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Entspannungsmusik von einer KI

Plattendeal für einen Algorithmus: Warner vertreibt 20 Alben der Sound-App "Endel"

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 29.04.2019

künstliche intelligenz

Plattendeal für einen Algorithmus: Warner vertreibt 20 Alben der Sound-App "Endel"

Das Endel-Team. © Endel

Nachdem künstliche Intelligenz immer stärker im Musikbereich eingesetzt wird, verwundert es nur wohl nur noch wenig, dass die Warner Music Group sich für den Vertrieb der nächsten Alben einer Entspannungs-App verpflichtet hat.

Die App "Endel", die für Apple iOS, Android (in der Beta-Version) und Amazon Alexa verfügbar ist, generiert algorithmisch Musik. Der Algorithmus greift dabei auf circadiane Rhythmik (u.a. verantwortlich für den menschlichen Schlafrhythmus), Pentatonik und verfremdete Natur-Sounds zurück und soll sich (angeblich) niemals in seiner Komposition wiederholen.

Totale Individualisierung

Endel verspricht seinen Hörerinnen und Hörern, ihnen stets die richtige Musik zum Entspannen, Konzentrieren, Einschlafen oder Bewegen (so die vier Kategorien der App) zu liefern – individuell angepasst durch Umgebungsvariablen der Nutzerinnen und Nutzer, also etwa Tageszeit, Wetter, oder Pulsschlag. 

Das Major-Label Warner sieht in der von Endel generierten Musik ein solches Potential, dass es den Vertrieb von insgesamt 20 in diesem Jahr erscheinenden Alben der App zugesichert hat. Fünf davon sind bereits erschienen und tragen solche ominösen Namen wie "Clear Night", "Rainy Night" und "Foggy Morning".

Genie-Gedanken

Über die Qualität der komponierten Songs lässt sich wohl streiten. Die Songs der App bieten (im Einklang mit ihrer selbst zugeschriebenen Funktion) wenig Abwechslung oder Spannung, tatsächlich wirkt es gar nicht so unwahrscheinlich, zu ihren Klängen einzuschlafen:

Weiterhin ist auch der "künstlerische" Stellenwert dieser automatisch komponierten Musik zumindest fragwürdig.

Schon Künstler wie John Cale oder Brian Eno erkundeten Konzepte generativer (also sich selbst erzeugender) Musik – doch war hier stets noch ein Mensch im musikalischen Prozess involviert, sorgte für Innovationen und wirkliche Ideen. Ein Algorithmus wie der von Endel hingegen generiert letztendlich nur Variationen eines Themas, abhängig von der eigenen Programmierung. 

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