Kleine Clubs von Schließung bedroht
Music Venue Trust warnt vor geplanter Reduzierung der Gewerbesteuerermäßigung für Musikclubs im UK
© Jascha Müller-Guthof
Seit 2020 profitieren Einzelhandel, Gastgewerbe und Freizeitunternehmen von einer 75-prozentigen Reduzierung der Gewerbesteuer. Die Maßnahme wurde aufgrund der Corona-Pandemie eingeführt und sollte im April 2025 auslaufen, wird nun aber verlängert. Allerdings kündigte die britische Finanzministerin Rachel Reeves gleichzeitig an, dass die Ermäßigung ab dem 1. April 2025 nur noch 40 Prozent betragen wird.
Livemusiksektor unter großem wirtschaftlichem Druck
In seinem auf Facebook veröffentlichten Statement kritisiert der Music Venue Trust diese Entscheidung. Obwohl die beteiligten Ministerien ausführlich über die negativen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Folgen informiert worden wären, hätten die Ministerien an ihren Plänen festgehalten.
Die Maßnahme habe zur Folge, dass die Veranstaltungsorte 7 Millionen Pfund zusätzlich aufbringen müssten, um die Steuern zu begleichen, obwohl der Sektor schon jetzt mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen habe. So hätten alle 830 Musikspielstätten 2023 insgesamt einen Bruttogewinn von nur 2,9 Millionen Pfund erwirtschaftet, während 43 Prozent der kleinen Clubs (Grassroots music venues) sogar Verlust gemacht hätten.
Zahlreiche Schließungen drohen
Der Music Venue Trust sieht nun über 350 dieser kleineren Clubs von der Schließung bedroht, was mehr als 12.000 Arbeitsplätze gefährde sowie den Verlust von über 75.000 Live-Musikveranstaltungen bedeute. In diesem Zusammenhang weist die Organisation aber auch darauf hin, dass die Regierung die Fehler und Ungerechtigkeiten im Steuersystem erkannt habe und plane, im April 2026 einen neuen, niedrigeren Steuersatz für Gebäude, Gaststätten und Freizeiteinrichtungen einzuführen.
Eine solche Reform sei zwar begrüßenswert und längst überfällig, bringe aber den Veranstaltungsorten, die bis zu diesem Zeitpunkt schließen mussten, nichts. Deshalb schlägt der Music Venue Trust drei mögliche Lösungen vor.
Politik wird zum Umsteuern aufgefordert
Eine Möglichkeit wäre, die Steuererleichterung von 75 Prozent für kleine Clubs beizubehalten. Ein anderer Vorschlag sieht vor, dass die Regierung einen Notfallfonds von bis zu 7 Millionen Pfund einrichtet, um den Spielstätten zu helfen, die zusätzlichen Steuern zu decken. Alternativ könnten die Veranstaltungsorte eine Abgabe in Höhe von 50 Pence auf den Preis jeder verkauften Eintrittskarte aufschlagen, bis die neuen Steuersätze im Jahr 2026 in Kraft treten.
CEO Mark Davyd sieht den dritten Vorschlag nur als allerletzte Option an:
"Der Music Venue Trust ist der Ansicht, dass die Eintrittspreise erschwinglich bleiben sollten, und zögert, die Veranstaltungsorte zu ermutigen, Option 3 zu übernehmen. Solange die Regierung nicht bereit ist, umzudenken, könnte dies leider die einzige Möglichkeit sein, einen vollständigen Zusammenbruch der Live-Musik in unseren Gemeinden zu verhindern."
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