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"Seht zu, dass ihr etwas zu erzählen habt!"

Gute Songtexte schreiben: Profitipps von Daniel Dickopf (Wise Guys)

Tipps für Musiker und Bands von Lukas Böhnlein
veröffentlicht am 13.07.2015

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Gute Songtexte schreiben: Profitipps von Daniel Dickopf (Wise Guys)

Daniel Dickopf von den Wise Guys. © Pressefoto

Ein guter Songtext kann ausschlaggebend dafür sein, wie gut ein Song beim Publikum ankommt. Das Publikum möchte hören, was die Band zu sagen hat, möchte unterhalten oder emotional berührt werden. Im Folgenden gibt's einige Tipps, die dir beim Texten helfen können. Unser Autor Lukas Böhnlein schreibt selbst Songtexte und hat für diesen Artikel mit Daniel "Dän" Dickopf von den Wise Guys gesprochen, der fast alle Songtexte der Wise Guys schreibt.

1. Machen, machen, machen

Wie auch dein Instrument solltest du auch das Schreiben von Songtexten immer wieder üben. Je mehr du schreibst, umso leichter fällt es dir und du wirst besser.

„Ich hab meine ersten Songtexte geschrieben als ich 15 war“ – inzwischen hat Dän einige Jahre Erfahrung und seine Texte begeistern ein großes Publikum in allen Altersgruppen. Er schreibt fast jeden Tag mehrere Stunden an seinen Songtexten.

2. Archivieren

Wenn sich viele Texte und Notizen angesammelt haben, kann es sehr hilfreich sein, ein Archiv anzulegen. Auch Dän hat ein umfangreiches Archiv auf seinem Rechner: “Ich hab die dann teilweise nach Jahren geordnet, damit ich weiß: Die Idee ist schon uralt, was dann eben manchmal heißt, dass ich damit stecken geblieben bin.“ Mit den verschiedenen Stadien durchlaufen Däns Texte verschiedene weitere Ordner. Auch wenn ein Text nicht auf Anhieb gefällt, kann daraus vielleicht Jahre später durch eine Überarbeitung noch ein sehr guter Songtext werden.

„Ich habe jetzt auch bei dem Album 'Achterbahn' den Song: 'ein dickes Ding'. Da hab ich gesehen, dass ich den 2007 angefangen hatte und den nie fertig gemacht habe, weil mir irgendwie die Pointe fehlte. Ich hab immer wieder mal drauf geguckt, aber erst 2014 war es einfach soweit, dass mir einfiel: Es gibt einfach keine Pointe. Das dicke Ding, das vom Himmel gefallen ist, es wird nicht erklärt, was es ist. Dadurch hatte der Song genau den Dreh, den es brauchte um lustig zu sein.“

3. Recherchieren, um etwas erzählen zu können

Songtexte sollen unterhalten, überraschen und auf keinen Fall langweilen. Dän legt sehr großen Wert auf den Inhalt: „Wenn die Geschichte nicht stimmt, wenn das, was da erzählt wird einen inhaltlich kalt lässt als Hörer, dann hat man verloren.“

Suche also immer wieder nach neuen und interessanten Themen und Herangehensweisen. Gewöhne dir an, ständig nach neuen Themen zu suchen. Es muss nicht immer Liebe sein. Auf Themen kannst du in allen Lebenslagen stoßen.

Mehr inhaltliche Tiefe bekommen deine Songs vielleicht auch durch intensive Recherche über dein Thema: Das kann bedeuten, dass du mal etwas googgelst, in eine Bibliothek gehst oder Freunde fragst. Gerade bei emotionalen Themen kannst du sehr viel aus persönlichen Erlebnissen von dir oder deinen Freunden herausholen.

Wenn du vor einem weißen Blatt Papier sitzt, dann kannst du mit einem bestimmten Thema anfangen. Genau so ist es aber auch möglich, dass du einen bestimmten Reim, ein Wort oder eine Lautmalerei im Kopf hast. Daraus kann sich dann der Rest ergeben.

4. Reimen ohne den Inhalt zu erdolchen

Reime wie „Liebe und Triebe“ sind ausgelutscht. Versuche Reime zu verwenden, die deine Zuhörer nicht erwarten. Dän meint: „Das Allerwichtigste ist der Inhalt. Es darf nie sein, dass der Reim den Inhalt erdolcht. Das ist für mich die Todsünde. Die Konsequenz, die viele Leute daraus ziehen ist, dass sie dann falsche Reime nehmen. Das war meine zweite Prämisse, dass die Reime wirklich sauber und echt sind.“

Als Beispiel für einen erdolchten Inhalt nennt Dän den Song 'Abenteuerland' von Pur, „die singen da: 'Komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand'. Und was dieser Song eigentlich inhaltlich sagen will ist: werde wieder ein Kind und gib deine erwachsene Vernunft auf. Gib deine Rationalität auf. Das Wort Verstand ist da nur, weil es sich auf Abenteuerland reimt. Das ist unmöglich, finde ich.“

5. Mit Sätzen und Worten spielen

Falls es dir schwer fällt, passende Reime zu finden, die gut klingen, die nicht vorhersehbar sind und auch deine Aussage nicht verfälschen? Dann probiere mal folgendes:

Stelle deinen Satz um. Setze mal das Ende an den Anfang. Meistens kannst du deinen Satz so formulieren, dass andere Wörter am Zeilenende stehen, so dass du andere Möglichkeiten für Reime bekommst. Ein Reimlexikon kann dir helfen, gute Reimwörter zu finden. Mit einem Synonyme Wörterbuch kannst du nach alternativen Ausdrucksmöglichkeiten suchen. Du musst nicht immer das erste Wort verwenden, dass dir einfällt. Dadurch wird dein Text auch lebendiger und abwechslungsreicher.

„Es gibt ganz viele Dinge, die zum Ziel führen,“ sagt Dän, „und manche Wege sind einfach versperrt. Die kann man nicht mit Gewalt sprengen. Dann muss man eine Umgehung suchen.“

6. Auf Phrasen verzichten

Sätze, die du selbst schon in vielen anderen Liedern gehört hast, lässt du lieber weg. „Ich liebe dich!“ ist nicht besonders kreativ und haut niemanden mehr vom Hocker. Versuche bekannte Sachverhalte neu auszudrücken. Der Rapper Curse formulierte das tausendfach besungene Thema Liebe zum Beispiel so:

„Wenn ich die Welt aus dir erschaffen könnte, würd ich dir den Atem nehmen, um den Wind daraus zu machen, auf dass er ewig um uns weht. Und wenn ich die Welt aus dir erschaffen könnte, dann würd ich deine Wärme nehmen, um die Sonne zu erschaffen, auf dass sie nie mehr untergeht.“

7. Texte auf die Musik abstimmen

Text und Musik sollten im Idealfall zu einer Symbiose werden. „Der Text muss so an die Musik angepasst sein, dass durch den Text selber eine Rhythmik entsteht,“ meint Dän.

Versuche auch nicht zu viele Silben unterzubringen. Drücke dich einfacher aus oder teile den Text anders auf.

8. Sprachvorteile nutzen

Ob du auf Englisch, Deutsch oder eine ganz andere Sprache texten möchtest, musst du selbst entscheiden. Richtig und Falsch gibt es dabei nicht. Als Hilfe bei der Entscheidung, hier die jeweiligen Vorteile:

Englisch klingt weicher als Deutsch und ist damit musikalischer. In der Popmusik sind wir es gewohnt Songs auf Englisch zu hören. Wenn der Text nicht so gut ist, fällt es weniger auf, da die meisten Hörer nicht so gut Englisch können und sowieso meist nicht auf den Text achten.

Mit deutschen Texten erweitert ihr eure Musik um eine inhaltliche Ebene. Selbst Hörer, die sehr gut Englisch können, nehmen eure englischen Texte nicht so emotional wahr, wie sie es bei einem deutschsprachigen Text tun würden. Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, hast du sicher bessere sprachliche Fähigkeiten in dieser Sprache. Du kannst viel leichter mit stilistischen Mitteln wie Metaphern oder Doppeldeutigkeiten umgehen.

Wenn du mit deinen Texten wirklich etwas zu sagen hast, dann erreichst du mehr, wenn du auf der jeweiligen Landessprache – in unserem Fall Deutsch – schreibst.

Dein Feedback

Schreibst du selbst Songtexte oder steht deine Band momentan vor der Frage, wer die Texte schreibt? Steht vielleicht schon die Musik? Hast du weitere Tipps? Teile deine Erfahrungen!

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