Fragwürdige Wahl
Konservativer Verleger Wolfram Weimer soll Kulturstaatsminister werden
Wolfram Weimer (2025). © Jesco Denzel / Bundesregierung
Am Montag gab CDU-Chef Friedrich Merz bekannt, welche CDU-Politiker dem Kabinett angehören werden. Bereits vorher war bekannt, dass Wolfram Weimer für den Posten des Kulturstaatsministers durchsickerte.
Verleger ohne politische Vorerfahrung
Der 60-jährige Weimer arbeitete in den 1990er Jahren für die FAZ als Wirtschaftsredakteur und Korrespondent in Madrid. Von 1998 bis 2002 war er Chefredakteur der Welt und Berliner Morgenpost, ehe er im Jahr 2004 das konservative Magazin Cicero gründete. Von 2009 bis 2011 war er Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus. Im Jahr 2012 gründete er die Weimer Media Group, die Magazine wie den Wirtschaftskurier verlegt.
Weimer lebt am Tegernsee, wo auch Merz eine Villa besitzt. Beide sollen schon länger eine gemeinsame Verbindung haben, Merz soll im Wahlkampf auf seine Einschätzung großen Wert gelegt haben.
Vorherige Favoriten für den Posten waren Berlins Kultursenator Joe Chialo und Christiane Schenderlein, die kulturpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.
Ernennung löst Überraschung und Unverständnis aus
Aufgrund seiner mangelnden kulturpolitischen Vorerfahrung überrascht die Ernennung von Weimer. Jörg Häntzschel von der SZ meint, dass Weimer der deutschen Kulturszene eher fern stünde und bislang nicht bekannt war, dass er sich für Kultur interessiere.
Noch härter geht FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube in seinem Kommentar mit Weimer ins Gericht: "Weimer ein Interesse an irgendeiner Kunst oder Geist zu unterstellen, wäre spekulativ", erklärt Kaube. Angesichts von Weimers Kultur und Geschichtsverständnis wäre er "der falsche Mann am falschen Platz".
Gerrit Bartels vom Tagesspiegel weist darauf hin, dass auch in der Vergangenheit Personen ohne politische Erfahrung (wie z. B. Michael Naumann oder Claudia Roth) als Kulturstaatsminister und –ministerinnen ernannt wurden, sie allerdings entweder ein "relativ scharfes kulturpolitisches Profil" oder verstärktes kulturelles Interesse hätten.
Davon ist bei Weimer nichts zu erkennen. Der Deutsche Kulturrat erklärt knapp: "Kulturpolitisch ist Wolfram Weimer bisher ein unbeschriebenes Blatt."
Grund zur Sorge für die Popkultur?
Genausowenig wie zu den übrigen Kultursparten, ist eine Affinität von Weimer für die Popkultur nicht bekannt oder erkennbar. Über praktische politische Erfahrung verfügt Weimer ebenfalls nicht – ein politisches Amt als Abgeordneter, Staatssekretär oder Minister hatte er jedenfalls nie inne.
Die Personalie gibt jedenfalls nicht nur uns Rätsel auf. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, kommentiert:
"Es wird spannend, welche Schwerpunkte der Publizist und Verleger Wolfram Weimer in der Kulturpolitik setzen wird. Der Koalitionsvertrag lässt viel Platz, da wenig konkrete neue Vorhaben und Ziele genannt werden."
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