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LiveKomm-Befragung zeigt dramatisches Bild

Deutsche Musikclubs wegen hoher Kosten und rückläufiger Besucherzahlen in der Krise

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 07.11.2024

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Deutsche Musikclubs wegen hoher Kosten und rückläufiger Besucherzahlen in der Krise

© Amelia Hallsworth via Pexels

Eine Befragung der LiveKomm von 121 Musikspielstätten zeigt den alarmierenden Zustand der Clubkultur: Die Existenz vieler Clubs ist durch hohe Kosten und sinkende Besucherzahlen gefährdet, was dramatische Auswirkungen auf die gesamte Musikkultur haben kann.

Gemeinsam mit einigen großen Landesverbänden hat die LiveKomm, der Bundesverband der Musikspielstätten, zahlreiche Musikspielstätten zu ihrer aktuellen Lage befragt, um ein bundesweit gültiges Bild zu zeichnen.

Unter den Teilnehmenden waren überwiegend kleine bis mittelgroße Clubs, deren wirtschaftliche Lage besonders dramatisch ist – was die Befragung unterstreicht.

Schlechte Aussichten

Von den befragten Clubs haben 53 Prozent mit einer sinkenden Anzahl von Besuchenden zu kämpfen. Nur 29 Prozent der Clubs verzeichnen mehr Zuschauerinnen und Zuschauer als im Vorjahr. Weitere 18 Prozent melden konstante Besucherzahlen.

Damit einhergehend stellt auch ein entsprechender Umsatzrückgang die Betreiber vor große Herausforderungen: 55 Prozent der Clubs verzeichnen Umsatzrückgänge, 30 Prozent einen steigenden Umsatz und 15 Prozent bemerken keine Änderungen.

Auch für das kommende Jahr erwarten viele Clubs keine Besserung: 43 Prozent gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Situation 2025 noch verschlechtert, 35 Prozent rechnen mit einer Verbesserung und 16 Prozent erwarten keine Veränderung.

Besonders dramatisch: 16 Prozent der Clubbetreiber denken sogar darüber nach, ihren Betrieb in den nächsten zwölf Monaten einzustellen.

© LiveKomm

Steigende Kosten

Einer der zentralen Gründe für die Club-Krise sind die gestiegenen Kosten, mit denen die Betreibenden zu kämpfen haben. Dazu zählen beispielsweise die Energie- und Produktionskosten.

Auch der Rückgang der Besuchenden hinterlässt seine Spuren – und könne der LiveKomm zufolge auch nicht mit höheren Preisen für den Eintritt oder Getränke kompensiert werden. Im Gegenteil: Preiserhöhungen könnten den Negativtrend der Besucherzahlen noch zusätzlich befeuern.

Weniger Nachwuchsarbeit

Nicht nur für die Clubs selbst ist diese Entwicklung bedrohlich. Die Folgen betreffen die gesamte Musikbranche, denn kleine bis mittelgroße Veranstaltungsorte spielen eine wichtige Rolle für Nachwuchs-Künstler*innen. Dort können sie erste Erfahrungen sammeln und eine Fangemeinde aufbauen.

In der Regel kommen ohnehin weniger Menschen zu Newcomer-Konzerten und sind für die Clubs nur in einer Mischkalkulation mit finanziell erfolgreichen Events wirtschaftlich umsetzbar. Angesichts steigender Kosten und rückläufiger Besucherzahlen funktioniert diese Vorgehensweise aber nicht mehr. 

Im schlimmsten Fall droht der Kreislauf der Live-Kultur zum Erliegen zu kommen: Bisher war es Nachwuchs-Bands und -Musiker*innen möglich, sich aus kleinen Anfängen zu erfolgreichen Acts "hochzuarbeiten".

Der Wegfall von Auftrittsmöglichkeiten schränkt die Optionen der Nachwuchskünstler*innen ein: Mehr als 62 Prozent der Clubbetreibenden erklären, ihre wirtschaftliche Lage führe dazu, dass in ihren Clubs weniger Nachwuchs-Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne stehen.

© LiveKomm

Handlungsbedarf der Politik

Mit Blick auf die Ergebnisse der Befragung sieht die LiveKomm dringenden Bedarf an verstärkter finanzieller Förderung. Die Mehrheit der Clubs (55 Prozent) gab an, dass sie im kommenden Jahr Fördermittel beziehungsweise mehr Fördermittel als bisher benötigt. Die LiveKomm sieht daher vor allem die Politik am Zug.

Bestehende Förderprogramme, zum Beispiel von der Initiative Musik, müssten erweitert werden. Außerdem ergab die Befragung hohe Investitionsbedarfe. So sehen die Clubbetreibenden Handlungsbedarf bei behördlichen Auflagen, sozialer Nachhaltigkeit oder der technischen Ausstattung sehen.

Auch Mankel Brinkmann, 1. Vorsitzender der LiveKomm, betont die Wichtigkeit schnellen politischen Handelns:

"Wenn jetzt nicht gehandelt wird, drohen auch hierzulande Entwicklungen wie z.B. in Großbritannien, wo seit 2020 fast 400 Clubs schließen mussten. Im Vergleich zu anderen Haushaltsposten wären die benötigten Mittel gering, sie könnten jedoch entscheidend dazu beitragen, den Fortbestand und damit die Vielfalt und Lebendigkeit unserer Livekultur zu bewahren. Gerade angesichts der akuten Gefahren für die Demokratie brauchen wir heute und auch in Zukunft eine lebendige Clubszene, die Diversität und Austausch fördert."

Angesichts des Aus der Ampel-Koalition, den kommenden Neuwahlen und der darauffolgenden Regierungsbildung ist schnelle Hilfe zumindest vom Bund aber nicht zu erwarten.

Unternehmen

Live Musik Kommission (LiveKomm)

Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V.

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