Mit Leidenschaft der Krise getrotzt
Marco Russo von der Event-Agentur Rolling Dice über die Stärke der Metal-Szene und die Herausforderungen als kleiner Veranstalter
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Marco Russo, Geschäftsführer der Eventagentur Rolling Dice. © Michael Vogel
BackstagePRO: Hallo Marco, Du bist Gründer und Geschäftsführer von Rolling Dice Events. Kannst du uns kurz erklären, was ihr genau macht?
Marco Russo: Rolling Dice Events ist eine Event- und Booking Agentur, die sich auf regionale Konzerte im Raum Frankfurt und Rhein-Main konzentriert. Unser Ziel ist es, jungen Bands eine professionelle Bühne zu fairen Konditionen zu bieten. Rolling Dice entstand aus der Notwendigkeit, Kulturschaffende nach der Pandemie zu unterstützen und die Live-Szene positiv zu beeinflussen.
BackstagePRO: Welchen Genre-Schwerpunkt habt ihr?
Marco Russo: Unser Schwerpunkt liegt auf Metal, insbesondere Metalcore – wir decken aber auch andere Spielarten wie Powermetal ab.
BackstagePRO: Wie viele Veranstaltungen im Jahr organisiert ihr in etwa und wo finden sie statt?
Marco Russo: Wir veranstalten mindestens sieben bis acht Clubkonzerte pro Jahr, hauptsächlich in Frankfurt, oft in Zusammenarbeit mit dem Ponyhof, der eine Kapazität von ca. 120 Personen hat. Einmal jährlich veranstalten wir ein größeres Event, wie dieses Jahr im Musikclub Das Bett in Frankfurt, um auch regionalen Bands eine größere Plattform zu bieten. Während der Festivalsaison legen wir eine Pause ein, da Clubkonzerte dann weniger gut besucht sind.
BackstagePRO: Wie würdest du allgemein das Metal-Publikum beschreiben? Würdest du sagen, dass Leute aus der Metal-Szene tendenziell häufiger zu Konzerten gehen als Leute aus anderen Genres?
Marco Russo: Ja, definitiv. Metal-Fans finden oft auf einem individuellen Weg zu dieser Musik. Aber ich glaube schon, dass das oft mit einer gewissen Rebellion gegen gesellschaftliche Zustände oder Veränderungen zu tun hat, mit denen sich die Metal-Fans nicht identifizieren können. Außerdem sind Metal-Konzerte bekannt für ihr friedliches und starkes Gemeinschaftsgefühl. Dies führt dazu, dass Metal-Fans tendenziell eher bereit sind, kleinere Konzerte zu besuchen als Fans anderer Genres.
BackstagePRO: Stimmt es, dass Besucher heute spontaner Tickets kaufen als früher? Wie wirkt sich der Rückgang des Vorverkaufs auf die Planungssicherheit aus?
Marco Russo: Das Publikum ist spontaner und weniger verbindlich geworden. Früher gab es mehr Leute, die Tickets im Vorverkauf gekauft haben, um ihre Unterstützung zu zeigen. Die Digitalisierung und die damit verbundene Fülle an Angeboten haben die Auswahl erhöht, was zu einer geringeren Festlegung im Voraus führt. Das beeinträchtigt die Planungssicherheit erheblich.
BackstagePRO: Welche Folgen hat das?
Marco Russo: Wir wissen, dass ein gewisser Teil der Karten an der Abendkasse verkauft wird. Die Leute handeln spontaner, und es gibt dann doch immer den einen oder anderen, der sich kurzfristig zu uns begibt – was ja total schön ist. Aber der Vorverkauf ist enorm wichtig für die Planungssicherheit. Und als Käufer spart man sich sogar noch ein bisschen Geld, weil die Karten in der Regel ein paar Euro günstiger sind als an der Abendkasse.
BackstagePRO: Wenn du auf die letzten Jahre schaust: Wie würdest du die aktuelle Lage für unabhängige Veranstalter beschreiben?
Marco Russo: Nach einem kurzen Aufatmen nach Corona ist die Situation für unabhängige Veranstalter in den letzten zwei Jahren durch steigende Preise wieder prekärer geworden. Clubbetreiber haben es zunehmend schwer, da Professionalität finanzielle Verpflichtungen mit sich bringt. Behördliche Auflagen erschweren die Arbeit zusätzlich. Zudem fehlt die Unterstützung für kleine Clubs, die für junge Bands essentiell sind. Große Clubs sind wichtig, aber die Bedeutung der kleinen Spielstätten darf nicht vergessen werden.
BackstagePRO: Können kleine Veranstalter überhaupt noch gewinnorientiert wirtschaften?
Marco Russo: Wir betreiben Rolling Dice Events nebenberuflich, da eine hauptberufliche Ausübung ohne ständige finanzielle Verluste kaum möglich ist. Wir hatten bereits Veranstaltungen, die ins Minus gingen. Erwirtschaftete Gewinne werden reinvestiert oder als Rücklage für weniger erfolgreiche Events genutzt. Frankfurt ist ein umkämpfter Markt und die Bereitschaft, kleine Konzerte zu besuchen, hat abgenommen. Die allgemeine Lage ist nicht einfach.
BackstagePRO: Ihr seid sehr aktiv auf BackstagePRO. Welche Rolle spielt die Plattform in eurem Alltag als Veranstalter?
Marco Russo: Wir nutzen BackstagePRO sehr stark als Booking-Hilfe. Mit Rolling Dice Events werden wir dieses Jahr zwei Bands auf Tour schicken und ein bisschen ins Tourbusiness einsteigen. Im Prinzip geht es darum, Bands, die regional gefühlt jedes Festival abgegrast haben, dabei zu unterstützen, den nächsten Schritt zu machen und weiter voranzukommen.
Wenn wir nach Support-Bands suchen, also nach Bands aus der jeweiligen Region, sind wir in unserem Raum eigentlich ziemlich gut vernetzt. Aber es ist dennoch wichtig, neuen Input zu bekommen und zu schauen, welche Bands richtig Bock auf so einen Support-Slot haben und für die es vielleicht etwas richtig Cooles ist, auf die Bühne zu kommen und sich präsentieren zu können.
BackstagePRO: Zusätzlich bist du ja auch selbst Musiker in einer Band. Erzähl uns gerne mal kurz etwas darüber.
Marco Russo: Meine Band Firestorm, bei der ich Sänger und Rhythmusgitarrist bin, war mein Einstieg in die Metal-Szene. Wir existieren seit 2011 und kommen aus Frankfurt am Main. Trotz Besetzungswechseln und unterschiedlichen Lebensphasen ist die Freude am Musikmachen und Auftreten ein sehr wichtiger Teil meines Lebens geblieben.

Impression von Rock auf der Burg 2025, © BRYAN
BackstagePRO: Du engagierst dich ja auch zusätzlich noch beim Festival Rock auf der Burg. Was genau ist da deine Rolle?
Marco Russo: Der Verein Rock AG hat mich vor zwei Jahren als Nachfolger von Henrik Mangold, den vielleicht einige von Wizard Live kennen, zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Seitdem bin ich dort im Booking aktiv, aber kümmere mich natürlich auch im Hintergrund um alles andere, wobei das ohne die viele engagierten Vereinsmitglieder nicht möglich wäre. Rock auf der Burg ist ein ehrenamtlich organisiertes Festival und wir sind auf leidenschaftliche Mitstreiter angewiesen.
BackstagePRO: Was ist das Alleinstellungsmerkmal von Rock auf der Burg?
Marco Russo: Das Alleinstellungsmerkmal von Rock auf der Burg ist das einzigartige Flair einer Burgruine mit zwei Bühnen – der Mainstage auf dem Burgvorplatz und der Kellerstage im Burgkeller. Dass die Veranstaltung inmitten von alten Gemäuern stattfindet, sorgt besonders an warmen Sommertagen für ein ganz besonderes Ambiente. Es ist eine Mischung aus familiärem Faktor und Festival-Feeling, die uns von anderen Festivals in der Region unterscheidet.
BackstagePRO: Wie viele Zuschauer hat Rock auf der Burg?
Marco Russo: Letztes Jahr hatten wir knapp über 1.000 zahlende Gäste, hinzu kommen Vereinsmitglieder, Crews und Gästeliste. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, die Zuschauerzahl weiter zu steigern.
BackstagePRO: Würdest du sagen, dass sich das Vorverkaufsverhalten bei Festivals im Allgemeinen anders verhält als bei den Rolling-Dice-Shows?
Marco Russo: Teilweise ja. Bei Festivals gibt es einen kleinen Stamm von Besuchern, die direkt nach dem Ende des Vorjahresfestivals Tickets kaufen. Das sind nicht sehr viele, aber es macht schon einen Unterschied.
Club-Konzerte verhalten sich auch ein bisschen anders, die Daten variieren natürlich je nach Veranstaltung. Bei Rock auf der Burg kommt es nicht zuletzt darauf an, welche Bands spielen. Die meisten Besucher warten erst einmal das Line-up ab und überlegen dann, ob sie kommen oder nicht.
BackstagePRO: Erhaltet ihr denn Förderung von der Stadt Königstein?
Marco Russo: Die Stadt Königstein ist der offizielle Veranstalter von Rock auf der Burg, was bedeutet, dass alle Einnahmen und Ausgaben über die Stadt laufen. Wir teilen uns die Kosten, da die Organisation aufwändig ist und die Kosten steigen. Unser Ziel ist es, das Festival mindestens selbsttragend zu machen, da es bisher immer ein Minus erwirtschaftet hat, das die Stadt ausgleicht.
BackstagePRO: Welche Rolle spielt die zunehmende Konzentration auf große Konzerne? Spürst ihr diese Marktkonzentration bei Rock auf der Burg oder bei Rolling Dice?
Marco Russo: Bei Rolling Dice Events gibt es noch wenige Berührungspunkte mit großen Konzernen. Bei Rock auf der Burg hingegen, wo wir mit größeren Künstlern und deren Labels bzw. Managements zu tun haben, ist der Einfluss spürbar. Nach der Pandemie überlebten hauptsächlich diejenigen Musiker und Veranstalter, die mit Herzblut an die Sache gehen und die Einbußen privat ausgleichen oder die großen Akteure mit Rücklagen. Die mittleren Akteure, die hauptberuflich agieren, haben es am schwersten, da große Konzerne durch ihre Marktposition viel beeinflussen können.
BackstagePRO: Betrachtest du deine gesamte Arbeit im Live-Musiksektor eher als wirtschaftliche Tätigkeit oder als Herzensprojekt?
Marco Russo: Eindeutig als Herzensprojekt. Das gesamte Team von Rolling Dice Events sieht es so. Obwohl wir uns über mehr Wirtschaftlichkeit freuen würden, ist uns bewusst, dass es in diesem Bereich schwierig ist. Herzblut und Leidenschaft sind der Hauptantrieb, und wir glauben, dass es der richtige Weg ist, um Dinge zu entwickeln und voranzubringen. Attitude und Herzblut sind das Wichtigste. Es ist immer besser, etwas aus Herzblut zu machen, als nur des Geldes wegen.
BackstagePRO: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Unternehmen
Rolling Dice Events
Veranstalter, Booking-Agentur in 60598 Frankfurt am Main
Rock AG e.V.
Veranstalter in 61462 Königstein im Taunus
Personen
Marco Russo
Sänger, Gitarrist, Schlagzeuger aus Frankfurt Sänger, Gitarrist bei Firestorm, Geschäftsführender Gesellschafter bei Rolling Dice Events und Vorstandsvorsitzender bei Rock AG e.V.
Artists
Firestorm
Heavy Metal aus Frankfurt
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