Zu viel des Guten
Pläne für überdimensionierte Hochhäuser bedrohen Münchner Musikclub Backstage
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© Backstage
Vor zwei Jahrzehnten entschieden die Münchner Bürger, dass Hochhäuser auch außerhalb des Stadtzentrums die Höhe der Türme der Frauenkirche (100 Meter) nicht überschreiten sollten.
Dieser nicht mehr bindende Beschluss steht angesichts der Knappheit von bezahlbarem Wohnraum und der sehr hohen Mieten in München unter Druck.
Zwei riesige Hochhäuser – und mehr
Die Planung für die städtebauliche Neugestaltung des sog. PaketPost-Areals im Münchner Westen sehen neben anderen Gebäude auch zwei 155 Meter hohe Hochhäuser vor. Eines dieser Hochhäuser ist weitgehend für Wohnungen vorgesehen, das andere bietet eine Mischung aus Büros, Hotel und Wohnungen. Dazu sollen zahlreiche kleinere Gebäude entstehen, die im Wesentlichen Wohnraum und Büros beinhalten.
Die Planung ist aus mehreren Gründen hochumstritten. Das liegt u.a. an den schieren Dimensionen des "Monsterprojekts". Beide Hochhäuser zusammen würden den 245 Meter hohen Elbtower in Hamburg noch bei weitem überragen (die kleineren Häuser sind dabei gar nicht eingerechnet). Der Elbtower ist allerdings ein reiner Büroturm – falls er jemals fertiggestellt wird und nicht als Bauruine endet.
Es ist jedenfalls nicht überraschend, dass eine Bürgerinitiative gegen die Pläne mobil macht. Sie strebt einen Bürgerentscheid an, um den Bau der Hochhäuser zu verhindern.
Unmittelbare Bedrohung
Weitere Einwände nennt der legendäre Liveclub Backstage, der sich in unmittelbarer Nähe des PaketPost-Areals befindet. Bei der Bebauung des PaketPost-Areals handelt sich um einen fast klassischen Fall heranrückender Wohnbebauung, die schon vielerorts Musikclubs in die Knie gezwungen hat. Aus diesem Grund sind die Sorgen der Backstage-Betreiber keineswegs unbegründet.
Das Backstage sorgt sich insbesondere um den Schallschutz. Entgegen der Beteuerungen von Stadtverwaltung und Planern hält Geschäftsführer und Gründer Hans-Georg Stocker die Schallschutzmaßnahmen für unzureichend. Der Schallschutz spielt aber aufgrund der Lärmemissionen des Veranstaltungsortes eine besondere Rolle.
Stocker widerspricht der Annahme, dass der Bestand des Backstages gesichert sei und befürchtet, der unzureichende Schallschutz könnte dazu führen, dass der Betrieb des Kulturzentrums langfristig nicht aufrechterhalten werden kann. Schon in der Vergangenheit hätten unzureichende Schallschutzmaßnahmen zu fortdauernden baurechtlichen Unsicherheiten geführt.
Stocker fordert daher:
Schallschutz bei neuen Wohnungen: Für neuen Wohnungsbau müssen Maßnahmen wie vorgehängte Fassaden oder Klimaanlagen eingesetzt werden, um den erforderlichen Schallschutz sicherzustellen.
Klagemöglichkeit gegen das Backstage ausschließen: Neue AnwohnerInnen sollen keine rechtlichen Schritte gegen das Backstage einleiten können, etwa durch Grundbucheinträge. Tieffrequente Bässe müssen in der Schallschutzplanung berücksichtigt werden.
Freiluftbetrieb des Backstage: Der bestehende Freiluftbetrieb (Biergarten, Open-Air-Kino, Kulturveranstaltungen) soll weiterhin uneingeschränkt, auch nachts, erlaubt sein. Gleiches gilt für sog. "seltene Veranstaltungen", die weiterhin möglich sein sollen.
Rechtsverbindliche Vereinbarungen notwendig
Außerdem drängt Stocker auf die Einbeziehung des Backstages in die Planung des Verkehrs-, Wege- und Parkplatzkonzepts sowie die Beteiligung bei der Erstellung eines Baustellenkonzepts, das die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit des Backstages für Besucher und Mitarbeitende sicherstellen soll.
Hans-Georg Stocker zeigt sich gleichzeitig erfreut über den parteiübergreifenden Willen aller Münchner Stadträte, das Backstage zu erhalten.
Gleichzeitig fordert er die schnellstmögliche Festlegung "rechtsverbindlicher Regelungen" mit der Stadt München und dem Investor, der Büschl-Gruppe, um das Backstage dauerhaft in seinem Bestand zu sichern. Möglichst sollten diese Vereinbarungen noch vor der Stadtratsvollversammlung Anfang Februar getroffen werden.
Locations
Backstage München
Reitknechtstraße 6, 80639 München
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