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Effizienteres Komponieren

Fünf Tipps, um deiner Kreativität beim Songwriting einen Schub zu geben

Tipps für Musiker und Bands von Axel Winkler
veröffentlicht am 03.02.2015

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Fünf Tipps, um deiner Kreativität beim Songwriting einen Schub zu geben

Tipps für Songwriting und Ideenfindung. © Axel Winkler

Das wohl Nervigste, was einem Musiker passieren kann, ist die Phase der absoluten Un-Kreativität. Songwriting und Ideenfindung ist ein Thema, das von jedem unterschiedlich angegangen wird, aber es gibt Kniffe, die bei der Mehrheit funktionieren. Wir zeigen euch einige dieser Möglichkeiten auf, um schnell wieder den Ausweg zu finden.

Man dreht sich ständig im Kreis… Alles „kling ja fast wie jener Song!“. Puh, da macht sich kreative Erschöpfung breit. Der gegenteilige Fall tritt ein, wenn man nicht weiß, wie man sich durch einen angewachsenen Ideen-Berg arbeiten soll…

Aber worum geht's eigentlich bei Songwriting und Komposition? Wenn man in der Musikgeschichte zurückblickt und die Klassik betrachtet, fallen Namen wie Mozart, Haydn und Beethoven. Auch diese Herrschaften standen vor der Aufgabe, einzigartige Musik zu schreiben. Schon damals galten ihre Stücke als Meisterwerke – und sie haben bis heute überdauert. Nüchtern betrachtet komponierten alle drei für dieselbe Musikstilistik – aber jeder auf eine besondere Art und Weise.

Es geht nicht darum, einen komplett neuen Musikstil aus dem Boden zu stampfen.

Genau das ist der Trick. Es geht eben nicht darum, einen komplett neuen Musikstil aus dem Boden zu stampfen. Sowas entwickelt sich in vielen Stufen über mehrere Jahrzehnte. Aus diesem Blickwinkel betrachtet:

Beim Songwriting kommt es darauf an, Noten in einer passenden Struktur und einem Genre zusammenzufügen, welche beim Hörer eine subjektive und emotionale Wahrnehmung auslöst, die ihn überwältigt und fesselt. Es ist natürlich ein kleines Zauberhandwerk, dies mit einem selbst geschriebenen Stück zu erreichen. Wenn ihr ein favorisiertes Genre spielt, sollte deshalb immer „das gewisse Etwas“ hinzugegeben werden. Genau dieses entwickelt sich mit der Zeit und Übung. Selten landet man als Band mit den ersten Songs eine dermaßen überzeugende Geschichte, dass jeder auf der Welt danach schreit.

1. Neue Spieltechniken erlernen und ausprobieren

Das, was jedem Musiker frischen Wind in die Ideenkiste pustet, ist auf jeden Fall das Ausprobieren neuer Spiel- und Gesangstechniken. Nichts wirkt belebender, als eine neu erlernet Art, sein Instrument oder seine Stimme zu beherrschen, um dem noch interessantere Töne zu entlocken.

Wenn auf der Gitarre immerzu Powerchords gespielt werden, dann stößt man doch relativ schnell an seine Grenzen. Daher solltet ihr euch in regelmäßigen Abständen auch andere Spielweise aneignen. Damit bleibt man auf längere Zeit gesehen motivierter und hat immer etwas zu tun.

Doch Vorsicht: Heute den Solo-Part doppelt so schnell spielen können wie gestern, ist eine Illusion. Wenn ihr euch für eine Technik näher interessiert könnt ihr nach folgendem SMART-Prinzip vorgehen. Das heißt, das Erlernen sollte spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert sein. An einem konkreten Beispiel skizziert: „Die kommenden vier Wochen übe ich jeden Tag eine Stunde lang genau diese Technik. Ich beginne so langsam wie möglich und steigere mich in minimalsten Schritten zum gewünschten Tempo. Außerdem möchte ich, dass ich besonders präzise und exakt die Noten treffe, ohne dabei ungewollte Nebengeräusche zu erzeugen.“

2. Auf die eigene körperliche und mentale Verfassung achten

Nach stundenlangem Probieren ergibt sich einfach nichts mehr und der Kopf ist schlichtweg überfordert. Daher macht es absolut Sinn, ab dem Moment eine Pause einzulegen, ab dem nichts mehr geht. Raus an die frische Luft oder eine halbe bis ganze Stunde Sport treiben: Das belebt den Geist und bewegt den Körper. Zu langes und monotones Stehen oder Sitzen beansprucht den Körper– wie allgemein bekannt ist – im negativen Sinne.

Eine Pause macht auch dann absolut Sinn, wenn man schon seit fünf Tagen an einem Song herumbastelt. Es wirkt doch oft wahre Wunder, wenn das Instrument auch mal zwei Tag ruht und man sich einer anderen Sache widmet. Ein einfaches Beispiel aus der Schulzeit: Eine wirklich schwierige Aufgabe aus der Mathematik nervt über zwei Tage hinweg und man kam einfach nicht auf die Lösung. Einen Tag pausiert, nochmals versucht und siehe da: Die Lösung war einfacher, als gedacht. Vor lauter Überstrapazieren bemerkt man gar nicht, wie man sich einschießt und nicht mehr aus der Mühle herauskommt, welche einem immer dieselben Resultate liefert.

3. Mit anderen gemeinsam komponieren und jammen

Oft entstehen super Ideen, wenn sich mehrere Musiker zusammenschließen und an einem Einfall schrauben. Daher gibt es unter anderem die berühmte Konstellation der „Band“. „Gemeinsam statt einsam“ ist nicht nur für den Spaß und die Geselligkeit positiv, sondern schlussendlich auch für das Endprodukt.

Es ist offensichtlich, dass aus einer Song-Idee, die von nur einer Person entwickelt wird, etwas komplett anderes entsteht, als wenn noch vier andere ihre Meinungen, Ansichten und Vorstellungen einbringen. Schließlich kommt es sehr wahrscheinlich vor, dass einem die gemeinsame Version doch besser gefällt als jene, welche man Zuhause im stillen Kämmerchen geschrieben hat. In diesem Zuge sei selbstverständlich auch das „Jammen“ genannt. Es hilft, sich mit Musikern zu treffen, die eine ungefähre Vorstellung haben, was und wie ein bestimmer Stil gespielt wird. Dann geht’s los. Während des Spiel ist man doch relativ frei und kann probieren. Durch Zufall generiert sich eine Sache, auf die man nie im Leben gekommen wäre. Grund dafür sind verschiedene Umstände, jedenfalls nicht alleine im Zimmer zu sitzen und zu tüfteln.

Oh, und das habt ihr bestimmt alle schon mal erlebt: Unerwartet läuft eine Jamm-Session wunderbar. Seit 20 Minuten wird gespielt und gespielt und es fühlt sich so an, als würden alle genau diese Art von Song schon ewig kennen. Schlichtweg: Es ist atemberaubend! Nach epischen 25 Minuten erklingt der letzte Ton. Wow! Begeisterung pur. Nun fällt eine der berühmten Fragen wie: „Hey, sag mal ... was hast du da ungefähr bei der Hälfte des Jams gespielt?“ Antwort: „Öhm, keine Ahnung. Das hier? – Ach nein, das war was anderes. Verdammt, ich weiß es nicht mehr!“ Enttäuschung macht sich breit und eine gute Idee geht verloren. Aus solchen Situationen lernen und als logische Schlussfolgerung: Die nächste Session aufnehmen. Mittlerweile kann jedes Smartphone eine relativ akzeptable Aufnahme liefern. Es dreht sich grundlegend nicht um die Soundqualität, sondern um das Wiedererkennen von Melodien. Selbstverständlich macht es mehr Sinn, sich ein professionelleres und dafür ausgelegtes Gerät wie einen Pocket-Recorder zu besorgen. Das eröffnet einem weitaus mehr Möglichkeiten, als ein einfaches Mobil-Telefon.

4. Mit den Möglichkeiten der Notation experimentieren

Kennt ihr noch die Old-School-Variante einen Song zu „schreiben“ ? Wie der Name schon sagt, nimmt man Stift und Papier zur Hand und notiert. Das klingt etwas zu einfach, aber oftmals hilft es, von einem Gewohnheits-Medium, wie zum Beispiel dem erwähnten Pocket-Recorder, zu einem anderen zu wechseln, selbst wenn es nur mal für ein Stück ist.

Modernere Varianten sind selbstverständlich das Home-Recording über den Computer, welches einem zusätzlich die Option eröffnet, eine Melodie fix einzuspielen und das Endprodukt an weitere Personen über das Netz zu versenden. So kann man als Band, welche geografisch zerstreut ist, auf recht simple Weise Songs kreieren. Damit einhergehend könnt ihr auch auf das allzeit beliebte Programm „Guitar Pro“ zurückgreifen, welches sich als Notations-Tool hervorragend eignet. Wer gerade nicht ausreichend Geld in der Tasche hat, kann alternativ auf die kostenlose und ebenso gute Version „TuxGuitar“ zurückgreifen.

5. Den Inspirationsfluss anregen

Songs entstehen nicht, indem man Zuhause sitzt und darauf wartet, dass einem etwas brauchbares einfällt. Kein Muss – aber was man als Musiker in der Regel immer machen sollte: Viel Musik hören. An dieser Stelle sei betont, dass das Genre vor allem unterschiedlich sein sollte. Auch dies ist keine Pflicht, denn südamerikanischer Electro-Pop mit dadaistischen Elementen und Texten über Marihuana-Konsum ist nun mal nicht jedermanns Sache. Es unterstützt dennoch die Auffassung von Musik, wie sie noch gespielt, interpretiert und dargestellt werden kann. Wer sich die letzten 20 Jahre auf drei Künstler beschränkt hat und nichts anderes an sich heranlässt, wird früher oder später genauso klingen, aber nicht einzigartig werden oder geschweige denn erfolgreich sein, da es die Version schon in „besser“ gibt.

„Musiktheorie und Notenlesen interessiert mich nicht! Ich will spielen und Musik machen und mich nicht mit solchem Kram beschäftigen!“ Nun, das ist freilich völlig akzeptabel. Notenlesen ist nicht für jedes Genre dieser Welt erforderlich. Musiktheorie im Allgemeinen und die Harmonielehre sollte man sich dennoch einmal anschauen, denn auch der Powerchord der Pop- und Rock-Musik basiert auf einer Theorie und einem System, welches zu funktionieren hat und dem auch nachkommt. Wer sich öffnet und sich auf diesen Themenbereich einlässt wird schnell feststellen, dass manche Dinge auf einmal viel mehr Sinn ergeben und man versteht, warum gewisse Gegebenheiten in der Musik überhaupt ineinander passen. Schneller als gedacht beginnt man eine Komposition mit mehr Verständnis. Selbstverständlich gehört hier auch die Songstruktur dazu, welche absolut nicht die dieselbe zu sein hat, wie jene, die ihr schon immer geschrieben habt.

Vielleicht beginnt ja genau hier der erste Schritt für euch. Gebt dem Ganzen doch einfach mal einen Versuch.

Ihr seid gefragt

Wie geht ihr an das Songwriting an? Kommen euch einige unserer Vorschläge bekannt vor oder ist das alles Humbug? Lasst es uns hier in den Kommentaren wissen!

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