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Digitale Helferlein

Laptop, Tablet oder Smartphone: So kommen die digitalen Hilfsmittel bei euren Live-Auftritten zum Einsatz

Spezial/Schwerpunkt von BackstagePRO
veröffentlicht am 15.11.2024

liveszene

Laptop, Tablet oder Smartphone: So kommen die digitalen Hilfsmittel bei euren Live-Auftritten zum Einsatz

© Anna Pou

Bei Live-Auftritten nutzen Musiker immer häufiger Laptop, Tablet und Smartphone. In unserer Umfrage wollten wir herausfinden, wie die Backstage PRO-Community zu dieser Entwicklung steht. Unter den kompakten Multitaskern erweist sich das Tablet als am beliebtesten. Allerdings gibt es auch Kritik - und den ein oder anderen Tipp.

Anstoß zur Umfrage war ein Artikel unseres Redakteurs Julian Schmauch, der die Frage untersuchte, welche Vor- und Nachteile ein Laptop auf der Bühne für Musiker und Musikerinnen mit sich bringen können. Dieser führte zu einem intensiven Austausch in den Kommentaren.

Durch die Umfrage wollten wir nun ein umfassenderes Bild von den Präferenzen und Meinungen hinsichtlich der Nutzung der technischen Hilfsmittel Smartphone, Tablet und Laptop in der Backstage PRO-Community gewinnen. 

Smartphones als möglicher Störfaktor

Lediglich 22,5 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzen bei ihren Bühnenauftritten stets ein Smartphone, bei weiteren 10,7 Prozent kommt es projektabhängig gelegentlich zum Einsatz. Rund 67 Prozent verzichten gänzlich darauf.

Besonders häufig dient das Smartphone zur Steuerung des In-Ear-Monitorings. Ein Teilnehmer erklärt dazu:

"Es hat große Vorteile, wenn jedes Mitglied der Band den eigenen Monitormix jederzeit übers Smartphone einstellen kann."

Auch zur Bedienung des Mischpults oder für die Anzeige der Setlist oder Noten und als Metronom kommt das Smartphone zum Einsatz. Zudem dient es manchen zum Erstellen von Bildern und Live-Videos der Auftritte, die später auf Social-Media geteilt werden können.

Ein Großteil der Teilnehmenden empfindet den Touchscreen eines Smartphones jedoch als zu klein, was das Handling verschiedener Funktionen erschwere. Aus diesem Grund setzen viele lieber auf Geräte mit größerem Display wie Tablets oder Laptops, die sie als multifunktionaler, robuster und leichter bedienbar wahrnehmen.

Immer wieder betonen die Teilnehmenden, dass sie Smartphones als möglichen Störfaktor auf der Bühne oder im Proberaum betrachten. Neben Click-App und Co. wird das Smartphone schließlich auch als Kommunikationsgerät genutzt - Anrufe und Nachrichten können ablenken oder auch mit anderen Programmen interferieren.

Laptops: flexibel, aber mit Absturzrisiko

34,3 Prozent der Teilnehmer nutzen bei ihren Bühnenauftritten stets ein Laptop, bei weiteren 8,9 Prozent kommt es manchmal zum Einsatz

Laptops kommen unter anderem zur Steuerung von Backing-Tracks, für die Integration virtueller Instrumente, Lichtsteuerung und als Sound-Generator zum Einsatz. Einige Teilnehmende loben die Flexibilität des Laptops:

"Für meine Zwecke finde ich für Backing-Tracks etc. einen Laptop besser, da er flexibler ist als ein Backing-Track-Player."

Andere User betonen, dass Laptops über mehr Funktionen verfügen und sich auch für Recording und zur Bearbeitung von Videos eignen. Mit einem Laptop benötigt man also nur ein Gerät für alle Aufgaben.

Doch auch Laptops sind in der Umfrage immer wieder Gegenstand von Kritik, weshalb 56,8 Prozent der Befragten vollständig auf die Verwendung eines Laptops auf der Bühne verzichten. 

Viele Musiker*innen befürchten Abstürze und Verbindungsprobleme. Der unhandliche Aufbau und das Risiko, dass das Gerät etwa bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Hitze ausfällt, schrecken manche ab. 

Ein Teilnehmer berichtet, ein Laptop sei im Gespräch für die Steuerung der Backing-Tracks gewesen. Aufgrund von Latenz und Betriebssicherheit hätte sich die Band jedoch für eine Lösung mit Pads entschieden.

Tablet – das beliebteste Hilfsmittel 

Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Umfrage ist das Tablet mit einem Nutzungsanteil von 56,2 Prozent das beliebteste Hilfsmittel. Bei weiteren 10,7 Prozent kommt es hin und wieder zum Einsatz.

Tablets werden häufig zum Anzeigen von Leadsheets, Songtexten und Setlists zur Hilfe gezogen, aber auch für die Fernsteuerung von digitalen Mischpulten, als Metronom oder Abspielgerät für Backing-Tracks genutzt. 

Auch das Einsetzen virtueller Instrumente wird durch das Tablet erleichtert. Manche Teilnehmende berichten sogar davon, gleich durch mehrere Tablets auf die Bühne begleitet zu werden, denen parallel verschiedene Aufgaben zukommen. Während ein Tablet den Musiker*innen etwa das aktuelle Leadsheet präsentiert, dient das andere zum Mischen des Monitorsounds. 

Viele Antworten betonen auch die Funktion des Tablets als platzsparende, übersichtliche Alternative. So berichtet ein Teilnehmer: 

"Die Nutzung eines Tablets für die Darstellung der Noten ist auf alle Fälle eine große Erleichterung gegenüber der Notenschlepperei zuvor. Auch das Erstellen der jeweiligen Setlists ist einfacher und schnell erledigt, ohne sortieren und rücksortieren der Noten vor bzw. nach einem Auftritt." 

Ein anderes Mal heißt es: 

"Früher war es ein Aktenordner auf einem Notenständer, heute ist es ein wesentlich kompakteres Tablet am Mikrofonständer."

Ein paar Teilnehmende betonen jedoch, ihre Noten nach wie vor gerne ausgedruckt in Papierform mit auf die Bühne zu nehmen. 

Generell bleiben Vorbehalte und Kritik auch beim Tablet nicht aus: Das Gerät verfüge über eine zu geringe Leistung und sei recht fragil, heißt es etwa.

Für 10,7 Prozent der Kritiker*innen sind Tablets schlichtweg zu groß, nehmen zu viel Platz ein oder schränken durch ihre Halterungen die Bewegungsfreiheit ein. 5,4 Prozent wiederum empfinden den Screen eines Tablets immer noch als zu klein.

Komplett analog sind die wenigsten Sets

Die Umfrage macht deutlich, dass Smartphone, Tablet und Laptop zwar eine Vielzahl an Möglichkeiten bieten, um musikalische Performances zu unterstützen - jedoch auch einige Herausforderungen mit sich bringen. 

Die Vorbereitung ist oft aufwendiger, Datenübertragungen benötigen ihre Zeit und vor den Auftritten muss stets sichergestellt sein, dass alle Settings stimmen. Auch dann kann es unter unglücklichen Bedingungen zu Ausfällen und Störungen kommen.

Für einige Musikerinnen und Musiker bleibt das analoge, handgemachte Erlebnis von Musik im Vordergrund. So heißt es etwa: 

"Live-Musik sollte auch in Zukunft unperfekt perfekt sein. Für mich gilt, wer vor Publikum stehen möchte, muss sein Handwerk beherrschen. Textliches Stolpern und kleine Ungereimtheiten dürfen passieren, aber der Interpret sollte sich nicht am Handy oder Tablet festhalten müssen."

Komplett auf Smartphone, Tablet und Laptop verzichten jedoch lediglich 11,24 Prozent der Teilnehmenden. Hier wird unter anderem die Devise "Less gear, less problems" verfolgt.

Ein paar Musiker*innen sind zudem der Meinung, die Verwendung von Tablet und Co. auf der Bühne wirke unprofessionell oder passe einfach nicht zu bestimmten Genres: 

"Wenn ein Künstler auf der Bühne steht und auf Handy, Notebook oder Laptop starrt, ist das einfach schlecht und unprofessionell."

Der Großteil der Befragten wägt jedoch ab, greift teilweise regelmäßig oder wiederum projektabhängig zu den technischen Helfern. Ein Teilnehmer fasst zusammen: 

"Laptops können dienlich sein in der Technik, wie z.B. Beleuchtung, aber im Großen und Ganzen können wir sagen, dass zu viel Technik in einer Band auch viel versauen kann, weil sich darauf verlassen wird. Genial ist es, wenn man - wie früher auch - als Band ohne unterwegs ist und man standfest ist, selbst dann, wenn diese Art der Technik ausfällt bzw. rumzickt. Handys beispielsweise sollten weit weg sein, damit man nicht abgelenkt wird und voll und ganz bei der Band und seiner Musik ist. Für PA Betreuer/ Verleiher/ Mischer und Co. sind allerdings die Hilfsmittel manches Mal hilfreich."

Tipps der Community

Ein Teilnehmer berichtet davon, seine Notizen immer auch als Papierkopie dabei zu haben, um auf Nummer Sicher zu gehen und sich eben nicht vollständig auf die Technik verlassen zu müssen. Es ist nicht der einzige Tipp, den die Community am Ende der Befragung mit uns teilt.

So warnt ein Musiker etwa, niemals auf WLAN zu setzen - einen extrem unzuverlässigen Faktor, gerade an Orten mit vielen Menschen. Am Besten sei es immer eine Kabelverbindung herzustellen. Soll es dann doch das WLAN sein, dann sei darauf zu achten, dass ein zuverlässiger Stage-Router zur Verfügung steht. Auch die Verbindung von Laptop zur Soundcard sollte immer gut gesichert sein. Eine weitere Person empfiehlt den Laptop immer am Strom zu halten: 

"Nicht nur, dass der Laptop im schlimmsten Fall einfach ausgeht, die Backing-Tracks laufen auch viel sauberer, wenn der Laptop am Strom hängt."

Ein anderes Essential in der Ausstattung sei zudem eine USB-Powerbank, die im Ernstfall in der Lage dazu sei, Tablet-Batterien zu kompensieren. Auch sei es essentiell, sich vorab sehr ausführlich mit den Settings der genutzten Programme vertraut zu machen und deren Funktionsweise zu verinnerlichen, um bei Schwierigkeiten nicht in Panik zu geraten, sondern einen kühlen Kopf bewahren zu können.

Es scheint also vor allem auf die Vorbereitung anzukommen. Musiker*innen sollten sich nicht auf ihre Technik verlassen, sondern neben einer Powerbank am besten auch immer einen Plan B im Gepäck haben.

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