Rettungsschirm mit Zukunftspotenzial
Evaluation des Corona-Hilfsprogramms: Neustart Kultur war ein Erfolg
neustart kultur kulturpolitik claudia roth
© Anthony Da Cruz
Von August 2020 bis Juni 2023 wurden im Rahmen von Neustart Kultur insgesamt über 160.000 Anträge gestellt, von denen knapp die Hälfte bewilligt wurde.
Die Letztempfänger:innen und mittelausreichenden Stellen (MAS) wurden im Rahmen der Evaluation von Neustart Kultur in Interviews zu ihren Erfahrungen mit dem Programm befragt. Von mehr als 14.500 Umfragenteilnehmern stammen nicht weniger als 6.000 aus dem Bereich "Musik", der damit die mit Abstand größte Befragten-Kategorie bildet.
Die vollständige Evaluation findet sich hier als PDF.
Ein erfolgreiches Rettungsprogramm
Das Corona-Hilfsprogramm hat nach ihrer Ansicht maßgeblich dazu beigetragen, die Auswirkungen der Pandemie auf den Kulturbereich abzufedern. Letztempfänger:innen gaben an, dass Neustart Kultur Bedarfe abdeckte, die durch andere Maßnahmen nicht abgedeckt wurden.
Besonders für selbstständige Künstler:innen war das Programm ein wichtiger Rettungsschirm. Den Letztempfänger:innen wurde ermöglicht, ihre künstlerischen Tätigkeiten fortzusetzen und ihren Betrieb aufrechtzuerhalten.
Sowohl die Förderinstitutionen (MAS) als auch die Letztempfänger:innen sehen das Ziel des Programms, "ein Auffangnetz für die Kulturbranche zu spannen", als erreicht ein.
Mehr als ein Rettungsprogramm?
Neustart Kultur sollte nicht nur als Rettungsprogramm dienen, sondern die Kulturbranche auch für die Zukunft nach der Pandemie stärken. Fördermaßnahmen unterstützten in dieser zweiten Phase des Programms beispielsweise die Weiterqualifikation von Letztempfänger:innen und die Ausweitung bestehender wie auch die Erprobung neuer Geschäftsmodelle.
Trotz dieser Maßnahmen zeigt die Evaluation, dass Neustart Kultur eher als Rettungsprogramm angesehen wird und weniger als Programm, das die Zukunftsfähigkeit der Branche langfristig garantieren sollte. Dies kann allerdings auch an der zeitlichen Begrenzung des Programms liegen.
Förderung nach Bedarf
Aus der Evaluation geht außerdem hervor, dass die Struktur von Neustart Kultur eine differenzierte Förderung für unterschiedliche Sparten der Kultur- und Medienlandschaft ermöglichte. Die dezentrale Organisation von Neustart Kultur ermöglichte es "Programme zielgruppenspezifisch aufzusetzen und Fördergrundsätze in Abstimmung mit den zuständigen BKM-Fachreferaten nachzuschärfen bzw. zu optimieren".
92 Einzelprogramme richteten sich mit unterschiedlichen Förderansätzen an unterschiedliche Sparten, sodass spezifische Bedarfe einer großen Bandbreite an Akteur:innen der Kultur- und Medienbranche individuell berücksichtigt werden konnten. Die Förderinstitutionen verfügten über genaue Kenntnisse der jeweiligen Kultursparten und besaßen zu den Letztempfänger:innen ein Vertrauensverhältnis, was zur reibungslosen und effizienten Umsetzung von Neustart Kultur beitrug.
Reibungslos trotz bürokratischen Hürden
Trotz des bürokratischen Aufwands bewerteten die Letztempfänger:innen den Ablauf der Förderung als verständlich und weitgehend problemlos. Laut Umfrage mussten die Förderstellen (MAS) zum Teil neue Prozesse zur Durchführung der Programme entwickeln, die einen zusätzlichen Arbeitsaufwand darstellen, der allerdings gut bewältigt werden konnte.
Die Förderinstitutionen bewerteten die Zusammenarbeit mit dem Bundesverwaltungsamt und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien zudem als unterstützend und vertrauensvoll.
Neue Form der Zusammenarbeit
Die Förderstellen stufen Neustart Kultur als geeignetes Modell für die Umsetzung zukünftiger bundesweiter Förderprogramme ein. Dennoch bemängelten sie den insgesamt hohen Koordinierungsaufwand des Programms und die fehlende Verzahnung von Bundes- und Länderprogrammen. Ein weiterer Kritikpunkt war das Fehlen einer zentralen Anlaufstelle, die einen Überblick über Förderschwerpunkte und -zeiträume der Einzelprogramme bietet.
Die Förderinstitutionen nennen personelle Kapazitätsaufstockung, Entlastung der eigenen Geschäftsführungen und Einrichtung zentraler Anlaufstellen zur Koordination als potenzielle Optimierungen.
Aus den Kritikpunkten gingen somit sofort Verbesserungsvorschläge und Handlungsempfehlungen hervor. "Für die Zukunft sollten wir Lehren aus den praktischen Erfahrungen und der Evaluierung für derartige Ausnahmesituationen ziehen", erklärt Kulturstaatsministerin Claudia Roth zu den Ergebnissen der Evaluation.
Die Bilanz
Die Evaluation zeigt, dass Neustart Kultur wesentlich dazu beitragen konnte, den Kulturbereich während der Pandemie zu stützen. Obwohl es ein paar Schwierigkeiten, besonders bürokratischer Natur, gab, entstand auch neues Wissen, das in der Zukunft für mögliche Krisenzeiten genutzt werden kann. Dazu Claudia Roth:
"Aufgrund der Erfahrungen in der Bewältigung dieser Krisensituation haben wir in der BKM-Behörde auch bereits eine ständige Projektgruppe Kultur und Krise eingerichtet und sind damit auch für zukünftige Krisenszenarien noch besser aufgestellt".
Damit können gute Erfahrungen als Richtlinien und weniger gute Erfahrungen als Verbesserungsvorschläge für zukünftige Förderprogramme dienen.
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