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Appell an britische Regierung

Drei Viertel der britische Musikschaffenden rechnen mit Umsatzeinbußen durch Brexit

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 31.05.2021

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Drei Viertel der britische Musikschaffenden rechnen mit Umsatzeinbußen durch Brexit

© Call Me Fred via Unsplash

Der Brexit stellt viele britische Künstlerinnen und Musiker vor große Herausforderungen. Einer neuen Umfrage zufolge fürchten die britischen Musikschaffenden in erster Linie starke finanzielle Einbußen.

Viele Künstler und Musiker fühlen sich von der Regierung unter Boris Johnson bezüglich des Brexits im Stich gelassen. Aus einer neuen Umfrage der Musicians' Union (MU) und der Incorporated Society of Musicians (ISM) geht hervor, dass 77 Prozent der Befragten Umsatzeinbußen in Folge des Brexits erwarten.

Immense Hürden

Der Brexit sorgt für enorme bürokratische Hürden, die Touren und Auftritte innerhalb der EU für britische Künstlerinnen und Künstler nicht nur komplizierter, sondern vor allem auch teurer machen. Dies könnte laut MU und ISM dazu führen, dass Touren in Zukunft nicht mehr rentabel sind: 

"Künstler/innen benötigen zum Touren in der EU Dokumente wie Arbeitserlaubnis, Visum und Zollanmeldeforumlare für das Equipment. Deren Beantragung ist nicht nur nur zeitintensiv, sondern auch teuer. Hinzu kommen Transportkosten für Equipment, da sich auch die Kosten für Logistiktransporte in Folge des Brexits deutlich erhöhen werden."

Einige Teilnehmer/innen der Studie befürchteten, dass sich die Kosten für das Touren um ca. 15.000 Pfund zusätzlich pro Tour belaufen könnten. Nur 43 Prozent der befragten Künstler/innen planen daher laut eigener Auskunft, auch zukünftig innerhalb der EU auf Tour zu gehen. 42 Prozent der Befragten ziehen es sogar in Betracht, auszuwandern, während 21 Prozent über einen möglichen Karrierewechsel nachdenken.

Johnson muss handeln

Für MU-Generalsekretär Horace Trubridge macht die Umfrage deutlich, dass britische Musiker/innen aufgrund der enormen Hindernisse, mit denen sie konfrontiert sind, gezwungen sind über drastische Maßnahmen nachzudenken. Die Schuld liege dabei beim britischen Parlament: 

"Die Regierung hat bei der Aushandlung des Handels- und Kooperationsabkommens zwischen der EU und Großbritannien nicht sichergestellt, dass Künstler/innen vor zusätzlichen Kosten geschützt werden. Infolgedessen verlieren wir möglicherweise einen großen Teil der Talente, die unsere 5,8 Milliarden Pfund schwere Musikindustrie tragen."

Trubridge fordert Premierminister Boris Johnson auf, einzugreifen und das angerichtete "Durcheinander" zu beseiten, so, wie er es versprochen habe. Der Schaden, der der britischen Musikindustrie sonst zugefügt werden würde, wäre unermesslich. Deborah Annetts, Chief Executive der ISM, ergänzt:

"Wir haben eindeutige Beweise dafür, dass Musiker/innen nach dem Brexit enormen zusätzlichen Kosten und geringeren Einnahmen für Tourneen in Europa ausgesetzt sind. Es ist an der Zeit, wirksame Lösungen zu entwickeln, bevor noch mehr Artists in die EU auswandern oder ihre Karriere an den Nagel hängen."

Musikerinnen und Musiker seien Kulturbotschafter für Großbritannien und leisteten einen enormen Beitrag zur Wirtschaft und zum globalen Ansehen des Landes. Daher müsse der Premierminister sein Versprechen einhalten, diese Krise zu lösen.

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