×

Mehr Stadionkonzerte, weniger Clubshows

GEMA-Live-Report 2024: Kleine Konzerte unter Druck, Mega-Shows boomen

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 15.05.2025

gema liveszene livekomm

GEMA-Live-Report 2024: Kleine Konzerte unter Druck, Mega-Shows boomen

© Wendy Wei via Pexels

In ihrem "Konzerte in Deutschland"-Report meldet die GEMA für 2024 einen Besucherrekord bei Live-Events und eine Konzertzahl, die sich dem Vor-Corona-Niveau annähert. Die Schattenseite besteht darin, dass kleine Konzerte das Niveau von 2019 noch nicht wieder erreicht haben.

Im Jahr 2024 fanden in Deutschland laut GEMA rund 250.000 Konzerte statt, die insgesamt von rund 70 Mio. Menschen besucht wurden. Gegenüber 2023 ist das ein Anstieg in der Zahl der Konzerte von 8,1 Prozent und hinsichtlich der Besucherzahlen von 9,7 Prozent.

Während die Besucherzahl 2024 einen neuen Rekord erreichte, liegt die Anzahl der Konzerte insgesamt nach wie vor unter dem Niveau von 2019 (dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie). Innerhalb des fünfjährigen Zeitraumes sank die Zahl um 4,9 Prozent.

Kleine Konzerte erreichen nicht Niveau von 2019

Ursächlich dafür ist vor allem der Rückgang bei kleinen Konzerten unter 500 Besuchern. Diese stellen mit 228.842 einzelnen Shows nicht weniger als 91 Prozent aller Konzerte, die 2024 stattgefunden haben. Gegenüber 2023 wuchs ihre Zahl zwar um 7,7 Prozent, im Vergleich zu 2019 fanden aber 5,9 Prozent weniger kleine Shows statt.

Die Besucherzahl bei diesen kleinen Konzerten nahm im Vergleich zu 2023 um 7,8 Prozent auf fast 28 Millionen zu, liegt aber fast 12 Prozent unter dem 2019 erreichten Wert.

Schwächung der Basis

Die LiveKomm sieht darin eine Schwächung des Fundaments der Live-Musik. Vorstandsmitglied Felix Grädler erklärt dazu: 

"Die Zahlen sind ein Weckruf mit zwei Botschaften: Ja, Livemusik lebt – aber sie wird an der Spitze fetter und an der Basis dünner. Wir brauchen jetzt gemeinschaftliche Modelle wie den Live Music Fund Germany, um das Gleichgewicht im Ökosystem Livemusik wiederherzustellen."

Der Live Music Fund soll durch kleine Ticketabgaben bei Großkonzerten finanziert werden und gezielt Clubkonzerte, kleine Festivals und Nachwuchstourneen fördern. Auch die GEMA solle sich an dem Fund beteiligen, fordert die LiveKomm.

Förderung dringend nötig

Eine Zahl bewertet die LiveKomm als besonders alarmierend: Im Cluster "bis 500 Besucher*innen" liegt die durchschnittliche Besuchendenzahl pro Konzert bei nur rund 122 Personen und damit laut Live Komm "deutlich unter einer wirtschaftlich tragfähigen Auslastung".

Eine strukturelle Unterstützung dieser "Grassroots-Konzerte" sei dringend geboten, "denn ohne kleine Konzerte, mit denen Newcomer zu kommenden Stars heranwachsen, werden auch Großevents künftig weniger werden – der "Circle of Live" wird zerstört." 

Karsten Schölermann, der Vorsitzende der Bundesstiftung Livekultur, die gemeinsam mit der LiveKomm den Live Music Fund plant, erklärt dazu:

"Diese Schieflage kann auf Dauer nicht gutgehen. Die Stars von morgen stehen in den Clubs von heute – aber genau dort fehlen die Mittel, um Risiken einzugehen und Newcomer*innen zu fördern."

Boom der Stadionshows

In seinem Statement verweist Grädler darauf, dass die Anzahl der Großkonzerte (ab 50.000 Besucher) innerhalb des fünfjährigen Zeitraumes um 39,5 Prozent auf nun 53 anstieg, während die Konzerte zwischen 15.000 und 50.000 Besuchern um 21,3 Prozent auf nun 194 wuchsen. Gegenüber 2023 lag das Wachstum bei 55,9 bzw. 9,6 Prozent. 

Die geringen absoluten Zahlen sollte nicht in die Irre führen. Die lediglich 53 Großkonzerte zogen 3,7 Millionen Besucher an, ein Wachstum von 56,6 Prozent im Vergleich zu 2023 und um 23,1 Prozent im Vergleich zu 2019. Diese Zahlen sind noch eindrucksvoller, wenn man bedenkt, dass die Stadien in Deutschland 2024 durch die Fußball-EM teilweise blockiert waren. 

Die meisten Konzerte fanden von Oktober bis Dezember statt, während die Sommermonate Juni bis August die besucherstärksten waren. Schlusslichter in beiden Bereichen sind – wenig überraschend –Januar und Februar.

Bayern und Berlin an der Spitze

Auf Bundesebene liegt Bayern bei der Anzahl an Konzerten vorne; 44.293 Konzerte fanden im vergangenen Jahr im Freistaat statt. Die zweiten und dritten Plätze belegen Nordrhein-Westfalen (41.677) und Baden-Württemberg (35.609).

Die Top-Location liegt ebenfalls in Bayern: der Olympiapark in München verzeichnete im Jahr 2024 1,26 Mio. Besucher. Auch die Messe München und das Zenith schafften es mit 721 und 345 Tsd. Besuchern auf den Plätzen drei bzw. zehn. Den zweiten Platz belegt die Lanxess Arena in Köln mit 1 Mio. Besuchern.

Bei den Städten lag Berlin sowohl bei der Anzahl der Konzerte als auch bei der Besucherzahl vorne. Die Uber Arena und die Waldbühne schafften es auch in die Top 10 der meistbesuchten Locations.

Unternehmen

GEMA

Verwertungsgesellschaft für Werke der Musik

Live Musik Kommission (LiveKomm)

Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V.

Ähnliche Themen

GEMA senkt Online-Kommission für Streaming-Ausschüttung von 10 auf 7 Prozent

Deutlich höhere Ausschüttung für Musikschaffende

GEMA senkt Online-Kommission für Streaming-Ausschüttung von 10 auf 7 Prozent

veröffentlicht am 18.09.2025   1

GEMA startet erste Bewerbungsrunde für Kulturfonds Online

Neue Förderprogramme

GEMA startet erste Bewerbungsrunde für Kulturfonds Online

veröffentlicht am 02.06.2025

BGH urteilt: GEMA darf Tanzschulen-Tarife auf Basis der Umsätze berechnen

Komplizierte Lage

BGH urteilt: GEMA darf Tanzschulen-Tarife auf Basis der Umsätze berechnen

veröffentlicht am 28.05.2025

Welche Faktoren verhelfen Festivals zum Erfolg?

Maßnahmen gegen das Festivalsterben

Welche Faktoren verhelfen Festivals zum Erfolg?

veröffentlicht am 14.05.2025

Newsletter

Abonniere den Backstage PRO-Newsletter und bleibe zu diesem und anderen Themen auf dem Laufenden!