Unzureichende Förderung
Drohende Insolvenzen: Sächsische Theater und Orchester in finanzieller Not
© Manuel Nägeli via unsplash.com
Lutz Hillmann, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Bühnenvereins, beschreibt die Lage als "sehr ernst, besonders für Theater im ländlichen Raum." Sollte die Unterstützung in Form von Finanzierungshilfen vom Land und den Kommunen im nächsten Jahr ausbleiben, seien einige Theater "akut von Insolvenz bedroht".
Personalkosten und fehlende Hausmittel belasten
Die finanzielle Schieflage vieler Theaterbetriebe und Orchester wird durch steigende Personalkosten, insbesondere durch Tariferhöhungen, verschärft. Hinzu kommt die unsichere Haushaltslage in Sachsen, da bisher noch kein neuer Landeshaushalt verabschiedet worden ist.
Laut Hillmann hängt zudem die geplante Überarbeitung des Kulturraumggesetzes, das 2026 in neuer Form in Kraft treten soll, in der Schwebe. Dieses Gesetz ist für die Förderung von Kulturprojekten essenziell. Aktuell deckt es lediglich 20 bis 30 Prozent der Kosten der Theater ab – ein Wert, der nicht nur deutlich niedriger als in anderen Bundesländern ausfällt, sondern laut Hillmann auch "nicht mehr ausreichend" ist.
Theater Plauen-Zwickau vor der Insolvenz
Ein besonders drastisches Beispiel liefert das Theater Plaen-Zwickau. Geschäftsführerin Sandra Kaiser beziffert das drohende Defizit für 2025 auf 3,3 Millionen Euro. "Sollte finanzielle Unterstützung ausbleiben, müssten wir Ende 2025 Insolvenz anmelden", warnt Kaiser.
Aber auch andere Einrichtungen, wie das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau und die Sächsische Bläserphilharmonie, stehen unter großem Druck. Sie konnten zwar in diesem Jahr gerettet werden, die Unsicherheiten bleiben dennoch.
Unzureichende Förderungen trotz hoher Landesmittel
Sachsen unterstützt Theater und Orchester jährlich mit rund 106 Millionen Euro über das Kulturraumgesetz. Zuletzt wurden in den vergangenen zwei Jahren 4,6 Millionen Euro als Hilfspaket bereitgestellt.
Dennoch reichen die Mittel nicht aus, um die strukturellen Probleme vieler Theaterbetriebe zu lösen. "Angesichts der klammen Kassen macht sich unter den Theaterbetrieben eine gewisse Unruhe breit", so Hillmann.
Kulturangebote in Gefahr
Die Krise hat bereits spürbare Folgen für den Theaterbetrieb. Am Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz versucht man mit einer Unterschriftenaktion auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen.
"Wir sind der größte Arbeitgeber im Bereich Kultur im Erzgebirge", erklärt Intendant Moritz Gogg. Doch auch hier sind Einsparungen unvermeidlich. Stellen bleiben unbesetzt, und im Herbst 2025 wird eine geplante Neuproduktion gestrichen.
Ungewisse Zukunft
Die Zukunft der sächsischen Theaterlandschaft hängt stark von der Unterstützung des Landes und der Kommunen ab. Sollte die Finanzierungslücke nicht geschlossen werden, drohen kulturelle Einbußen, Arbeitsplatzverluste und letztlich die Insolvenz einzelner Häuser. Hillmann mahnt, dass ein stärkeres Engagement notwendig sei, um die kulturelle Vielfalt in Sachsen zu erhalten.
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