Fairere Vergütung
NRW führt Honoraruntergrenzen für Künstler und Künstlerinnen in Landesprogrammen ein
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© Yan Krukau
Ab diesem Zeitpunkt werden sowohl für selbstständige als auch für professionelle Künstlerinnen und Künstler Honoraruntergrenzen in den alleine durch das Land geförderten Programmen der Kulturellen Bildung gelten.
Das geht aus einer Pressemitteilung des Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes hervor.
Pilotprojekte
Die Mindesthonorare werden zunächst in den Landesprogrammen "Kultur und Schule" und "Künstlerinnen und Künstler in der Kita" umgesetzt. Konkret bedeutet die Einführung der Honoraruntergrenzen, dass sämtliche Tätigkeiten im Rahmen dieser Programme ab dem 1. August mit mindestens 55 Euro pro Stunde plus Spesen, etwa Reisekosten, vergütet werden. Das entspricht einem Plus von etwa 50 Prozent zur bisherigen Bezahlung von etwa 27,50 Euro pro 45 Minuten.
Eine flächendeckende Einführung der Honoraruntergrenzen in den Sparten Literatur, Musik, Darstellende Kunst und Bildende Kunst wird dann ab Januar 2026 folgen. Der zeitliche Vorlauf soll Veranstaltenden die Möglichkeit bieten, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen, so NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU).
Flächendeckende Einführung ab 2026
Ab 2026 gelten dann bei der Bezahlung von Künstlerinnen und Künstlern dann Honoraruntergrenzen, sobald das Land mit irgendeinem Betrag (und sei es auch nur ein Cent) an der Förderung der entsprechenden Programme beteiligt ist.
Damit unterscheidet sich die Vorgehensweise NRWs von der des Bundes, bei dem Honoraruntergrenzen seit dem 1. Juli 2024 erst eingehalten müssen, wenn ein Projekt oder eine Institution zu mindestens 50 Prozent von der Bundesregierung gefördert wird.
Ziel der Initiative
Bandes erklärt, Ziel der neuen Vorkehrungen sei es, dass Vollzeit arbeitende Künstlerinnen und Künstler ihren Lebensunterhalt und einen Teil ihrer sozialen Absicherung bestreiten können.
"Künstlerinnen und Künstler leisten für unsere Gesellschaft einen wertvollen Beitrag. Diese Arbeit hat einen Preis – und es soll ein fairer Preis sein. Wer Vollzeit arbeitet, muss von dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten können."
Positive Auswirkungen erwartet
Doch nicht nur die Kunstschaffenden selbst können laut Bandes von der Einführung der Honoraruntergrenzen profitieren. Auch auf die Qualität der Kulturangebote ist eine positive Auswirkung zu erwarten.
"Wer sich ohne Nebenjobs voll auf seine Arbeit konzentrieren kann, wird auf einem noch höheren Niveau arbeiten können. Ich bin sicher, dass die Honoraruntergrenzen so auch dem anspruchsvollen Publikum zugutekommen."
In NRW sind für die Einführung der Honoraruntergrenze 1,6 Millionen Euro eingeplant. Die meisten Förderungen werden mit Bund oder auch den Kommunen gemeinsam gestemmt.
Zusätzliche Mittel nötig
Der Kulturrat NRW betont jedoch auch, dass für die flächendeckende Einführung der Honoraruntergrenzen im Jahr 2026 noch dringend zusätzliche Mittel benötigt werden und fordert Landesregierung und Parlament dazu auf "hier die notwendigen finanziellen Konsequenzen für die kulturelle Landschaft in NRW zu ziehen."
Zum ersten Mal evaluiert werden sollen die Erfahrungen mit den neuen Honoraruntergrenzen für die Programme der Kulturellen Bildung dann im dritten Quartal 2025. Ob die Honoraruntergrenze angemessen festgelegt wurde, wird nach dem ersten Antragszyklus nach der Einführung in allen Sparten geprüft. Anschließend ist eine Evaluierung im Vier-Jahres-Rhythmus vorgesehen.
Impulsgebende Beispiele
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, begrüßt den Einsatz von NRW. Es sei gut, dass nach der langen Diskussion um Honoraruntergrenzen nun die Umsetzungsphase beginne. Weiter appeliert er:
"Die beiden positiven Beispiele aus NRW und dem Bund sollten die anderen Länder und die Kommunen anspornen zügig nachzuziehen. Es geht voran!"
Die Länder müssen reagieren
Bereits in unserer Übersicht zu den Mindesthonoraren für Künstler hatten wir erklärt, dass der Ball jetzt bei den Ländern liege. NRW hat sehr schnell und umfassend reagiert – und das trotz einer durchaus schwierigen Haushaltslage. Diese Entscheidung wird mit Sicherheit Signalwirkung für andere Länder haben.
Wenn das bevölkerungsmäßig größte Bundesland in der Lage ist, Mindesthonorare einigermaßen zeitnah umzusetzen, sollte das andere Bundesländer motivieren, rasch zu folgen. Für Künstlerinnen und Künstler wäre das ein wichtiger Schritt zur Verbesserung ihrer finanziellen Lage.
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