Hassen Musiker KI wirklich?
Hohe Nutzung, kaum Vertrauen: Studie zeigt wie Musikschaffende KI-Tools wirklich verwenden
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© Soundtrap
Gerade erst haben wir darüber berichtet, dass KI als Werkzeug unter Songwritern und Produzenten – darunter auch einigen Musikgrößen – immer gängiger wird und inzwischen häufig fest im Arbeitsalltag integriert ist. Gleichzeitig bleibt der offene Umgang damit selten.
Die neue Studie der Muse Group setzt nun genau an diesem Punkt an und widmet sich der Frage "Hassen Musiker KI wirklich?". Um dieser Frage auf den Grund zu gehen und herauszufinden, wie KI von Musikschaffenden verwendet wird, führte die Muse Group eine Befragung von rund 1.200 Nutzerinnen und Nutzern von Plattformen wie Ultimate Guitar, MuseScore und Audacity durch.
Nutzung von KI-Tools längst keine Ausnahme mehr
Die Ergebnisse der Befragung zeichnen dabei ein klares Bild: Mit rund 70 Prozent gab eine große Mehrheit der Befragten an, in den vergangenen drei Monaten KI-Funktionen in Musiktools verwendet zu haben.
Besonders häufig kommen diese laut Studie bei praktischen Aufgaben zum Einsatz. Dazu zählen das Entfernen von Störgeräuschen, die Korrektur von Tonhöhen oder die Trennung einzelner Spuren. Auch bei der Ideenfindung spielt KI für viele eine Rolle und kommt etwa beim Skizzieren erster Ansätze oder beim schnellen Ausprobieren von Variationen zum Einsatz.
In der Praxis bedeutet das, das KI vor allem dort genutzt wird, wo sie bestehende Workflows beschleunigt. Ein Produzent kann beispielsweise Vocal-Spuren automatisiert bereinigen, bevor der eigentliche Mix beginnt, oder einzelne Instrumente isolieren, um Arrangements schneller anzupassen.
Klare Grenzen bei kreativer Kontrolle
Die Offenheit gegenüber solchen Anwendungen ist hoch. Knapp 78 Prozent gaben an, KI grundsätzlich positiv gegenüber zu stehen, solange sie als Unterstützung im kreativen Prozess dient. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass diese Offenheit an klare Bedingungen geknüpft ist.
Viele der befragten Musiker ziehen eine deutliche Linie zwischen technischer Hilfe und künstlerischer Autorschaft. Während unterstützende Funktionen innerhalb der Studie breit akzeptiert sind, stößt die vollständige Generierung von Musik auf deutlich mehr Skepsis. Nur ein Teil der Befragten kann sich vorstellen, KI aktiv an der Erstellung neuer Inhalte zu beteiligen. Noch geringer ist die Zustimmung, wenn Systeme eigenständig Songs fertigstellen.
Entscheidend ist dabei das Bedürfnis nach Kontrolle. Eine große Mehrheit bevorzugt es, länger zu arbeiten, wenn sie dafür die Hoheit über das Ergebnis behält. Funktionen wie das Rückgängigmachen von Änderungen oder ein klarer Überblick darüber, was durch KI beeinflusst wurde, gelten als zentrale Voraussetzungen für den Einsatz.
Vertrauen bleibt zentrale Herausforderung
Trotz der weit verbreiteten Nutzung bleibt das Vertrauen in KI laut Studie begrenzt. Viele Befragte äußern Bedenken hinsichtlich der eigenen Urheberschaft. Die Frage, was noch als eigenes Werk gilt, wenn KI beteiligt ist, beschäftigt einen großen Teil der Teilnehmenden.
Hinzu kommen Sorgen über die Nutzung von Trainingsdaten und mögliche Urheberrechtsverletzungen. Ein erheblicher Anteil spricht sich daher für strengere Regeln und mehr Transparenz in der Branche aus. Klare Kennzeichnungen von KI-Eingriffen und nachvollziehbare Nutzungsbedingungen werden als wichtige Schritte genannt, um Vertrauen aufzubauen.
Zwischen Produktivität und Verdrängung
Insgesamt erinnert die aktuelle Entwicklung in Teilen an frühere Umbrüche wie etwa die Einführung digitaler Audio-Workstations oder den breiten Einsatz von Autotune. KI jedoch geht einen Schritt weiter, denn sie greift nicht nur in die Produktion ein, sondern zunehmend auch in kreative Entscheidungsprozesse.
Insgesamt zeigt die Studie, dass Musiker die Auswirkungen von KI ambivalent einschätzen. Einerseits erwarten viele eine deutliche Steigerung der eigenen Produktivität. Andererseits geht eine Mehrheit davon aus, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen verschlechtern könnten. Mehr als 60 Prozent rechnen damit, dass es schwieriger wird, mit Musik Geld zu verdienen. Gleichzeitig glauben viele, dass bestimmte Tätigkeiten in der Branche künftig durch KI ersetzt werden könnten.
Auffällig ist zudem, dass jüngere Nutzer nicht automatisch zu den größten Befürwortern gehören. Gerade in der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren zeigt sich eine vergleichsweise hohe Skepsis gegenüber KI-Anwendungen.
Somit ergänzt die neue Muse Group Studie unter anderem die Ergebnisse der "Music and Artificial Intelligence: Artistic Trends"-Studie aus dem Sommer 2025 durch neue Erkenntnisse.
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