Dauerstreit mit wirtschaftlichen Auswirkungen
Streit zwischen David Gilmour und Roger Waters verhindert Verkauf des Pink Floyd Katalogs
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David Gilmour (2024). © Anton Corbijn
Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung seines neuen Soloalbums "Luck & Strange" gab Pink Floyd-Gitarrist David Gilmour in einem Interview mit dem Rolling Stone interessante Einblicke in seine Haltung hinsichtlich des Verkaufs des Musikkatalogs von Pink Floyd.
Er bekräftigte, dass er nach wie vor an einem Verkauf interessiert sei und dass die Diskussionen darüber andauerten. Einem Verkauf müssten aber alle vier Bandmitglieder bzw. ihre Erben zustimmen und aktuell verweigere eine Person ihre Zustimmung. Es ist leicht auszurechen, dass es sich dabei um Sänger und Bassist Roger Waters handelt.
Seltener Einblick
Das Interessante an Gilmours Aussagen ist aber der Einblick in seine Beweggründe, den Pink Floyd-Musikkatalog verkaufen zu wollen. Auf die Frage, ob er einen Verkauf anstrebt, erklärt er, es sei sein Traum, die Entscheidungsfindung und die Streitereien loszuwerden. Finanzielle Beweggründe seien nicht ausschlaggebend. Er wolle nur die "Schlammschlacht" [mud bath] loswerden, die seit geraumer Zeit andauere.
Der Zwang zu Entscheidungen
Songrechte von der Güte einer Band wie Pink Floyd garantieren zwar sichere Einkünfte, zwingen aber auch die Beteiligten dazu, ständig Entscheidungen über Lizenzierungsfragen zu treffen, Tantiemenzahlungen zu kontrollieren, strategische Entscheidungen über Zusammenarbeit zu treffen und vieles mehr. Häufig wird es unumgänglich sein, zu diesem Zweck ein eigens gegründetes Unternehmen zu unterhalten und Mitarbeiter zu beschäftigen.
Das fortgeschrittene Alter vieler Beteiligter verstärkt oftmals den Wunsch, diese Belastung loszuwerden, zumal sich Songrechte noch immer gut verkaufen lassen. Es gibt zwar auch das Gegenbeispiel von John Fogerty, der die Songrechte von CCR und seinen Solowerken zurückkaufte, doch das ist die absolute Ausnahme.
Unerwartete Auswirkungen
Der Musikkatalog von Pink Floyd ist mit Sicherheit einer der begehrtesten der Musikbranche, was sich auch daran zeigt, dass zahlreiche Musikverlage ihr Interesse bekundet haben. Die Musik der Band erfreut sich generationenübergreifender Beliebtheit und garantiert hohe Einnahmen. Gleichzeitig liefert sie ein Beispiel dafür, wie toxische Beziehungen und politische Kontroversen um Bandmitglieder den Wert eines Musikkatalogs beeinträchtigen und lukrative Deals verhindern können.
Als Roger Waters Pink Floyd im Jahr 1985 verließ, hatte er offensichtlich nicht bedacht, dass er damit den verbliebenen Mitgliedern, und zwar insbesondere David Gilmour, den Bandnamen quasi überließ. In den folgenden Jahrzehnten gingen Pink Floyd daher unter der Ägide von David Gilmour, Nick Mason und dem 2008 verstorbenen Richard Wright auf Tour.
Roger Waters startete derweil eine durchaus erfolgreiche Solokarriere, beschwerte sich aber immer wieder darüber, dass er auf den offiziellen Pink Floyd-Kanälen keine Werbung für seine Alben, Touren und sonstigen Projekte machen kann. Dass Gilmour ihm dieses Recht verweigert, dürfte seine Kompromissbereitschaft nicht gerade fördern.
Politische Brisanz
Die "sonstigen Projekte" sind von besonderer Brisanz, denn Roger Waters ist ein leidenschaftlicher Anhänger der BDS-Bewegung (deutsch für "Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen"), die den Staat Israel politisch, wirtschaftlich und kulturell isolieren will.
Waters oft in aggressiver, rechthaberischer Weise vorgebrachte Israelfeindlichkeit bewegt sich sehr hart am Antisemitismus, was Waters freilich bestreitet. Im Vorfeld seiner letzten Deutschlandtour versuchte die Stadt Frankfurt erfolgslos den Auftritt von Waters in der Festhalle zu verbieten – und scheiterte damit vor Gericht.
Ein sehr teurer Deal
Das hat auch Folgen für den Verkauf der Musikrechte von Pink Floyd. Dabei geht es nicht nur darum, dass der streitlustige Waters einen Verkauf verhindert, sondern dass potentielle Investoren daran interessiert sein dürften, den gesamten Katalog zu erwerben, da sie ansonsten immer mit Querschüssen noch lebender Bandmitglieder rechnen müssen.
Das verteuert aber den sowieso schon hohen Preis des Deals. Für den vergleichbar lukrativen, aber mit deutlich weniger Problemen behafteten Katalog von Queen zahlte Sony Music mithilfe eines Finanzinvestors ungefähr 1,2 Milliarden Euro. In einer vergleichbaren Größenordnung dürften sich die Kosten für Pink Floyd mindestens bewegen.
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