Künstlerische Entscheidungen nach wie vor wichtig
Studie beleuchtet: So nutzen Künstler KI in ihrem Musikschaffungsprozess
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Künstliche Intelligenz. © Possessed Photography via unsplash
Die immer weiter wachsende Verbreitung von Tools, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz Musik generieren können, sorgt dafür, dass auch Personen ohne musikalische Ausbildung, Fähigkeiten oder technisches Fachwissen Musik schaffen und veröffentlichen können.
Was einerseits mehr Menschen die Möglichkeit bietet, sich musikalisch auszuprobieren, sorgt andererseits dafür, dass Streamingplattformen geradezu von KI-generierten Inhalten geflutet werden. Laut Deezer, beträgt der Anteil an KI-generierten Songs an den täglichen Uploads inzwischen zehn Prozent.
Dass sich die Verwendung von Künstlicher Intelligenz und einem kreativen Anspruch jedoch nicht unbedingt ausschließen müssen, verdeutlicht nun eine aktuelle Studie, die durch Jordi Pons, Zack Zukowski, Julian D. Parker, CJ Carr, Josiah Taylor und Zach Evans von Stability AI durchgeführt wurde.
Umfang der Studie
Statt auf "casual creators", also Personen, die gelegentlich zur Unterhaltung oder zum Experimentieren Musik mit KI-erstellen, legt sie den Fokus auf die Werke von Personen, die sich selbst als Künstler bzw. Künstlerin identifizieren und einen professionellen Ansatz verfolgen. Ziel der Studie ist eine Momentaufnahme der Verwendung von KI-Musik in der Erstellung von Songs, die bis Mitte 2025 veröffentlicht worden sind, mit einem Schwerpunkt auf westliche Märkte.
Im Rahmen der Studie wurden 337 zwischen 2017 und dem 31. Juli 2025 veröffentlichte Werke analysiert, die nachweislich mithilfe von Deep-Learning-Technologien entstanden. Unter ihnen befinden sich Formate wie Singles, Alben, Installationen, Ballette, Opern oder Soundtracks. Die Sammlung wurde anschließend basierend auf ihrer KI-Nutzung in die Unterteilungen KI-Komposition, Co-Komposition, Sounddesign, Textgenerierung und Übersetzung kategorisiert.

Die Verwendung von Künstlicher Intelligenz in verschiedenen Bereichen von 2017 - 31. Juli 2025, © Stability AI
Künstler wollen kreative Kontrolle behalten
Es stellt sich heraus: Die Formate Singles, Live-Auftritte und Alben sind die wichtigsten Felder, in denen KI in der Musik auftaucht. Dabei zeigt sich, dass KI vor allem als Hilfe beim Komponieren und im Sounddesign zum Einsatz kommt – also da, wo Mensch und Maschine gemeinsam Melodien, Harmonien oder Klangfarben entwickeln.
Vollständig von der KI geschaffene Kompositionen erweisen sich als Ausnahme, denn die meisten Künstler und Künstlerinnen möchten die kreative Kontrolle behalten. Neben der Co-Komposition und dem Sounddesign erfreut sich auch das KI-gestützte Scheiben von Songtexten mit Chatbots wachsender Beliebtheit.
KI-gestützte Übersetzungen ermöglichen darüber hinaus die Möglickeit mehrsprachiger Songs. Ein prominentes Beipsiel stellt hier etwa der Song "Love U Like That" von Lauv dar, der Englisch und Koreanisch nutzt.
Hybride Live-Erlebnisse
Neben klassischen Veröffentlichungsformen setzen Musiker und Musikerinnen zunehmend auf Live-Performances und Installationen, in denen KI als interaktives Instrument fungiert. So entstehen etwa spontane Duette zwischen Mensch und Maschine, Beatboxing-Battles oder Installationen, die auf Bewegungen des Publikums reagieren.
Auch in traditionellen Kunstformen wie Oper, Ballett oder Soundtracks hat KI Einzug gehalten. Projekte wie "VALIS" oder das Ballett "Fusion" zeigen, dass die Technologie längst nicht nur im Pop- oder Clubkontext angekommen ist.
Auch hier nutzen viele Künstler und Künstlerinnen KI auf eine Weise, dass sie die Hoheit über den kreativen Prozess behalten – sei das durch die gezielte Steuerung von Melodie oder Text oder durch die Verwendung eigener Daten als Trainingsmaterial.
Manche Werke verzichten jedoch bewusst auf diesen Kontrollanspruch und experimentieren mit der Abwesenheit künstlerischer Kontrolle. Ein Beispiel hierfür stellt "Relentless Doppelganger" dar, ein Projekt von Dadabots, bei dem KI einen unendlichen Livestream an Death Metal Musik kreiert.
Wie klingt KI-Musik von Künstlern?
Die klangliche Ästhetik der untersuchten KI-Musik reicht von täuschend echt bis hin zu bewusst "unheimlich" (im Original "uncanny"). Während einige Projekte kaum von menschlich produzieren Songs zu unterscheiden sind, spielen andere mit einer künstlichen Fremdheit, die zugleich irritiert und fasziniert.
Auffällig ist zudem die Fähigkeit von KI-Systemen, Genres zu mischen und so Klangkombinationen hervorzubringen, die Musiker und Musikerinnen mit jahrelangem Training nur schwer erreichen würden.
KI als künstlerisches Medium
Darüber hinaus wird KI zunehmend selbst zum künstlerischen Medium. Musikerinnen wie Holly Herndon, Grimes oder Sevdaliza haben KI-Stimmenmodelle ihrer eigenen Stimme veröffentlicht, die andere für eigene Werke nutzen dürfen – teils sogar mit klar geregelter Gewinnbeteiligung.
Projekte wie "Kunst Kaputt" experimentieren damit, ganze Alben als generative Systeme anzulegen, die Fans selbst weiterentwickeln können.
Umstrittene Praxis
Die Popkultur bleibt von diesen Entwicklungen nicht unberührt. Umstrittene Beispiele wie der virale Song "Heart on My Sleeve", in dem KI-Stimmen von Drake und The Weeknd nachgeahmt wurden, zeigen die rechtlichen und ethischen Spannungsfelder.
Gleichzeitig beweisen Projekte wie die Veröffentlichung eines letzten Beatles-Songs oder das Comeback von Country-Sänger Randy Travis, dass KI auch in etablierten Kontexten neue kreative Möglicheiten eröffnet.
Die Autoren und Autorinnen der Studie betten diese Entwicklungen in einen kulturhistorischen Kontext ein. Ähnlich wie eins Fotografie, Synthesizer oder Auto-Tune wird auch die KI zunächst skeptisch beäugt, eröffnet jedoch neue Ausdrucksformen, die das Musikverständnis verändern.
Schattenseiten der Studie
Ein Unterschied liegt allerdings im Ausmaß: Während professionelle Künstler und Künstlerinnen KI als Werkzeug oder Medium erforschen, überschwemmen zugleich Millionen sogenannter "casual creators" mit KI-generierten Tracks die Streaming-Plattformen. Einen Sachverhalt, der im Rahmen der Studie nicht näher analysiert wurde.
Während die Studie also zeigt, dass KI längst nicht mehr nur die Rolle eines Hilfsmittels im Studio einnimmt, sondern sich zu einem eigenständigen künstlerischen Partner, Werkzeug und Medium entwickelt, das die Grenzen von Kreativität, Autorschaft und kultureller Praxis neu verhandelt. Die Schattenseiten dieser Entwicklungen, werden im Rahmen der Studie jedoch kaum angeschnitten.
KI vor Gericht
Erst im Juli 2025 etwa hatte sich der Country-Musiker Anthony Justice mit einer Klage gegen die KI-Musikunternehmen Suno und Udio gewendet, die ihm nach gerade die Rechte unabhängiger Künstler und Künstlerinnen übergehen würden.
Unter anderem wirft er Suno vor, "zig Millionen öffentlich zugängliche Songs kopiert und dupliziert" zu haben und das ohne das Einverständnis ihrer Urheber. Auch die GEMA und die Major-Labels waren bereits gegen die beiden Unternehmen vorgegangen.
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