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Erster KI-Hit in den deutschen Charts: Butterbro erzielt Erfolg mit "Verknallt in einen Talahon"

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 15.08.2024

künstliche intelligenz musikbusiness

Erster KI-Hit in den deutschen Charts: Butterbro erzielt Erfolg mit "Verknallt in einen Talahon"

© Igor Omilaev via Unsplash

Butterbro, alias Josua Waghubinger, hat mit "Verknallt in einen Talahon" den ersten Erfolg eines KI-generierten Liedes in den deutschen Charts erzielt. Das Lied spielt auf moderne Jugendkultur an, ist jedoch musikalisch erstaunlich traditionell - und wirft viele Fragen auf.

Josua Waghubinger ist neben seiner Tätigkeit als Musikproduzent auch Game- und Software Designer. Butterbros Song enthält eine KI-generierte Liebeserklärung einer Frau an einen sogenannten Talahon.

Was ist ein Talahon?

Der Begriff Talahon, der derzeit als Jugendwort des Jahres 2024 nominiert ist, wird im Lied als jemand beschrieben, der sich durch auffällige Mode und ein bestimmtes, potentiell aggressives Verhalten auszeichnet. Der Begriff hat seinen Ursprung vermutlich im arabischen Ausdruck "Ta'al La'hon", der "Komm her" bedeutet.

Der KI-Hit charakterisiert einen Talahon folgendermaßen: "Ich glaub', ich bin verknallt in einen Talahon / Mit Louis-Gürtel, Gucci-Cap und Air-Max-Schuh'n / Er macht Schattenboxen und ist der Coolste von seinen Bros / Und das Messer in der Tasche ist bestimmt nicht nur fürs Butterbrot."

Gespaltene Meinungen

Durch solche Textzeilen setzt sich der Song der Kritik aus, problematische Klischees zu verstärken, während der Produzent versucht, gegen diese Vorwürfe zu argumentieren. 

Der Song verteidigt sich damit, dass er nicht alle Menschen mit ähnlichem Stil pauschal als Talahons bezeichnet. In den Lyrics heißt es weiter: "Nicht jeder mit dem Style ist gleich ein Talahon".

Musikalisch bemerkenswert

Interessant an dem Lied ist, dass es musikalisch an fröhlich-swingenden Pop oder Schlager der 1940er- oder 1950er Jahre erinnert. Swing-Bläser und eine Art Klarinette verstärken diesen Eindruck.

Die weibliche Gesangsstimme ist glasklar und das Gegenteil zum nuschelnden Trap der Gegenwart, singt aber manche Wörter mit einer etwas eigenartigen Betonung oder Aussprache. 

Die traditionelle Musik steht in seltsamen Kontrast zu dem von modernen sprachlichen Klischees nur so triefenden Text, in dem man die KI-Prompts noch mit Händen greifen kann.

Insgesamt ist der von diesem Musikstück ausgehende Eindruck auf der einen Seite faszinierend und gleichzeitig außerordentlich befremdlich – vielleicht ein Uncanny Valley Effekt.

Das Cover – so seltsam wie das Lied

Auch das dazugehörige Cover ist bemerkenswert: In einer Bahnhofshalle mit gläserner Front, steht eine blonde Frau, dahinter haben sich acht junge Männer mit "orientalischem" Aussehen versammelt, die einfarbige Jogginganzüge tragen, wobei die Hosen eher wie Schlaghosen aussehen. Eine weitere Kuriosität: Neben ihren modischen Taschen haben sie offensichtlich die Koffer ihrer Großeltern dabei. 

Im Hintergrund ist ein alter Zug der DB zu sehen, der so schon seit Jahrzehnten nur noch bei Nostalgie-Fahrten verkehrt. Insgesamt hinterlässt das sicherlich ebenso KI-generierte Bild mit seinen gruselig schlechten Übergängen einen ebenso seltsam-faszinierenden Eindruck wie das Lied. 

Verhängnisvolle KI-Plattform

Butterbro ließ Melodie und Gesang seines Liedes über die Musikgenerator-Website Udio erstellen, die sich derzeit aufgrund von Urheberrechtsstreitigkeiten mit Major Labels in einem Rechtsstreit befindet.

Seit der Veröffentlichung hat sich das Lied auf Plattformen wie TikTok verbreitet, war allerdings zeitweise aufgrund von Urheberrechtsproblemen nicht auf Spotify verfügbar.

Mittlerweile scheint diese Frage jedoch geklärt und das Lied hat es auf Platz 48 der deutschen Charts und Platz 38 der Spotify-Charts geschafft.

Ist das die Zukunft?

Die spannende Frage ist natürlich: Was bedeutet das für die Zukunft? Schon länger warnen Branchenvertreter, dass KI-generierte Musik der menschengemachten Musik starke Konkurrenz machen wird und fordern Maßnahmen zugunsten menschlicher Urheber. 

Fest steht: Josua Waghubinger mag mit seinem KI-Track ein Charterfolg gelungen sein, bei der GEMA anmelden und Songwriter-Tantiemen kassieren, kann er nicht, denn das Urheberrecht gilt nur für von Menschen geschaffenen Werke. Aber man darf gespannt sein, was als nächstes kommt.

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