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Gegenläufige Entwicklungen

Trendwende am Live-Markt oder Stabilisierung auf hohem Niveau? Der Konzertmarkt sendet widersprüchliche Signale

Spezial/Schwerpunkt von Daniel Nagel
veröffentlicht am 25.06.2025

liveszene

Trendwende am Live-Markt oder Stabilisierung auf hohem Niveau? Der Konzertmarkt sendet widersprüchliche Signale

© Elena de Soto

In seinem Halbjahresbericht zieht das Livebranchen-Magazin Pollstar eine gemischte Bilanz. Während die durchschnittlichen Einnahmen pro Konzert deutlich wuchsen, gingen die Gesamteinnahmen zurück. Auch die Ticketpreise für Stadion- und Arenakonzerte waren rückläufig.

Laut Pollstar stiegen die durchschnittlichen Einnahmen der Top 100 weltweit größten Tourneen pro Konzert im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zu 2024 um 24,9 Prozent auf 1,71 Millionen US-Dollar. Auch die durchschnittliche Zuschauerzahl legte um 32,1 Prozent zu – von 10.774 auf 14.229 Tickets pro Show.

Rückgang in verschiedenen Bereichen

Die gesamten Bruttoeinnahmen der Top 100 Tourneen sanken jedoch im ersten Halbjahr 2025 um 8,4 Prozent auf 2,81 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig gingen die Zahl der verkauften Tickets um 3,1 Prozent auf 23,83 Millionen Tickets zurück.

Ebenfalls rückläufig war die Zahl der Konzerte. Sie fiel innerhalb der Top 100 deutlich um 26,7 Prozent – von 2.706 auf 1.983 Shows. Bei den fünf erfolgreichsten Tourneen war der Rückgang noch dramatischer: Sie gingen von 309 Shows im Vorjahr auf lediglich 123 Shows zurück – ein Minus von 60,2 Prozent.

Auch Ticketpreise sinken

Drei Tourneen erzielten Einnahmen von mehr als 100 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2025: Coldplay, Shakira und Kendrick Lamar & SZA. Im Jahr zuvor übertrafen noch sieben Tourneen diese Marke, und zwar Madonna, Bad Bunny, Luis Miguel, U2, Karol G, Bruno Mars and Coldplay.

Der durchschnittliche Ticketpreis weltweit fiel um 5,5 Prozent – von 127,37 auf 120,43 US-Dollar. Laut Pollstar deutet das auf ein vorsichtigeres Ausgabeverhalten der Fans hin, wahrscheinlich bedingt durch wirtschaftliche Unsicherheit, Inflation und sinkendes Konsumentenvertrauen.

Der Live-Markt wird globaler

Die Auswertung zeigt eine deutliche Zunahme von Auftritten in großen Spielstätten, insbesondere in Lateinamerika, Asien, Australien und dem Nahen Osten. Weltstars wie Coldplay, Shakira und das Duo Kendrick Lamar & SZA tourten großflächig durch diese Regionen und erzielten dort erhebliche Einnahmen.

Mit dem Ausgreifen in andere Weltregionen geht auch eine Diversifizierung der Genres einher. Tourneen aus verschiedensten Musikrichtungen wie Pop, Rock, Country, Hip-Hop, R&B, Latin und K-Pop füllen weltweit große Arenen. Das zeigt, dass Tourerfolge nicht nur auf klassische Pop- oder Rockstars begrenzt sind.

Deutlicherer Rückgang in Nordamerika

Der Rückgang auf dem nordamerikanischen Markt, der von den USA dominiert wird, fiel noch etwas deutlicher aus. Die Top 100 Nordamerika-Tourneen setzten im ersten Halbjahr 2025 1,62 Milliarden US-Dollar um – ein Rückgang von 13,8 Prozent gegenüber den 1,88 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Die Anzahl der verkauften Tickets sank um 5,6 Prozent auf 13,65 Millionen Tickets.

Die Durchschnittseinnahmen pro Show stiegen allerdings von 1,25 Millionen auf 1,46 Millionen US-Dollar – ein Zuwachs von 16,7 Prozent, und damit nicht ganz so stark wie der Durchschnitt der Einnahmen weltweit. Der durchschnittliche Preis für ein Konzertticket ging von 125,90 US-Dollar auf 119 US-Dollar und damit um 5,4 Prozent zurück.

Ist der Live-Boom vorbei?

Pollstar erklärt, die Einnahmen aus Live-Konzerte seien im Vergleich zu 2023 nahezu stabil: Damals lag der Umsatz bei 2,83 Milliarden US-Dollar, also de facto auf demselben Level wie 2025. Das Magazin sieht daher "eine Marktkorrektur nach den außergewöhnlich starken Jahren 2023 und 2024" und keinen "strukturellen Abschwung". 

Die Aussagen von Pollstar sind aber etwas ambivalent, denn selbst wenn es sich nur um eine "Marktkorrektur" handeln sollte, ist unklar wie stark diese ausfallen wird. Jedenfalls sieht auch das Musik-Analyse-Unternehmen Chartmetric einen Rückgang bei Tourneen.

Rückgang der Tourneen

Die Chartmetric-Zahlen sind allerdings mit etwas Vorsicht zu genießen, vergleichen sie doch das Jahr 2022 mit 2024. 2022 gab es allerdings unzählige Nachholkonzerte aus den Pandemie-Jahren, weshalb man den Vergleich mit Vorsicht genießen muss.

Der Vergleich von Chartmetric ergibt, dass der Anteil der Künstler auf dem mittleren Niveau, die auf Tournee gegangen sind, von 19 Prozent im Jahr 2022 auf 12 Prozent im Jahr 2024 gefallen sind. Bei den Superstars sank der Anteil im gleichen Zeitraum von 44 auf 36 Prozent.

Gestiegene Kosten als Hauptgrund

Die Studie von Chartmetric führt mehrere Gründe für den Niedergang auf, insbesondere bezogen auf Kosten. Darunter fallen gestiegene Reise- und Unterbringungskosten und eine massive Erhöhung der Visagebühren für ausländische Musiker in den USA, die im vergangenen Jahr von 460 auf 1.615 US-Dollar pro Musiker angehoben wurden.

Als einen weiteren Faktor nennt das Unternehmen die schrumpfende Zahl kleinerer Veranstaltungsorte und dementsprechend eine geringere Anzahl von Konzerten, sodass Künstler mehr Städte und Veranstaltungsorte als früher auslassen.

Nachfrage nach Live-Events bleibt hoch

Das Problem der Finanzierung kleiner Shows ist auch in Deutschland wohlbekannt. Eindeutig betrifft der von verschiedenen Seiten beobachtete Rückgang aber nicht nur kleine Shows, sondern auch Konzerte großer Stars, ja sogar von Weltstars.

Ob es sich um eine vorübergehende Abkühlung oder eine dauerhafte Trendwende handelt, lässt sich nicht entscheiden. Die Nachfrage nach Unterhaltungs-Angeboten ist jedenfalls ungebrochen, das zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. 

Trendwende am Ticketmarkt?

Dennoch ist der Livemarkt nicht frei von Risiken. Insbesondere immer weiter steigende Ticketpreise könnten dafür sorgen, dass die bislang hochprofitablen Stadion-Konzerte an Attraktivität bei Konsumenten verlieren und die damit verbundenen Einnahmen zurückgehen.

Daher ist es bemerkenswert, dass die Ticketpreise leicht rückläufig sind. Der Live Entertainment-Gigant Live Nation hat bereits vor Monaten bekanntgegeben, die Preise für "schlechte Plätze" bei Stadionkonzerten durch Einführung zusätzlicher Kategorien gesenkt zu haben. Damit sanken auch die Durchschnittspreise der Konzertkarten von Stadionkonzerten in den USA um fast 8 Prozent.

Ob sich dieser Trend fortsetzen wird, ist neben den realen Kosten davon abhängig, wie sich das Konsumverhalten der Besucher in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird. Das Problem, wie sich angesichts des anhaltenden Kostendrucks kleine Veranstaltungen finanzieren lassen, bleibt derweil ungelöst.

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