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Club-Auftritte zu teuer?

Veranstalter und Künstlerin einig: Clubkonzerte für Newcomer sind kaum finanzierbar

Spezial/Schwerpunkt von Daniel Nagel
veröffentlicht am 26.07.2024

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Veranstalter und Künstlerin einig: Clubkonzerte für Newcomer sind kaum finanzierbar

© Noah Carter via unsplash.com

Sängerin Catharina Boutari erklärte kürzlich, dass sie sich finanziell nicht mehr leisten könne, in Clubs aufzutreten, da die Zusammenarbeit mit Veranstaltungsorten zunehmend problematisch werde. Felix Grädler, Geschäftsführer der halle02, schildert in einer Entgegnung die wirtschaftlichen Realitäten der Clubs und ruft zur gemeinsamen Suche nach Lösungen auf.

Wie Boutari in dem Beitrag mit dem eindeutigen Titel "Im Club zu spielen, kann ich mir nicht mehr leisten für bonedo.de berichtet, sei sie nicht in der Lage, die Kosten zu stemmen, die Solo-Acts für die Miete eines Clubs einschließlich Technik, Personal und anderen Ausgaben aufbringen müssen. 

Verlust beim Release-Konzert

Nach einem eigentlich erfolgreichen Release-Konzert der Sängerin in einem Hamburger Club, bei dem begeisterte 100 Zuschauer anwesend waren, stellte sie fest, dass am Ende Einnahmen von insgesamt 1.180 Euro Ausgaben von 2.100 Euro gegenüberstanden. Anders gesagt fiel ein Verlust von fast 1.000 Euro an.

Der Club verlangte für die Räumlichkeiten, Technik und Personal einen Festpreis von 700 Euro. Sowohl für Ticketing, Werbung, Veranstaltungsversicherung sowie KSK- und GEMA-Gebühren musste Boutari die Verantwortung übernehmen. 

Die Sängerin machte Werbung, unter anderem indem sie auf sozialen Medien postete und Newsletter versandte. Nebenbei musste sich die Musikerin um Live-Visuals, Merchandise und Ableton-Sessions für die Backingtracks kümmern – viel harte Arbeit, die sich am Ende aber finanziell nicht lohnte.

Am Ende des Abends hätten Musikerinnen und Musiker sowie die Crew ihre Gagen erhalten, der Club seine Miete und Bar-Einnahmen, während die Sängerin auf ihrem Verlust sitzenblieb. 

Wirtschaftliche Zwänge

Boutari kritisiert die wirtschaftlichen Zwänge, denen sowohl Clubs als auch Musikerinnen und Musiker unterliegen. Clubs müssten wirtschaftlich denken und könnten sich keinen Idealismus leisten, was bedeutet, dass sie zunehmend auf Festpreismieten setzen und kaum gemeinsame Risiken mit Künstlern eingehen. 

Früher sei dies anders gewesen: Clubs versandten eigene Newsletter, mit denen sie ihr Stammpublikum ansprachen. Zudem wurden oft sogenannte Doordeals vereinbart, bei denen die Einnahmen beispielsweise im Verhältnis 70:30 oder 50:50 aufgeteilt wurden. Auf diese Weise profitierten beide Seiten vom Erfolg der Veranstaltung und trugen das Risiko eines Misserfolgs gemeinsam.

Boutari will künftig nicht mehr mit Clubs zusammenarbeiten. Eine Ausnahme seien nur diejenigen Clubs, die willens sind, "das Risiko einer Live-Veranstaltung gemeinsam zu tragen." Es könne nicht sein, dass sie das gesamte Risiko tragen müsse. Boutari ist frustriert über diese Situation und plant, ihre nächsten Konzerte stattdessen in kreativen Locations abzuhalten: als Beispiel nennt sie einen Frisörsalon. 

Gegenposition eines Veranstalters

Felix Grädler, Geschäftsführer der halle02 in Heidelberg und Vorstandsmitglied der Live Komm, entgegnete in seiner Stellungnahme auf Boutaris Artikel, dass Musikclubs aufgrund hoher Fixkosten wie Miete und Personal tatsächlich gezwungen seien, wirtschaftlich zu denken, wodurch beispielsweise die Förderung von Newcomern, die nicht über ein großes Publikum verfügen, nicht mehr möglich sei. Sein Artikel trägt den ebenso eindeutigen Titel: "Nachwuchskünstler*innen in meinem Club, kann ich mir nicht mehr leisten".

Grädler stellt der Rechnung der Künstlerin seine eigene Rechnung über einem Club entstehenden Kosten gegenüber: Von der Einnahme der Miete von 700 Euro bleiben nach Abzug der Umsatzsteuer 588,26 Euro. Die Personalkosten betragen 527,04 Euro. Bei einem Getränkekonsum von 5 Euro pro Person und 100 Gästen bleiben nach Abzug der Umsatzsteuer und der Kosten für die Getränke noch etwa 315,13 Euro übrig.

Hinweis: Im Originalartikel war fälschlicherweise von 500 Gästen die Rede. Gemeint sind 100 Gäste wie im Artikel von Boutari. 

Insgesamt verbleiben dem Club 376,35 Euro zur Deckung der weiteren Kosten wie Raum, Technik, Marketing und Versicherung, was seiner Darstellung nicht annähernd ausreicht, um alle Ausgaben zu decken.

Die Suche nach den Ursachen

Grädler hebt jedoch auch hervor, dass Clubs oft fälschlicherweise für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich gemacht würden, obwohl die großen Plattenfirmen, Streaming-Dienste und Ticketing-Firmen das Hauptproblem seien:

"Diese Konzerne haben die Einnahmenströme im Musikgeschäft monopolisiert und investieren kaum etwas in die Basis zurück – also in die Clubs und die Künstlerinnen, die den Kern der Livemusikszene ausmachen. Während wir Clubs versuchen, faire Gagen zu zahlen und ein abwechslungsreiches Programm zu bieten, werden wir von den übermächtigen Akteuren im Musikgeschäft allein gelassen."

Zumindest in diesem Punkt scheinen sich Clubbesitzer und Künstlerin einig zu sein, denn auch Boutari betont in ihrem Bericht, dass Musikstreaming nur für große Stars lukrativ sei. 

Zusätzlich tragen die stark gesunkenen Verkaufszahlen von CDs und Vinyl dazu bei, dass sich die Herausforderungen in der Live-Branche verschärfen, da Musikerinnen und Musiker mehr denn je auf Live-Auftritte angewiesen sind.

Keine gegenseitige Schuldzuweisungen

Grädler fordert ebenso wie Boutari eine gemeinsame Anstrengung zur Lösung dieser Probleme und betont außerdem, dass Clubs durchaus offen für faire Zusammenarbeit sind:

"Anstatt uns gegenseitig zu beschuldigen, sollten wir gemeinsam nach Lösungen suchen. Wir sind bereit, mit Musikerinnen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten und innovative Wege zu finden, um das Live-Erlebnis für alle Beteiligten fairer zu gestalten. Wir wollen weiterhin ein Sprungbrett für talentierte Künstlerinnen sein, doch dafür brauchen wir Unterstützung und ein nachhaltiges Geschäftsmodell, das nicht nur die Konzerne, sondern auch die Basis stärkt."

Wir wollen an dieser Stelle keine Lösungsvorschläge unterbreiten, sondern euch fragen: Wie nehmt ihr dieses Problem wahr? Habt ihr Ideen, wie sich dieses Problem lösen lässt? Und wie könnten diese Lösungen aussehen?

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