Debatte im EU-Parlament
Kulturverbände fordern strengere EU-Regelungen gegen Marktkonzentration im Live-Musikmarkt
Der Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg. © Alain Roland / European Union 2026 - Source : EP
Vertreter aus den Bereichen Musik, Medien, Verlagswesen und Film haben am 2. September 2026 im Europäischen Parlament über die Auswirkungen zunehmender Konzentration von Eigentumsverhältnissen auf die kulturelle Vielfalt beraten.
An der Veranstaltung "Safeguarding Cultural Pluralism in Europe: Addressing Ownership Concentration across the Cultural Sectors" nahmen auch politischen Entscheidungsträger aus den Bereichen Kultur und Wettbewerb sowie Mitglieder des CULT-Ausschusses des Europäischen Parlaments teil.
Wenige Konzerne prägen den Markt
Im Livemusiksektor sind vier Unternehmenskonzerne mit mehr als 200 der größten europäischen Festivals verbunden und sind unter anderem auch in den Bereichen Veranstaltungsorte, Ticketverkauf, Werbung und Künstlermanagement tätig. Auch in den Bereichen Musik, Nachrichtenmedien, Kino und Buchverlag kontrollieren mittlerweile nur noch wenige Konzerne die wichtigsten Bereiche.
Folgen für die kulturelle Vielfalt
Auf der Veranstaltung wurde diese Entwicklung nicht nur als wirtschaftliches Problem bezeichnet. Wenn wenige Akteure darüber mitbestimmen, welche Inhalte produziert, beworben und verbreitet werden, könnte das auch die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt beeinträchtigen.
Mögliche Folgen sind eine stärkere Standardisierung des Angebots, weniger unabhängige Stimmen und eine zunehmende Tendenz, kulturelle Entscheidungen von finanziellen Interessen abhängig zu machen.
Europa habe mit der in den 1990er-Jahren verteidigten "kulturellen Ausnahme" schon seit langem anerkannt, dass kulturelle Güter und Dienstleistungen nicht wie gewöhnliche Waren behandelt werden können. Die Auswirkungen konzentrierter Eigentumsverhältnisse auf die kulturelle Vielfalt wurden aber bisher nicht ausreichend berücksichtigt.
Drei Forderungen an die europäische Politik
Live DMA, das Reset! Network, das Syndicat des Musiques Actuelles und die Abgeordnete Emma Rafowicz fordern drei Maßnahmen. Erstens sollen Eigentums- und Finanzierungsstrukturen transparenter werden. Künstler, Unternehmen und Publikum müssen nachvollziehen können, wem Kulturorganisationen und Vertriebswege gehören und wer Werbekampagnen finanziert. Sie schlagen eine Beobachtungsstelle vor, die Eigentumsverhältnisse und Marktkonzentrationen dauerhaft dokumentieren und so die aktuelle Abhängigkeit sichtbar machen.
Des Weiteren wird eine bessere finanzielle Unterstützung kleiner und mittlerer unabhängiger Kulturorganisationen gefordert. Diese leiden weiterhin unter den Folgen der Pandemie und der Kürzungen öffentlicher Mittel. Rafowiz sprach sich in diesem Zusammenhang für einen europäischen Kulturhaushalt von mindestens zehn Milliarden Euro aus.
Außerdem sollen auch Wettbewerbsinstrumente und spezielle kartellrechtliche Vorschriften für den Kultursektor entwickelt werden. Dabei sollte die vertikale Integration der Unternehmen genauer überprüft werden. Zudem wird eine Trennung von Produktions-, Verlags- und Werbeaktivitäten vorgeschlagen sowie Grenzen für die Zahl der Marktsegmente, die ein einzelner Anbieter kontrollieren darf.
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