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Gen Z does care about music

Studie zeigt: So wichtig ist Musik jungen Menschen heute

Spezial/Schwerpunkt von BackstagePRO
veröffentlicht am 09.08.2024

popmusik streaming

Studie zeigt: So wichtig ist Musik jungen Menschen heute

© cottonbro studio

Interessiert sich die junge Generation tatsächlich nicht mehr für Musik? Im Rahmen einer Studie hat sich die britische Wohltätigkeitsorganisation Youth Music der Untersuchung der Beziehung zwischen jungen Menschen und Musik gewidmet und ist zu dem Schluss gekommen: Musik spielt nach wie vor eine große Rolle in deren Leben. Unterschiede zu früher lassen sich dennoch finden.

“Why Gen Z Doesn’t Care About Music” - diesen Titel trägt ein vor zwei Jahren veröffentlichtes Video des Musikers Rick Beato, das inzwischen bereits über 56 Tausend Likes und 4,37 Mio. Aufrufe zählt. In seinem Beitrag spricht Beato davon, was für eine große Bedeutung Musik in seiner Jugend für sein Umfeld und ihn hatte.  

Sich vom eigenen Ersparten Schallplatten zu kaufen und sie gemeinsam mit seinem Freundeskreis zu hören sei ein großes Coming-of-age Ding gewesen. Heute kenne Beato kaum noch junge Menschen, die sich wirklich für Musik interessieren - Musik scheine keine so große Rolle mehr in ihrem Leben zu spielen. An ihre Stelle seien andere Inhalte gerückt, die mit dem Einzug des Internets immer beliebter geworden sind - Videospiele zum Beispiel. 

Sieht Beato zu Schwarz-Weiß?

Ein anderes Bild hingegen zeichnet eine kürzlich durchgeführte Studie der britischen Wohltätigkeitsorganisation Youth Music. Um Erkenntnisse zur Beziehung zwischen jungen Menschen und Musik gewinnen zu können, hatte die Organisation eine Umfrage unter 2.100 Kindern und Jugendlichen bis 25 Jahren in Großbritannien sowie Interviews mit Elternteilen und Fachleuten durchgeführt. In ihrem aktuellen Bericht “Sound of the Next Generation” [PDF] hat Youth Musik eben diese Ergebnisse nun offen gelegt.

Tatsächlich geht aus der Studie hervor, dass Musik auch für diese Altersgruppe der Bis-25-Jährigen noch eine zentrale Rolle spielt. So gaben insgesamt 83 Prozent der Befragten an, in der letzten Woche Musik gehört zu haben, wiederum 68 Prozent sich ein Leben ohne Musik nicht vorstellen zu können. 

Dennoch zeigt “Sound of the Next Generation” auch verschiedene Herausforderungen und Schwierigkeiten auf, mit denen sich junge Menschen in Bezug auf Musik konfrontiert sehen. 

Musik an erster Stelle

Dass Musik für junge Menschen nach wie vor besonders wichtig ist, geht unter anderem daraus hervor, dass sie der Umfrage nach an erster Stelle ihrer Freizeitaktivitäten zu finden ist – noch vor Sport und den sozialen Medien. 

78 Prozent der Teilnehmenden gaben zudem an, Musik mit Glück zu verbinden. Den Ergebnissen der Studie nach hilft Musik jungen Menschen zudem dabei produktiver zu sein. 58 Prozent der Teilnehmenden gaben an Musik zu hören, um ihre Arbeitsleistung zu verbessern.

Anders als früher, greifen junge Erwachsene heute zwar nicht mehr so häufig auf den Plattenspieler sondern zunehmend auf Streamingdienste zurück – passive Musikhörer*innen sind sie dadurch jedoch nicht automatisch. Aus der Umfrage geht hervor, dass junge Menschen auch heute noch gerne Musik durch das eigene Suchen entdecken. Rund 50 Prozent der Teilnehmenden gaben zudem an, aktiv die Musikcharts zu verfolgen.

Musik als emotionale Stütze

Die Art und Weise wie Musik gehört wird unterscheidet sich jedoch neben dem Umstieg auf Streamingdienste tatsächlich noch etwas weiter von Beatos Jugenderfahrungen, denn: Viele junge Menschen scheinen Musik ausschließlich allein zu hören. 29 Prozent der 16- bis 17-jährigen und 50 Prozent der 18- bis 25-jährigen Befragten gaben an, dies regelmäßig zu tun. Eine mögliche Erklärung liefert die Studie direkt mit. Die Altersgruppe der 18 bis 25-jährigen sei besonders anfällig für Einsamkeit, was erklären könnte, warum sie Musik als emotionale Stütze nutze.

Der Studie nach setzen junge Menschen im Vergleich zu älteren Generationen deutlich häufiger auf Musik und Songtexte als therapeutisches Mittel. So nutzen 66 Prozent der 16- bis 24-Jährigen diese Methoden im Vergleich zu lediglich 23 Prozent der über 55-Jährigen. 

Genres noch relevant?

Als beliebtestes Genre unter jungen Menschen erweist sich Popmusik, gefolgt von Hip-Hop, das 2023 besonders erfolgreich war. Hip-Hop, Rap und verwandte Spielarten hätten an Einfluss gewonnen und würden zunehmend die Mainstream-Kultur und die Sprache in Großbritannien beeinflussen. 

37 Prozent der jungen Menschen empfinden Musikgenres als zunehmend irrelevant. Dies liege unter anderem daran, dass Plattformen wie TikTok und Instagram Reels dazu beitragen, die Grenzen der Genres zu verwischen. 

Anstelle von Genre-Kategorien könne man die eigene Musik beispielsweise durch Vergleiche mit bestimmten Künstlern, Künstlerinnen oder Bands beschreiben, um eine flexiblere Beschreibung möglich zu machen. 

Fast-Food-Musik 

Neben diesem Genre-Fusion-Effekt haben soziale Medien auch einen immer größeren Einfluss auf die Musikentdeckung. Der Studie nach ist Spotify aktuell der beliebteste Streaming-Service, gefolgt von YouTube und dann TikTok. Über 50 Prozent der Befragten seien zudem der Meinung, dass Musik viral gehen müsse, um erfolgreich zu sein.

Während Rick Beato in seinem Video noch davon schwärmt, dass er früher immer wieder dieselben Alben gehört habe – schließlich ließ sich von begrenztem Geld auch nur eine begrenzte Menge Platten kaufen – und sich diese somit eng mit seinen Erinnerungen aus dieser Zeit verknüpft hätten, unterscheidet sich der Musikkonsum heute davon tatsächlich massiv. 

Der Studie nach werde Musik heute schnell konsumiert und dann wieder vergessen. Trotzdem biete diese Entwicklung auch neue Chancen. Die Art und Weise, wie Musik produziert und gehört wird, verändere sich, und moderne Musik müsse sich nicht mehr an etablierte Formate halten, um künstlerisch relevant zu sein.

Vielfalt in der Musik

Der Eindruck Beatos, junge Menschen würden sich nicht mehr mit Musik beschäftigen, wird in der Studie jedoch nicht bestätigt. Stattdessen gaben 66 Prozent der Befragten an, auf irgendeine Art und Weise Musik machen. 

Im Gegensatz zu früher hätten auch marginalisierte Gruppen heute einen besseren Zugang zur Musikbranche. Dennoch sieht die Studie hier auch Besserungsbedarf. Das Bildungssystem bereite diese Gruppen nicht ausreichend auf eine Karriere in der Musikindustrie vor, in der Diskriminierung und unsichere Arbeitsbedingungen nach wie vor ein Thema sind.

Basisprojekte für Jugend- und Gemeinschaftsmusik seien essentiell für die Förderung vielfältiger Talente, erhielten allerdings wenig finanzielle Unterstützung. 

Veränderungen seit 2019

Auch beschäftigt sich die Studie mit den Entwicklungen, die seit der letzten Untersuchung durch die Organisation im Jahr 2019 stattgefunden haben. Seitdem – so der Bericht – hätten junge Menschen durch eine Lebenserhaltungskostenkrise und die Pandemie erhebliche Herausforderungen erlebt, die ihre Bildung und soziale Entwicklung beeinträchtigt hätten. 

Junge Menschen unter 25 stünden vor steigenden Bildungsgebühren, weniger Jobmöglichkeiten, höheren Immobilienpreisen, Druck durch soziale Medien, der Klimakrise und globalen Konflikten, was ihre psychische Gesundheit belaste. 

Kinder und Jugendliche müssten somit Resilienz und Selbstvertrauen entwickeln, wobei soziale Kontakte, das Entwickeln von Fähigkeiten und kreative Aktivitäten hilfreich seien. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass Musik ihnen helfe, sich verbunden zu fühlen. 

Dennoch sei ein Rückgang bei der Anzahl an Jugendlichen, die gemeinsam Instrumente spielen, zu beobachten. 

Empfehlungen

Insgesamt zeigt die Studie, dass sich junge Menschen nach mehr Musik in ihrem Leben sehnen. Youth Music betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit, einen gerechteren und zukunftsorientierten Musiksektor zu schaffen, der wirtschaftliches Wachstum und soziale Entwicklung fördert. 

Die Studie empfiehlt langfristige Investitionen der britischen Regierung in die Musikindustrie, die sowohl Basis- als auch Gemeinschaftsmusikprojekte unterstützt.

Außerdem sollten Bildungseinrichtungen die Lehrpläne überarbeiten, um den Zugang und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern. Die Curricula sollten inklusiver gestaltet und auf moderne Branchen Bedürfnisse ausgerichtet werden. 

Zudem müsse die Musikbranche Diskriminierung aktiv bekämpfen. Organisationen sollten für Inklusion und Sicherheit verantwortlich gemacht werden. Zusätzlich müsse das Bewusstsein für Whistleblowing und die besonderen Herausforderungen, denen junge Musikprofis gegenüberstehen, geschärft werden.

Schlussendlich lässt sich zusammenfassen, dass die Studie Rick Beato zu gewissem Grad Recht gibt: Die Art und Weise wie junge Menschen Musik in ihrem Alltag integrieren, hat sich in den letzten Jahrzehnten tatsächlich gewandelt. Dass die junge Generation sich nicht für Musik interessiere, bestätigt die Studie hingegen nicht. Nach wie vor komme ihr eine essentielle Rolle zu – nur eben eine etwas andere. 

Inwiefern Musikstreaming und damit ein geradezu unlimitierter Zugang zu Musik die Wertschätzung gerade dieser verändert hat, ist jedoch eine andere Frage und zudem eine, die nicht nur die junge Generation betrifft. Unsere Gedanken zu diesem Thema findet ihr hier.

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