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Ideale Möglichkeit, um Erfahrungen zu sammeln

Warum es sich fast immer lohnt, als Vorband aufzutreten – und welche Hürden dabei zu bewältigen sind

Tipps für Musiker und Bands von Daniel Nagel
veröffentlicht am 22.10.2025

liveszene konzertorganisation

Warum es sich fast immer lohnt, als Vorband aufzutreten – und welche Hürden dabei zu bewältigen sind

© Brett Sayles via Pexels

Ein Auftritt als Vorband, Support- oder Opening-Act ist oft die Eintrittskarte in größere Konzerthallen – eine Gelegenheit, neue Fans zu gewinnen und Bühnenerfahrung zu sammeln. Doch obwohl die Chancen überwiegen, bringt der Support-Slot einige Risiken mit sich.

Als Vorband einer größeren Band aufzutreten ist grundsätzlich eine willkommene Möglichkeit, neue Fans zu gewinnen, Kontakte zu knüpfen und mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Aber es gibt auch Schattenseiten, die von schlechtem Sound und Licht bis hin zur Notwendigkeit reichen, für den Auftritt als Support auch noch zu zahlen. 

Wie wird man eigentlich Vorband?

Es gibt verschiedene Wege, als Support-Act auf einer Tour oder bei einer Einzelshow zu landen:

1. Freundschaftliche oder kollegiale Verbindung

Der einfachste und zugleich beste Weg: Der Hauptact kennt euch persönlich und lädt euch ein, seine Konzerte zu eröffnen. So handhaben es zum Beispiel deutsche Top-Acts wie Die Ärzte oder Die Toten Hosen.

In der Regel erhaltet ihr dafür keine Gage, und ihr müsst Reise-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten selbst tragen. 

2. Gezielte Verpflichtung durch die Konzertagentur

Oft möchte eine Agentur ihre eigenen, kleineren Acts pushen. Als die Agentur Four Artists (ehemals im Besitz der Fantastischen Vier) noch aktiv war, traten deren Künstler häufig als Support bei Fanta-4-Shows auf. Viele Agenturen verfahren ähnlich.

3. Der "Buy-In"

In diesem Fall bezahlt die Vorband dafür, auf Tour mitgenommen zu werden oder vor einem größeren Act zu spielen. Diese Praxis gibt es nicht nur bei Weltstars, sondern auch bei nationalen Künstler*innen, die gerade auf dem Sprung nach oben sind.

4. Offene Ausschreibungen

Manche Bands suchen online nach geeigneten Support-Acts – zum Beispiel direkt hier auf BackstagePRO im Booking-Bereich. Wer regelmäßig sucht, kann hier echte Chancen entdecken.

Die Vorteile eines Auftritts als Vorband 

1. Bühnenerfahrung sammeln

Bühnenerfahrung ist unersetzbar, insbesondere für junge, aufstrebende Acts. Auftritte als Vorband können einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Solange körperliche und geistige Fitness und die verfügbare Zeit es zulassen, könnt ihr gar nicht häufig genug auftreten.

Nur auf diese Weise entwickelt ihr ein Gefühl dafür, welche Songs, Ansagen oder Show-Elemente gut ankommen und ob alle Ideen, die man vorher ersonnen hat, auch in der Praxis funktionieren. Es gibt zudem keinen besseren Weg, um die Bühnenpräsenz zu verbessern und das Zusammenspiel zu optimieren als Konzerte.

Gerade auch durch den Umgang mit Fehlern, Pannen oder unglücklichen Umständen kann eine junge oder neue Band unheimlich viel Erfahrung sammeln. Diese Erfahrungen – so verzichtbar sie erst einmal wirken mögen – helfen bei der Ausbildung einer Bühnenroutine.

2. Neue Fans gewinnen

Ein Auftritt als Support bietet immer die Möglichkeit, neue Fans anzusprechen und im Idealfall für die eigene Musik zu gewinnen. Diesem Ziel stehen einige offensichtliche Schwierigkeiten entgegen (dazu später mehr), aber ihr als Vorband solltet euch von diesem Ziel auf keinen Fall abbringen lassen.

Ein Großteil der Besucherinnen und Besucher wird euch höchstwahrscheinlich noch nicht kennen. Nutzt die Gelegenheit ein wenig von euch zu erzählen und euch laut und verständlich wiederholt vorzustellen. Zeigt euch offen, positiv und selbstbewusst.

Vergesst auch nicht, die Zuschauer einzuladen, sie nach dem Konzert am Merch-Stand zu treffen. Dort habt ihr die perfekte Gelegenheit, mit potentiellen Fans ins Gespräch zu kommen.

Als Vorband solltet ihr außerdem davon ausgehen, dass euch nur wenige kennen: Umso wichtiger ist eine kurze Vorstellung, damit ihr im Gedächtnis bleibt. Ganz besonders hilfreich ist es natürlich, wenn der Hauptact euch eigens in einer Ansage würdigt oder – und das ist der Ritterschlag – sogar persönlich ankündigt.

3. Kontakte knüpfen – auch hinter der Bühne

Kontakte lassen sich natürlich zunächst zum Hauptact knüpfen, aber weitere, ebenso wichtige Möglichkeiten bestehen darin, Veranstalter, Clubbetreiber, Manager, Booker, Licht- und Tontechniker kennenzulernen und von ihnen Feedback einzuholen. 

Diese Kontakte gezielt zu suchen und den Austausch auch nach dem Gig nicht einschlafen zu lassen, erfordert im Zweifelsfall einiges an Ausdauervermögen, ermöglicht aber im Idealfall künftige Projekte und Live-Auftritte.

Dazu kann die Vorband selbst viel beitragen: Pünktliches Erscheinen und professionelles Verhalten beim Soundcheck und beim Gig sind eine wichtige Voraussetzung. Der Dank an den Hauptact und an die Crew dürfen natürlich nicht fehlen. 

4. Ein Plus für den Band-Lebenslauf

Insbesondere bei jungen Bands ist ein Auftritt als Vorband einer größeren Band ein gern genutzter Qualitätsnachweis. Fast in jedem Lebenslauf einer aufstrebenden Band ist daher zu lesen, für wen die Band schon als Support aufgetreten ist. Die Nennung vermittelt: Ob Konzertagentur oder Hauptact - jemand glaubt an die Band. 

Zudem hilft sie Außenstehenden, euren Stil besser einzuordnen – das ist also weit mehr als bloßes Namedropping. 

Selbstverständlich solltet ihr den Gig auch auf Social Media dokumentieren und mit eurer Community teilen.

Gleichermaßen Vor- und Nachteil: Kurze Zeit, um zu überzeugen

Naturgemäß fällt der Auftritt der Vorband deutlich kürzer aus als das Konzert des Main-Acts. Die normale Spieldauer als Support schwankt zwischen 20 und 45 Minuten, wobei 30 Minuten ein häufiger Standard sind.

Es ist richtig, dass kurze Auftritte Einschränkungen mit sich bringen. Die Herausforderung besteht darin, in kurzer Zeit das Publikum für sich zu gewinnen. 

Die Kürze des Auftritts muss aber nicht negativ sein. Sie zwingt zur Konzentration aufs Wesentliche: die besten Songs. 

Insbesondere für junge Bands mit wenig Material ist es vielleicht auch gar nicht schlecht, wenn der Gig nicht zu lange dauert. Gerade Bands mit wenig Repertoire profitieren davon, nicht krampfhaft ein 90-Minuten-Set füllen zu müssen.

Die Nachteile: Diese Probleme solltet ihr auf dem Schirm haben

1. Begrenzte Aufmerksamkeit

Das Publikum wartet in erster Linie auf den Main-Act. Viele kommen erst später, andere unterhalten sich lautstark. Das ist frustrierend, gehört aber zum Spiel dazu. Wer trotzdem souverän und professionell auftritt, kann selbst skeptische Zuhörer überraschen.

Es gibt aber Gelegenheiten, bei denen sich diese Situation umkehrt oder umkehren kann

  • Bei sog. Metal- oder Metalcore-Packages sind die teilnehmenden Bands vielleicht nicht gleichberechtigt, aber die Kluft ist nicht so groß wie in anderen Situationen. Auch das Publikum mag der Musik offener gegenüberstehen als üblich.
  • Ein bekannter und beliebter lokaler Act kann als Support so viele Zuschauer anziehen, dass sich der Gig als Vorband wie ein Headline-Konzert anfühlt.
  • Der Auftritt der Vorband ist so überzeugend, dass er den Main-Act in den Schatten stellt. Das ist selten, aber auch schon auf Arena-Bühnen passiert.

2. Schlechter Sound und wenig Licht 

In einer Sache sind sich Hauptband, Management und Tourneeveranstalter einig: Die Vorband sollte auf keinen Fall den Hauptact in den Schatten stellen. Um das sicherzustellen, ist der Sound der Vorband oft sehr viel schlechter als der des Hauptacts. 

Ein undifferenzierter, matschiger und häufig sehr leiser Sound sorgt dafür, dass die Performance der Vorband unterzugehen droht. Möglicherweise ist die für den Soundcheck bemessene Zeit zu kurz, um einen vernünftigen Sound zu erzielen. Oder der Sound ist überhaupt noch nicht korrekt eingestellt - entweder absichtlich oder aus Desinteresse.

Bei der Lichtshow werden die qualitativen Unterschiede zwischen Haupt- und Supportact noch deutlicher: Letztere haben oft ohne auszukommen - bei Open Air-Konzerten muss das Tageslicht genügen und bei Club- und Hallenshows steht nur das absolute Minimum an Lichteffekten zur Verfügung. 

Dieses Problem betrifft allerdings überwiegend große Hallen-, Arena- oder Stadionshows. In kleinen Clubs ist das Problem weitaus weniger ausgeprägt, weil dort in der Regel ein kollegialer Umgang herrscht. 

Zudem hat die Vorband in diesem Rahmen auch immer die Möglichkeit, einen eigenen Tontechniker mitzubringen, wenngleich das natürlich weitere Kosten verursacht.

3. Unkollegiales Verhalten des Hauptacts

Oft besteht für Vorbands die Möglichkeit, mit den Hauptacts Bekanntschaft zu schließen (wenn sie nicht schon vorher bestand), Kontakte zu knüpfen und vielleicht sogar gemeinsame Projekte zu planen.

Es kann aber auch sein, dass die Hauptband mehr oder minder freundlich Distanz zu ihrem Support hält und sie vielleicht sogar ganz meidet. In diesem Fall gibt es wenige andere  Möglichkeiten, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. 

4. Bezahlter Support: der Buy-In

Tatsächlich ist es nicht erst seit gestern üblich, dass Hauptacts von der Vorband sogar Geld verlangen, damit sie beim Konzert oder der Tour dabei sein dürfen. Logischerweise ist von Gage gar keine Rede mehr. 

Die Logik lautet folgendermaßen: "Wenn ihr von unserer Fanbase profitieren wollt, dann kostet das." In der Regel handelt es sich um Beträge von mehreren hundert Euro. Ob ein Act gewillt ist, diese Summe für einen Support-Slot zu zahlen, ist eine Entscheidung, die jeder selbst treffen muss.

Aber selbst bei Verpflichtungen, bei denen diese fragwürdige Praxis nicht zum Einsatz kommt, gilt: Die Gagen als Vorband sind gering und selbst für größere Gigs sind nicht mehr drin als einige hundert Euro. In allen Fällen solltet ihr die Vereinbarung schriftlich dokumentieren.

Ein Auftritt als Vorband ist kein Selbstläufer – aber fast immer eine Erfahrung, die euch weiterbringt. Selbst wenn der Sound mies, das Licht dürftig und die Gage bescheiden ist: Ihr gewinnt Bühnenerfahrung, Sichtbarkeit und Kontakte. Und genau das kann langfristig entscheidend sein, um den nächsten Schritt als Live-Act zu machen.

Welche Erfahrungen als Vorband habt ihr gemacht? Welche denkwürdigen Support-Auftritte sind euch im Gedächtnis geblieben? Sagt es uns in den Kommentaren!

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