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Der Konzertmarkt wächst, aber nicht überall

GEMA-Daten zeigen: Zahl der Konzerte wächst, kleine Shows unter Druck

Spezial/Schwerpunkt von BackstagePRO
veröffentlicht am 05.08.2026

gema liveszene

GEMA-Daten zeigen: Zahl der Konzerte wächst, kleine Shows unter Druck

© Anthony Da Cruz

Die GEMA hat im Rahmen ihrer Song Economy die Zahl der Konzerte ermittelt und stellt fest, dass sowohl ihre Anzahl als auch die Zahl der Besucher 2025 erstmals wieder das Niveau von 2019 erreichte bzw. übertraf. Das sind gute Nachrichten, aber in den Zahlen verbergen sich auch wenig erfreuliche Entwicklungen.

Nach den Angaben der GEMA wurden 2025 bundesweit mehr als 267.000 Konzerte veranstaltet. Damit übertraf der Live-Musikmarkt erstmals die Zahl der Konzerte des Jahres 2019, als 263.000 Konzerte stattfanden. Deutlich stärker wuchs die Zahl der Besucher: 2019 lag die Zahl der Zuschauer bei 69 Millionen, 2025 bei mehr als 74,5 Millionen.

© GEMA

Die GEMA veröffentlichte diese Zahlen als Teil ihrer Reihe "Song Economy", die allerdings nur Konzerte der Unterhaltungsmusik erfasst, die über den Tarif U-K abgerechnet werden. Konzerte der ernsten Musik (Klassik) sind ebensowenig enthalten wie Veranstaltungen mit Livemusik, bei denen der musikalische Auftritt nicht im Vordergrund steht.

Kleine Konzerte unter Druck

Veranstaltungen mit bis zu 500 Besuchern stellen nach wie vor mit 244.268 Konzerten insgesamt den größten Teil des deutschen Konzertmarktes. Gerade diese Konzerte erholen sich aber nur langsam von der Pandemie: 2025 fanden erstmals wieder mehr Konzerte mit bis zu 500 Besuchern statt als 2019, wobei der Zuwachs mit 0,4 Prozent gering ausfiel. 

Konzerte mit mehr Besuchern entwickelten sich besser: Fast 13.000 Konzerte bis 1.000 Zuschauer fanden 2025 statt, 10 Prozent mehr als 2019. Das stärkste Wachstum im Vergleich der Jahre 2025 und 2019 verzeichneten Konzerte bis 2.000 (plus 25,4 Prozent), bis 5.000 (plus 17,3 Prozent) und bis 15.000 Zuschauern (plus 32,9 Prozent).

Auch die GEMA sieht diese "sehr unterschiedliche Erholung" mit Sorge. Christian Seitz, Direktor Lizenzierung & Verteilung Aufführungsrechte GEMA erklärt:

"Die vielen kleinen Konzerte bilden das Rückgrat der deutschen Livemusiklandschaft. Gerade dieses breite Fundament entwickelt sich aber deutlich langsamer als das, bezogen auf die Anzahl, vergleichsweise kleine Segment mittlerer und großer Veranstaltungen. Für eine vielfältige und nachhaltige Musikkultur müssen wir beide Seiten im Blick behalten."

Großkonzerte mit langfristigem Wachstum, aber kurzfristigem Rückgang

Großkonzerte bis 50.000 Zuschauern wuchsen zwischen 2019 und 2025 um 8,1 Prozent, Konzerte mit mehr als 50.000 Zuschauern sogar um mehr als 13 Prozent. Der Boom der Mega-Konzerte ist aber etwas rückläufig, denn im Jahresvergleich gingen Konzerte mit mehr als 50.000 Besuchern um 18,9 Prozent zurück und Konzerte bis 50.000 Zuschauern um fast 9 Prozent.

Die absout geringen Zahlen von Mega-Konzerten macht diese aber besonders anfällig für statistische Verzerrungen, denn Tourneen von Riesen-Acts wie Rammstein, Die Toten Hosen oder internationalen Größen wie den Rolling Stones oder Coldplay können diese Zahlen signifikant verändern.

© GEMA

Nicht nur an die Großen denken

Eine wachsende Zahl von Konzerten ist grundsätzlich eine positive Entwicklung, denn Live-Events haben nicht nur eine kulturelle, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung. Konzertveranstaltungen sorgen für zusätzliche Umsätze in Hotels, Restaurants, im Einzelhandel und im öffentlichen Verkehr. Die Konzertbranche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor weit über die Musikbranche hinaus. 

Es liegt natürlich nahe diese wirtschaftlichen Auswirkungen vor allem für Großkonzerte hoch anzusetzen, aber aufgrund ihrer riesigen Zahl beinhalten kleine Konzerte ebenfalls eine gewichtigen Wirtschaftsfaktor, der häufig unterschätzt wird.

Gerade Shows unter 500 Besuchern leiden aber am stärksten an gestiegenen Kosten für Licht- und Tontechnik, Energie und Personal. Wenn es nicht gelingt, die Kostenstruktur am unteren Ende der Konzerteskala zu stablisieren, drohen signifikante Auswirkungen auf alle Bereiche des Live-Businesses.  

Was die Daten nicht sagen

So spannend die GEMA-Daten auch sind, sie beschränken sich auf die Zahl der im Tarif U-K abgerechneten Konzerte und die Zahl der Besucher. Insbesondere treffen sie keine Aussagen über die Profitabilität der Veranstaltungen.

Lediglich die Zahl der Events lässt mit zeitlichem Verzug Entwicklungen erkennen, wie eben die langsame Erholung im Bereich der Konzerte unter 500 Besuchern. Dauerhafte Veränderungen des Konzertmarkts lassen sich daher in den Daten der Song Economy nur langfristig ermitteln.

Deutschlands beliebteste Konzertstädte

Die Analyse der Konzertstädte ergibt wenig überraschende Ergebnisse. Berlin behauptet sich in seiner Rolle als wichtigste Konzert-Metropole Deutschlands und führt das bundesweite Ranking mit 20.638 Konzerten und 6.6 Millionen Besuchern mit großem Abstand an. Die Hauptstadt profitiert dabei von ihrer hohen Dichte an Veranstaltungsorten von kleinen Clubs bis zu großen Open Air Bühnen und Arenen. 

Neben Berlin komplettieren Hamburg mit 10.212 Konzerten, München mit 8.190 Konzerten und Köln mit 7.370 Konzerten die Spitze des deutschen Live-Musikmarktes. Leipzig folgt auf Platz 5 mit 4.463 Konzerten. Im Ranking der Besucher liegt Köln vor München und auf Platz 5 befindet sich Frankfurt am Main statt Leipzig.

Große Arenen dominieren das Location-Ranking

Mit mehr als 1,3 Millionen Besuchern liegt die Lanxess Arena in Köln auf Platz 1 des Location-Rankings, gefolgt vom Olympiapark in München mit etwas mehr als 1 Million Besucher. Hier ist aber zu kritisieren, dass der Olympiapark strengenommen keine Location ist, sondern mehrere, bestehend aus Olympiahalle, Olympiastadion und Olympiapark.

Die nächste echte Location ist die Uber Arena in Berlin auf Platz 3 mit mehr als 977.000 Zuschauern, gefolgt von der Barclays Arena in Hamburg mit etwas mehr als 800.000 Besuchern. Auf den Plätzen  5 und 6 folgen zwei Städte, die Neubauten für ihre in die Jahre gekommenen Arenen planen, nämlich Frankfurt und Stuttgart. Dennoch konnten Festhalle und Schleyer-Halle mehr als 500.000 Besucher begrüßen.

Auf Platz 7 folgt der erste Nicht-Arena, das Zenith in München mit 375.000 Besuchern. Die Rudolf Weber Arena in Oberhausen wurde 2025 von mehr als 359.000 Menschen besucht, das Palladium in Köln, ebenfalls keine Arena, von 315.000. Mit der Waldbühne in Berlin (mehr als 216.000 Zuschauer) folgt auf Platz 10 die einzige reine Open Air Location der Liste.

© GEMA

Mehr Konzerte in Bayern als in NRW

Auf Länderebene ist Bayern auf Platz eins mit 47.453 Konzerten, dicht gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 45.468 Konzerten. Mit Städten wie Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Oberhausen verfügt das Bundesland über zahlreiche große Veranstaltungsstätten und zieht regelmäßig internationale Touren an, so dass man eigentlich das bevölkerungsreichste Bundesland auf Platz 1 erwarten würde. Leider erklärt der Bericht nicht, warum Bayern dennoch vorne liegt.

Auf den weiteren Plätzen folgen Baden-Württemberg (37.805 Konzerte), Niedersachsen (22.483 Konzerte) und Berlin (20.608 Konzerte). Hinten im Ranking befinden sich die kleinen Bundesländer (Saarland und Bremen) sowie die bevölkerungsarmen ostdeutschen Flächenländer außer Sachsen.

© GEMA

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