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Werkzeuge mit Stolperfallen

Laptop auf der Bühne – das sind die Pros und Cons für Musiker und Bands

Spezial/Schwerpunkt von Julian Schmauch
veröffentlicht am 03.09.2024

liveszene

Laptop auf der Bühne – das sind die Pros und Cons für Musiker und Bands

Fleuvie (Live in Schwetzingen 2023). © Rudi Brand

Moderne technische Hilfsmittel wie Laptops oder Tablets gehören längst zur Standardausrüstung vieler Musiker und Bands. Gleichzeitig lehnen manche Künstler ihren Einsatz leidenschaftlich ab, auch unter Hinweis auf mögliche technische Probleme und andere Einschränkungen. Wir haben uns das Thema einmal näher angesehen.

Wenn es darum geht, einen Laptop (oder seltener ein Tablet oder ein Smartphone) auf die Bühne zu nehmen, sind die Lager unter Bands und Künstler*innen gespalten. Die einen können gar nicht mehr ohne, feuern Backing Tracks, virtuelle Instrumente und Effekte und sogar ihre Licht-Shows darüber ab. 

Die anderen meiden Bühnen-Laptops, wie der Teufel das Weihwasser. Zu einschränkend, zu technisch, zu fehleranfällig, zu aufwändig, zu unpersönlich – die Liste der Gegenargumente ist lang. 

Bei Tablets und Smartphones sind die Einschränkungen noch weitaus ausgeprägter, da sie  in Hinblick auf Anschlüsse und Funktionen weniger Optionen bieten als ein Notebook.

Was aber, wenn man als Soloartist auftritt und nicht alle Instrumente spielen kann? Was tun, wenn es finanziell für die Hobby-Band schlicht nicht möglich ist, mit Chor oder Orchester zu den sieben Gigs im Jahr anzureisen? 

Laptop auf der Bühne - Welche Einsatzgebiete gibt es? 

Ein Hauptzweck eines Laptops auf der Bühne bei Bands und Soloartists sind Backing Tracks, also das Abspielen zusätzlicher Instrumente oder Stimmen, manchmal sogar ganzer Instrumental-Songs. 

Am häufigsten wird dafür als Software die DAW Ableton Live genutzt. Mit etwas Einarbeitung geht es aber mit den meisten anderen DAWs auch. Dabei werden Audiospuren mit fertig gerenderten Aufnahmen aus den Studiosessions mit zusätzlichen Gitarren oder vor allem Synthesizern abgespielt, aber auch Chöre, Orchester oder Background Vocals. 

Von Backing Tracks bis zur Lichtshow

Dazu nutzen vor allem Keyboarder und Drummer mit E-Drums Laptops auf der Bühne, um virtuelle Instrumente anzusteuern. Zudem gibt es Bands, die komplette Produktionen inklusive virtueller Audioeffekte und Automationen über Laptops abfeuern.

Außerdem wächst die Zahl derer, die einen Laptop für ihre Visuals, also zur Steuerung der Lichtanlage, aber auch von visuellen Elementen über einen Beamer einsetzen. 

Was gilt es bei Backing Tracks zu beachten? 

Die allererste Frage, die sich stellt, will man seinen Laptop auf die Bühne mitnehmen, ist natürlich der Zweck: Was will ich damit verbessern oder erreichen? Die größte Hürde ist das Synchronisieren: Wie gelingt es, Backing Tracks und Band synchron abzuspielen, ohne dass die Songs auseinanderfallen? Wie wechselt man von einem Song zum nächsten? 

Das Spielen zum Click, also einem gut hörbaren Metronom, ist bei der Arbeit mit Backing Tracks ein Muss, um Einstiege nicht zu verpassen. Auch für das Metronom sollte es daher eine Audiospur und einen separat gerouteten Audioausgang geben. 

In diesem Szenario kommt man fast nicht um In-Ear-Monitoring für alle Bandmitglieder herum. Nur so hören alle Musiker*innen Click und Backing Tracks gut genug und verpassen ihre Einsätze nicht. 

Alles als Audiodateien

Daher lautet die wichtigste Regel für Backing Tracks auf dem Laptop: Rendert alle Instrumente und Spuren als Audiodateien. Kein Sound sollte in der DAW noch von einem virtuellen Instrument generiert werden. 

Jede Spur, die abgespielt wird, sollte als eine separate, die Songlänge überdauernde Audiodatei vorhanden sein. Denn nur so verhindert ihr, dass die CPU des Laptops überlastet, es eventuell knackt oder im schlimmsten Fall die DAW hängenbleibt oder abstürzt. 

Proben, proben, proben

Was sowieso für alle gilt, die gut auf einer Bühne rüberkommen wollen, ist beim Einsatz eines Laptops auf der Bühne absolut essenziell. Hier kann man fast nicht genug üben. Auch die Übergänge zwischen Songs, die je nach Setup etwas dauern können, gilt es häufig durchzuspielen. 

Aus eigener Erfahrung kann ich hinzufügen, dass man auch den Super GAU proben sollte: Laptop-Ausfall und Synchronisierungsprobleme. Beides kann die Aufregung und Unsicherheit auf der Bühne in ganz andere Dimensionen steigern, wenn es während der Performance passiert und man unvorbereitet ist. Wenn ihr eine Stufe sicherer fahren wollt, solltet ihr auch das üben.

Risiken und Nebenwirkungen: Was mit Laptop auf der Bühne alles schiefgehen kann

Bei kaum etwas gilt Murphy’s Law so sehr, wie beim Einsatz eines Laptops auf der Bühne: alles, was schiefgehen kann, geht früher oder später schief. Angefangen von willkürlich startenden Updates des Betriebssystems mitten im zweiten Song, einfrierenden oder abstürzenden DAWs kurz nach Betreten der Bühne hin zum voll gefüllten Getränkebecher, der umkippt und das Laptop zu einer Buchstütze degradiert. Und das sind nur die schlimmsten Szenarien. 

Je mehr Technik synchron laufen soll, desto mehr potenzielle Fehlerquellen und Stolpersteine existieren. Wenn ihr den Laptop also nicht nur zum Abspielen von Backing Tracks, sondern auch zum Triggern von Samples, zum Live Looping oder für die Lichtshow nutzt, vermehrt ihr damit die Zahl der möglichen Probleme. 

Soll der Rechner zum Beispiel nicht nur Audiodateien in der DAW abspielen, sondern auch als Zentrale zum Synchronisieren verschiedener Hardware-Effekte, Sampler, Synthesizer und Drum Machines auf der Bühne herhalten, sind diese komplexen Ketten oft sehr fehleranfällig. 

Ein "Fehler" oder vielmehr eine Einschränkung bei Laptops ist das Song-Korsett, in das man sich zwängt. Kein Solo darf auch nur eine Note länger sein, verspätete Einsätze oder gesangliche Improvisationen sind tabu. Die DAW spielt unbeirrt weiter, das heißt, jeder Part aller Instrumente und die Länge jeder Strophe müssen perfekt sitzen.

Welche Fehler sollte man vermeiden?

Ein Laptop muss ohne jede Hintergrundaktivität eine Showlänge laufen können: Daher solltet ihr nicht nur den Akku des Laptops voll aufladen, sondern auch WiFi und Bluetooth deaktivieren, jede Art von automatischen Updates ausschalten, alle automatischen Standby- und Bildschirmschonermodi (genauso wie Systemsounds!) ausschalten. 

Kürzlich aufgespielte Updates, egal ob für Betriebssystem, DAW, Treiber für das Interface oder Firmware für den Synth können eine häufige Ursache für "Das ging doch noch gestern" sein. Hier gilt: Was einmal läuft, sollte mindestens bis zum Ende der Tour ohne jedes Update weiterlaufen können. 

Eine kleine Gefahrenzone um den Laptop, egal ob im Proberaum oder auf der Bühne, in der keine Getränke erlaubt sind, kann diesen auch zugutekommen, wenn es der Platz erlaubt. Dazu kann es sinnvoll sein, den Laptop durch ein Kissen oder eine Aufhängung vor zu viel Bühnenbeben abzusichern. 

Redundanzen schaffen

In großen Produktion ist Laptop-Redundanz Standard: es laufen für jede Laptop-Aufgabe (Backing Tracks, Effekte, Licht, Video) jeweils mindestens zwei identisch eingestellte Laptops synchron. Fällt einer aus, gibt es spezielle Systeme, die das im Bruchteil einer Sekunde erkennen und umspringen. 

Das ist platztechnisch, wie auch finanziell für viele kleinere Acts nicht unbedingt möglich. Falls es aber die finanziellen Möglichkeiten hergeben und die Show etwas größer wird, sollte man sich mit diesem Thema beschäftigen.

Alternativen zum Laptop auf der Bühne

Bei Backing Tracks gibt es eine kleine Zahl an sogenannten Multitrack-Recordern, die nichts anderes tun, als Audiospuren von USB-Speichermedien abzuspielen. Keine DAW, keine Updates, kein Ausfall. Bei einigen, sogar größeren Bands werden die Backing Tracks oft auch über E-Drum Pads wie dem weitverbreiteten Roland SPD-SX abgespielt. 

Bei neun Pads reichen oft drei oder vier, um die Samples zum Beispiel für die Drums abzufeuern, die restlichen können dann zum Abspielen der Backing Tracks genutzt werden. Nur der/die Drummer*in hat dann eine Aufgabe mehr. Auch Tablets können für das simple Abspielen von Audiodateien herangezogen werden. 

Radikale Ablehnung oder stillschweigende Nutzung?

Ein etwas radikalerer Ansatz kann auch sein, als Band zu beschließen, nur das zu spielen, was durch die Besetzung live spielbar ist - alles andere bleibt einfach außen vor. Dadurch kann die Bühnenshow für Fans zu einem unerwarteten, aber auch freieren Erlebnis werden. 

Welche Geräte nutzt ihr? Welche Erfahrungen habt ihr mit Laptops auf der Bühne gemacht? Schreibt es uns in den Kommentaren!

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