnen das Singverbot im schulischen Bereich ab und fordern die Regierung aller Bundesländer auf, ein Hygienekonzept für das schulische Singen zu erlassen.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie herrscht zurzeit ein generelles Gesangsverbot an Schulen in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. 

Der Deutsche Musikverleger-Verband e.V. (DMV) und die SOMM - Society Of Music Merchants e.V. sieht darin eine Gefährdung der persönlichen und emotionalen Entwicklung der Kinder, die letztendlich der Gesundheit der Schülerinnen und Schüler schadet.

Entwicklung der Kinder durch Singen fördern

Singen beeinflusse die Kinder in ihrer Entwicklung enorm, heißt es von Seiten der Verbände. Es stärke die Abwehrkräfte sowie das Immunsystem und es mache glücklich, da körpereigene Glückshormone ausgeschüttet und Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin abgebaut würden. Katharina Holzmeister, Sprecherin der AG Kleinere Musikverlage im DMV, erläutert: 

"Einem Kind das Singen vorzuenthalten, führt zu seelischer Unterernährung. Singen ist so wichtig für die Seele, wie Essen für den Körper. Studien haben ergeben, dass Kinder besonders vom Gesang profitieren. Ihre Sprache, ihr Denken und ihre Koordination sind besser entwickelt als bei nicht singenden Kindern."

Ester Petri, Dr. med. Johannes Graulich (beide Carus-Verlag) und Alwin Wollinger (Helbling Verlag), die sich bereits an das Kulturministerium von Baden-Württemberg gewandt haben, geben an:

"Das Singen in der Schule pauschal zu verbieten, ist aus medizinischer Sicht nicht notwendig und aus entwicklungspsychologischer unserer Meinung nach fahrlässig. Dazu ist ein Singverbot ethisch und gesellschaftspolitisch äußerst bedenklich. Singen muss unter Wahrung sinnvoller Hygienekonzepte möglich sein."

Mögliche Alternativen

Laut führender Musikmediziner/innen stellt das Singen in größeren Räumen mit Abstand oder im Klassenzimmer mit einfacher medizinischer Maske kein Risiko dar. Da es beim Singen im Klassenraum nicht primär um die Klanggestaltung geht, ist gegen die leichte Klangveränderung durch die Maske nichts einzuwenden.

Im Fokus stehen der emotionale Zugang zu diversen Unterrichtsinhalten, das Gemeinschaftsgefühl, die Förderung der sozialen Kompetenz sowie die individuelle Ausdrucksmöglichkeit, was durch das Singen im Klassenraum ermöglicht wird. Zudem wird die Sprachkompetenz von nicht muttersprachlichen Kindern gefördert.

Forderungen der DMV und SOMM

Laut DMV und SOMM sollte das Singverbot an Schulen aufgehoben werden. Sie schlagen die Umsetzung folgender Maßnahmen im Musikunterricht vor:

  • Singen im Klassenverband mit einfacher medizinischer Maske unter Einhaltung des Sicherheitsabstands
  • Lockere Verteilung der Kinder im Klassenraum
  • Summen von Liedern, Singen in Teilgruppen (jeder Übernächste)
  • Beschränkung der Dauer des Singens und Lüftungsregeln
  • Singen in Aula, Foyer, Turnhalle oder im Freien auf dem Schulhof

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