"Man muss sich als Band gegenseitig unterstützen"
MAVIS über ihr zweites Album, Social Media und die mentale Gesundheit von Musikern
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Mavis. © Nylia Photography
BackstagePRO: Hallo allerseits, könnt ihr uns ein bisschen über euch und die Geschichte von MAVIS erzählen?
Phil: Wir sind ein Teil der Metalcore-Band MAVIS aus der Region Stuttgart. MAVIS wurde 2017 durch Robin Dachtler gegründet, der ursprünglich ein Studioprojekt plante. Nach intensiver Suche nach einer passenden Besetzung und der Produktion einer EP gingen wir im November 2019 online und spielten unsere ersten Shows. Kurz darauf kam die Pandemie.
BackstagePRO: Was hat sich in den letzten zwei Jahren bei euch am stärksten verändert, sowohl musikalisch als auch organisatorisch?
Phil: Die wichtigste Veränderung war die Besetzung. Unser Debütalbum "Grief Is No Ally" von 2023 besteht zum Großteil aus älteren Songs und wurde bereits mit neuen Mitgliedern produziert. Nach dem Release lag der Fokus auf der Produktion neuer Musik; Manuel Weller (Gitarre) und ich übernahmen das Songwriting. Marco kam dann 2024 dazu, um wieder eine zweite Gitarre dabei zu haben. Wir haben uns danach auf unsere Live-Positionierung konzentriert.
BackstagePRO: Und wie nimmt euer Label darauf Einfluss? Habt ihr bestimmte Vorgaben oder Zeitpunkte für Releases?
Phil: Wir haben einen normalen Bandübernahmevertrag mit unserem Label, der uns kreative Freiheit lässt. Wir schätzen diesen Freiraum sehr, auch wenn eine Deadline manchmal hilfreich sein kann. Die Zusammenarbeit ist entspannt, und wir halten uns gegenseitig auf dem Laufenden.
"Wir haben sehr vielfältige Einflüsse"
BackstagePRO: Habt ihr bestimmte Einflüsse, die euren Sound prägen, oder aktuell besonders prägen?
Phil: Unsere Einflüsse sind sehr vielfältig, da die Songideen von allen Bandmitgliedern stammen. Im Studio mit Manuel Renner (Überlärm Studios) probieren wir alles aus, ohne uns auf bestimmte Stile festzulegen.
Jakob: Mit einer wachsenden Diskografie wird es schwieriger, unseren Sound auf wenige Bands zu reduzieren. Unsere Musik entwickelt sich in verschiedene Richtungen. Das zeichnet uns auch aus.
Marco: Das Konzept des zweiten Albums beeinflusst den Songwriting-Prozess stark. Wir überlegen bei jedem Song, welche Rolle er im Gesamtkontext spielen soll, sei es ein ruhiger, poppiger oder harter Track, und wählen die Einflüsse entsprechend.
BackstagePRO: Der Release eures Debütalbums liegt schon einige Zeit zurück. Wenn ihr zurückblickt, wie zufrieden seid ihr mit dem Album?
Phil: Mit dem Release von "Grief Is No Ally" sind wir sehr zufrieden, es lief sehr gut. Einzig der Dezember als Release-Monat war ungünstig, da die Marketingwelt bereits eingeschlafen ist und vieles untergeht. Für ein Debütalbum wäre ein Release zu einem anderen Zeitpunkt besser gewesen.
Jakob: Man hört oft, die Weihnachtszeit sei ideal, da dann die Kaufkraft am stärksten sei. Rückblickend sehen wir das anders; ein Release zu einem anderen Zeitpunkt wäre vielleicht besser gewesen. Wir haben aber viel daraus gelernt, was alles zu einem Album-Release dazugehört.
"Unser zweites Album ist zur Hälfte fertig"
BackstagePRO: Gibt es für euch Songs beziehungsweise Werke auf dem Album, die sich live und generell besonders bewährt haben?
Phil: "Hollow Eyes" ist ein kurzer, harter Track, der live einen unglaublichen Drive hat. Er zieht das Publikum mit. Die Resonanz live ist phänomenal, und die Leute fragen oft danach. Die Streamingzahlen stechen bei diesem Song nicht hervor, weil er nicht als Single rauskam, aber live hat er sich absolut bewährt.
Jakob: Man merkt sofort, wenn ein Song live zündet, und das war bei "Hollow Eyes" der Fall. Wir haben uns darauf gefreut, ihn zu spielen, und die Reaktionen bestätigten das.
BackstagePRO: Können sich eure Fans auch in absehbarer Zeit auf neue Musik einstellen?
Phil: Wir produzieren gerade unser zweites Album und sind etwa zur Hälfte fertig. Feste Single-Releases sind noch nicht geplant, werden aber dieses Jahr erscheinen, gefolgt vom Album. Die ersten Songs werden schneller kommen als erwartet.
BackstagePRO: Ihr habt auch kürzlich einen neuen Bassisten in der Band aufgenommen. Wie kam es zu dem Wechsel?
Phil: Dominik Schmeckpeper ist unser neuer Bassist und ersetzt Moritz Amrein (Mo), der aus der Gründungszeit stammte. Der Wechsel erfolgte aufgrund eines Fokuswechsels von Mo weg vom Band-Dasein, was völlig in Ordnung ist. Wir sind im Guten auseinandergegangen.
"Wir nutzen BackstagePRO, um Kontakte zu knüpfen"
BackstagePRO: Ihr habt ja ein aktives und gepflegtes BackstagePRO-Profil. Wofür nutzt ihr die Plattform?
Phil: Ich pflege unser BackstagePRO-Profil aktiv, um bei Bedarf Verbindungen zu anderen Bands in neuen Städten herzustellen. BackstagePRO ist ein gutes Tool, um Tourdaten zu pflegen und zu sehen, wo wir schon gespielt haben. Besonders gut gefällt mir die Karte im Booking-Bereich. Es ist schön, visuell auf einer Karte zu sehen, wo man überall schon gespielt hat. Besonders nützlich ist die Funktion, Bands in bestimmten Städten zu finden, um Kooperationen oder Austausch-Gigs zu organisieren. Die Plattform ist ein zentraler Ort für solche Kontakte.
BackstagePRO: Welche Rolle spielt Social Media allgemein für euch als Band?
Jakob: Als ich zur Band kam, haben wir Instagram auf Englisch umgestellt, um international zu kommunizieren. Wir besitzen auch ein TikTok-Profil. Social Media ist heute unerlässlich für Bands, aber es erfordert ständige Pflege.
Phil: Man sollte sich als Künstler wirklich auf wenige Plattformen konzentrieren und diese konsequent pflegen, da der Aufwand einem sonst schnell über den Kopf wächst.
Jakob: Unser Hauptfokus liegt auf Instagram, und ich experimentiere mit TikTok, wo Content anders funktioniert. Jede Band muss Social Media als Teil des Musikbusiness akzeptieren, auch wenn es zeitaufwendig ist. Es ist wichtig, sich der Bedeutung bewusst zu sein.
"Metal wird inzwischen etwas häufiger gefördert"
BackstagePRO: Arbeitet ihr komplett unabhängig, oder erhaltet ihr auch finanzielle Unterstützung durch Partner, Förderungen, Label etc.?
Phil: Unser erstes Album wurde durch die Initiative Musik gefördert, was eine große Hilfe war. Auch für die ersten Singles nach dem Album erhielten wir Förderung. Aktuell finanzieren wir uns selbst, aber die Initiative Musik war entscheidend für den Start. Förderprogramme sind heute auch für Metal-Bands zugänglicher geworden.
BackstagePRO: Seid ihr allgemein mit den Förderangeboten zufrieden, oder würdet ihr euch da manchmal ein bisschen mehr Förderungen beziehungsweise Förderangebote für Kunst und Kultur wünschen?
Phil: Ich finde es schade, dass viele Fördermöglichkeiten weggefallen sind. Ich fände mehr Förderungen auf Landesebene eine gute Sache, da Kultur oft nur auf Bundesebene oder durch Gemeinden gefördert wird, was nicht jede Gemeinde leisten kann und auch erst die richtige Zielgruppe erreicht werden muss.
BackstagePRO: Würdet ihr sagen, dass das bei den meisten Förderprogrammen Metal ein recht unterrepräsentiertes Genre ist?
Phil: Metal ist kulturell immer noch oft verpönt, auch wenn der Umgang damit besser geworden ist. Viele Menschen sehen Metal nicht als Kunst an, besonders wenn es um harsche Vocals geht. Es gibt noch Verbesserungsbedarf, damit Metal gleichberechtigt gefördert wird.
BackstagePRO: Habt ihr den Förderantrag bei der Initiative Musik gemeinsam mit eurem Label gestellt?
Phil: Genau. Wir haben die Initiative Musik damals zusammen mit Arising Empire beantragt. Ein Partner aus der Industrie war damals hilfreich, ist mittlerweile aber nicht mehr zwingend notwendig. Es gab auch andere Möglichkeiten, wie sich über unser Tonstudio für eine Förderung zu qualifizieren. Arising war uns da aber schon eine Hilfe.

Metalcore-Band Mavis, © Nylia Photography
BackstagePRO: Jetzt habt ihr ja als Band auch schon einige Erfolge verzeichnen können. Hat das Musikerleben einen starken Einfluss auf euer Privatleben, also Freunde, Familie, Partner etc.?
Marco: Das Bandleben umfasst mehr als nur Wochenendkonzerte. Es beinhaltet Proben, Songwriting und viel organisatorische Arbeit hinter den Kulissen. Die Vorlaufzeiten für Releases sind enorm – und all das muss nach Feierabend erledigt werden.
"Man muss sich als Band gegenseitig unterstützen"
Phil: Wir sind eine DIY-Band, die viel selbst organisiert. Es fühlt sich an, als hätte man neben einem Vollzeitjob noch einen 75%-Job. Wir setzen uns hohe Ziele, um auf große Bühnen zu kommen, und geben dafür alles. Das wirkt sich definitiv auf das Privatleben aus.
BackstagePRO: Dazu gehört natürlich auch viel Arbeit. In den letzten Jahren wird die mentale Gesundheit in der Musikbranche immer stärker thematisiert. Spürt ihr diesen Druck auch im Alltag?
Phil: Im Metalcore-Bereich ist der Wunsch, herauszustechen, oft mit Fear of Missing Out (FOMO) verbunden. Man muss lernen, sich nicht auszulaugen und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Der Vorteil einer Band ist der Austausch und die gegenseitige Unterstützung, um mit Druck umzugehen und daran nicht zu zerbrechen.
BackstagePRO: Also würdet ihr auch sagen, dass da die Kommunikation untereinander wichtig ist?
Phil: Enorm wichtig. Als Band ist man nicht allein. Konkurrenzdenken ist fehl am Platz; man sollte sich füreinander freuen und gegenseitig unterstützen. Jeder hat seine eigene Kreativität und sein eigenes Standing.
Jakob: Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, was man schon erreicht hat. Man neigt dazu, immer nur nach vorne zu schauen und vergisst die Meilensteine. Man sollte sich öfter selbst auf die Schulter klopfen und stolz auf das Erreichte sein.
BackstagePRO: Zum Abschluss würden wir gerne noch wissen, wo man euch dieses Jahr live erleben kann?
MAVIS: Aktuell steht unsere "Cult Rituals"-Tour 2026 mit Alqemiste und Supports fest, bei der wir im Oktober 5 Konzerte in München, Berlin, Köln, Frankfurt und Leonberg spielen. Diesen Sommer spielen wir außerdem im Juli auf dem 48er Festival in Herrenberg und im September auf dem Umsonst & Draussen Festival in Zollernalb.
BackstagePRO: Vielen Dank für das Interview!
MAVIS: Vielen Dank auch an dich!
Wir haben das Interview mit folgenden Bandmitgliedern von MAVIS geführt:
Phil Donay (30) ist Sänger von MAVIS und arbeitet hauptberuflich in einem Tonstudio.
Jakob Schulz-Klein (25) spielt Schlagzeug und studiert Musik und Geschichte auf Lehramt.
Marco Weber (29) ist Gitarrist und arbeitet als UX/UI-Designer.
Personen
Phil Donay
Kaufmann für audiovisuelle Medien aus Kornwestheim Sänger, Gitarrist bei MAVIS
Artists
MAVIS
Modern Metalcore aus Ludwigsburg
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