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Zehn kleine Tricks, damit der Funke wieder zündet

Was tun bei einer Schreibblockade? So überwindest du dein kreatives Loch

Tipps für Musiker und Bands von Doktor Nic
veröffentlicht am 20.11.2018

songwriting ideenfindung

Was tun bei einer Schreibblockade? So überwindest du dein kreatives Loch

Was tun bei einer Schreibblockade?. © tiagozr / 123RF Stockfoto

Kennst du das? Du bist Musiker oder Musikerin und willst jetzt einen Song schreiben, das Label sitzt dir im Nacken oder du brauchst unbedingt noch einen Titel für das schon gebuchte Studio – und dir fällt nichts ein. Was tun? Hier findest du Tipps, die gegen solch eine Schreibblockade helfen können.

Sitzt du gerade zuhause und regst dich darüber auf, dass du gerade neues Material schreiben möchtest, es aber einfach nicht gelingen will? Dann musst du dir zu Beginn erst einmal darüber klar werden, wieso du gerade jetzt einen Song schreiben möchtest, obwohl es doch offensichtlich nicht funktioniert.

1. Versuche es später noch einmal

Hast du nur ein Riff, eine Melodie oder sonst etwas im Kopf, und schaffst es nicht, darauf aufzubauen? Dann nimm deine Idee auf, warte ab und probiere es zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal. Oder gib es deinen Bandkollegen, wenn vorhanden. Die hören den Song ganz anders als du, vielleicht sogar besser – und können ihn im besten Fall sofort fortführen.

2. Bleib geduldig!

Wenn du einfach nur da sitzt, weil du dir gerade gedacht hast "So, jetzt schreibe ich einen Song!", dann höre am besten gleich wieder auf. Das bringt gar nichts. Wenn du (einigermaßen) kreative Musik machen willst, kannst du diese in den seltensten Fällen erzwingen.

Bleib stattdessen geduldig. Albumproduktion im Nacken? Keep cool. Beziehungspartner einen Song versprochen? Keep cool. Es hilft nichts, wenn der Song, den du unter Zeitdruck schreibst, Mist ist.

3. Musik aus!

Jeder lässt sich von bereits bestehender Musik inspirieren. Und jeder klaut, unbewusst oder bewusst.

Um aber zu vermeiden, dass du unbewusst zu sehr abkupferst, höre ein paar Stunden vor und vor allem während deiner Session keine fremde Musik mehr. Was dann nämlich passiert ist, dass du entweder eine bestimmte Melodie im Kopf hast oder den Anspruch an dich selber stellst, einen Song zu machen, der "im Prinzip genauso ist". Du musst aber deine eigene Art finden, Songs zu schreiben.

Ich würde auch gerne klingen wie meine Idole. Tue ich aber nicht, ich klinge wie ich und das ist schon okay so.

4. Computer aus!

Netflix, Facebook und dein Email-Postfach sind wunderbare Zeitfresser. Außerdem lassen sie dich abstumpfen. Wenn deine Musik nicht gerade von der medialen Dauerrotation inspiriert sein soll, bleiben Laptop, TV und Handy ausgeschaltet.

Das kommt dir erst einmal komisch vor, aber wenn du dich mental auf deinen Arbeitsprozess eingestellt hast, dann kommen die Ideen viel natürlicher. Oder konntest du damals noch konzentriert lernen/arbeiten, wenn du in der Mittagspause Rosanne geguckt oder World of Warcraft gespielt hast?

Social Media hat weiterhin den Effekt, dass du nicht nur ablenkt wirst, sondern sich auch dein Verstand langsam auf die minimalste Aufmerksamkeit zurückstellt. Soziale Medien machen müde und aufgekratzt zugleich, und das ist für kreative Prozesse pures Gift. Lass es einfach sein und sieh, was dein Hirn in so einer Internet-Pause so alles leistet.

5. Atmosphäre ist ein Mythos

Ich lese oft, dass für den Songwriter die Atmosphäre stimmen muss. Von "Ein gutes Glas Wein im Kerzenschein" über "Draußen in der Natur sitzen" bis "Bei Beziehungskrach schreibe ich die besten Songs" – all das ist Unsinn. In Wahrheit kommen die besten Songideen zu den unmöglichsten Zeiten:

Autobahn, Schwimmbad, Aldikasse, Bahnhofsklo. Super.

Die positiven oder negativen Umfelder, die ich oben beschrieben habe, sind keine Vibes, die man sich schafft. Sie sind Gefühle, die der Inspiration dienen.

Wenn ich einen Song über Liebeskummer schreibe, dann habe ich eine Grundidee, was ich schreiben möchte. Diese Idee kommt im Moment der Inspiration, in diesem Fall das Verlassenwerden. Die Inspiration, wie ich etwas sage, kommt meist später – immer dann, wenn ich mich nicht dazu zwinge, jetzt sofort eine gute Metapher zu finden.

Tut man das, schreibt man in der Regel Dinge wie "Dein Herz ist aus Eis" oder "Deine Liebe ist eine Droge". Herzlichen Glückwunsch, du hast gerade einen Song aus den 70ern geschrieben.

6. Trau dich was!

Viele Schreibblockaden werden dadurch ausgelöst, dass du mit deiner Musik eine bestimmte Linie fährst, von der du dich früher oder später entfernst. Dazu kann ich nur sagen: Trau dich, dich von Konventionen zu lösen.

Zu oft haben wir Angst, wir könnten, wie viele namhafte Künstler vor uns, mit einem leichten Richtungswechsel unsere Fans verprellen. Genauso könnte uns aber auch die Angst jagen, dass wir uns nie weiterentwickeln und immer nur das selber Album schreiben.

Meine Musik war zum Beispiel lange Zeit eher düster, "moll-ig". Nach drei Platten hatte ich das Bedürfnis, mich zu verändern. Meine Band und ich waren keine verbitterten Teenager mehr, wenn überhaupt dann verbitterte Erwachsene. Wir brauchten etwas neues, und so fingen wir an, heller klingende Lieder zu komponieren.

Diese neue Herangehensweise war ungewohnt, hat mir im Songwriting aber so viele Möglichkeiten eröffnet, meine eigene Musik aus meiner eigenen Schublade zu holen. Gleichzeitig bedeutete es, dass meine Musik weniger "edgy", weniger komplex wurde. Das musste ich mich trauen, genauso, wie andere Bands es sich trauen, sich dem Pop-Appeal durch ungewöhnliche Akkorde und Akkordfolgen zu verweigern.

7. Hole dir Hilfe wenn nötig – und verzichte im richtigen Moment auch darauf

Wie oft hatte ich diese Situation: "Lass uns mal zusammen einen neuen Song schreiben!"

Das funktioniert jedoch nur, wenn man auf einer Wellenlänge ist. Wenn du eine Person gefunden hast, die dich perfekt im Songwriting ergänzt, dann lass sie nie wieder gehen. Ansonsten kann das gemeinsame Songwriting aber auch ganz schön in die Hose gehen.

In der Regel solltest du Bandmember oder Produzenten nur dazu holen, wenn du wirklich nicht mehr weiter weißt mit deiner Songidee. Probiere es ansonsten erst einmal alleine. Umgekehrt solltest du aber auch nicht um Hilfe verlegen sein.

8. Akzeptiere, wenn etwas nicht gut ist

Extrem wichtig ist, dass du ehrlich zu dir selbst bleibst und Kritik, auch deine eigene, annimmst!

Wenn das alles mies ist was du geschrieben hast, oder geklaut oder langweilig oder zu heftig oder einfach nicht cool, dann musst du das hinnehmen und weitermachen. Ich will gar nicht wissen wie viele schlechte Songs die ganz Großen schon geschrieben haben. Viele machten da auch keinen Hehl draus und veröffentlichten trotzdem allen Unsinn, der aus ihren Fingern kam.

Die meisten Künstler haben aber die Angewohnheit, unbedingt ihre Ideen in einer Band durchboxen zu wollen. Kreativität ist aber auch ein Prozess und Musik ein geistiges Produkt, an dem im Zweifel auch noch mehrere Leute beteiligt sind.

Dein Basslauf kann noch so cool sein, wenn er den Song kaputt macht, muss er halt weg. Dein Text kann noch so aussagekräftig und relevant sein, wenn er voller klischeehafter Bildsprache und Haus-Maus reimen steckt, ist er eventuell verbesserungswürdig. Hör ruhig mal auf andere.

9. Bleib ruhig!

Schlussendlich ist es aber immer noch das beste Ruhe zu bewahren und sich von der eigenen Schreibblockade nicht unterkriegen zu lassen.

Alle Hausmittelchen, Drogen, Thesauri, Reimbücher, Youtube-Tutorials on how to write a folk song, Yoga-Übungen und Mantras bringen absolut nichts, wenn der Kopf eben nicht möchte. Oder die Seele.

Kreativität und Inspiration sind sowieso nicht synonym zu sehen und wenn du selbst nicht den Anspruch an dich stellst, einen Song fertig zu schreiben, wenn DU das willst, sondern bereit bist, wenn der SONG das will, gehst du auch gechillter mit deinem eigenen Songwriting um.

10. Hab immer einen Stift am Start

Der absolute Hexen-CIA-Illuminati-Geheimtipp: hab doch einfach immer 'nen Stift am Start.

Nutze auch dein Handymikro für spontane Gesangs-Notizen, programmiere ein paar Akkorde in eine App oder bespiele die Memofunktion. Am einfachsten jedoch ist der Stift. Und vielleicht ein Bierdeckel.

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