Unter der Oberfläche
Viele Musikschaffende nutzen KI-Tools als Werkzeug – aber wenige sprechen darüber
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© igor-omilaev via Unsplash
Wie in vielen anderen Bereichen ist Künstliche Intelligenz kaum noch aus dem Arbeitsprozess vieler Künstler wegzudenken. Immer mehr Musikschaffende nutzen KI-Tools in unterschiedlichen Phasen der Musikproduktion.
In einer aktuellen Umfrage von Sonarworks unter mehr als 1.100 Produzenten, Toningenieuren und Songwritern gaben sieben von zehn Befragten an, zumindest gelegentlich mit KI-Tools zu experimentieren. Jeder Fünfte nutzt diese Tools sogar regelmäßig.
Zwischen generativer KI und kreativem Werkzeug
Dabei ist es wichtig, zu differenzieren. Auf der einen Seite stehen KI-Artists wie Sienna Rose, die Songs vollständig von generativer KI erstellen lassen. Auf der anderen Seite nutzen Produzenten und Songwriter KI vor allem als kreatives Werkzeug, etwa zur Inspiration, zur Zeitersparnis oder zur Kostenreduktion, bleiben jedoch selbst die zentralen Urheber ihrer Werke.
Trotz der wachsenden Verbreitung wird in der Branche nur ungern offen über den Einsatz von KI gesprochen. Mikey Shulman, CEO der KI-Musik-Plattform Suno bezeichnete den Einsatz von KI kürzlich als "das Ozempic der Musikbranche – jeder nutzt es, aber niemand will darüber sprechen".
KI als Experimentier- und Entscheidungswerkzeug
Einer derjenigen, der sich äußert, ist der US-Sänger und Songwriter Charlie Puth. Er nutzt KI im Songwriting-Prozess, um Ideen schnell zu testen. So kann er etwa simulieren, wie ein Chor an einer bestimmten Stelle klingt. Gefällt ihm das Ergebnis, wird später ein echter Chor aufgenommen. Wenn nicht, spart er Zeit und Kosten für unnötige Studioaufnahmen. Dieses Vorgehen zeigt, wie KI vor allem als Experimentier- und Entscheidungswerkzeug eingesetzt wird.
"Es gibt ein Tool, das einen Mono-Gesang so klingen lässt, als würden acht bis zehn Leute singen. Ich benutze es, um zu sehen, ob ich den Chor-Sound überhaupt darauf haben will. Und dann nehmen wir ihn raus und ersetzen ihn durch einen echten Chor."
Puth ist von seiner Vorgehensweise überzeugt: "Das ist die richtige Art, KI zu nutzen." Aber er zieht eine Grenze bei der Verwendung generativer KI zur Veränderung eines fertigen Tracks. "Einen Song zu machen und dann einzugeben: 'Mach diesen Sound anders', und die KI spuckt eine komplett andere Produktion mit Stems aus – das ist widerlich."
Die Nutzung von KI wächst
Besonders für kleinere Künstler kann KI eine große Chance darstellen. Oft fehlen ihnen die finanziellen Mittel für aufwendige Produktionen oder professionelle Studio Sessions. KI-Tools ermöglichen es ihnen, dennoch qualitativ hochwertige Demos zu erstellen und ihre kreativen Ideen umzusetzen.
Gerade im Hip-Hop werden Samples zunehmend mithilfe von KI generiert. Das verändert nicht nur Produktionsprozesse, sondern auch wirtschaftliche Strukturen innerhalb der Branche. Young Guru, Jay-Zs langjähriger Produzent, DJ und Toningenieur, sagt über die Nutzung durch Hip-Hop-Acts:
"Sie werden mittlerweile richtig gut darin, Prompts zu formulieren." Wo es früher einfach hieß: 'Gib mir gefühlvolle 1960er-Jahre-Musik, egal was', heißt es jetzt: 'Gib mir Musik aus den 1960ern, als wäre sie bei Motown aufgenommen worden und von dieser Person geschrieben worden', oder 'Gib mir Musik aus den 1970ern, als wäre sie bei Stax aufgenommen worden, wenn diese Person sie geschrieben und diese Person den Bass gespielt hätte'."
Frisst die KI-Revolution ihre Kinder?
Gleichzeitig bleibt die Urheberrechtsfrage weitgehend ungeklärt. KI-Systeme basieren auf Trainingsdaten, deren Herkunft oft nicht transparent ist. Während vollständig KI-generierte Songs mittlerweile zumindest ansatzweise erkannt werden können, ist dies bei hybriden Produktionen deutlich schwieriger. Eine allgemein akzeptierte Erkennungssoftware gibt es nicht.
Ein weiteres Problem besteht in der Haltung der Musikindustrie zur Nutzung von Trainingsdaten für KI-Tools. Wenn die Nutzung von KI-Tools zur Normalität wird, können deren Hersteller darauf verweisen, dass auch zahlreiche Musikschaffende diese nutzen und von der Tatsache ablenken, dass sie urheberrechtlich geschütztes Material zum Training der KI benutzt haben. Ein offensichtlicher Ausweg aus diesem Dilemma ist nicht ersichtlich.
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