Negative Energie in positive verwandeln
Wie du Neid als kreative Kraftquelle nutzen kannst: 3 Praxis-Tipps für Musiker und Musikerinnen
© Vidar Nordli-Mathisen
Musik ist Leben, Liebe und Leidenschaft. Musik verbindet oft Menschen, kann aber auch spalten, vor allem dann, wenn negative Gefühle ins Spiel kommen. Ein solches Gefühl ist Neid auf den Erfolg oder die Fähigkeiten anderer Musikerinnen und Musiker. Doch Neid muss nicht rein destruktiv oder negativ sein. Neid kann sogar motivierend wirken. Es kommt nur darauf an, was du daraus machst.
1. Setze die Scheuklappen auf
Egal, ob musikalisch aktiv oder nicht: Wir alle sind hin und wieder neidisch. Das ist menschlich. Gleichzeitig ist Neid als Emotion ziemlich komplex. Beispielsweise entsteht er besonders oft, wenn du dich mit deinem nahen Umfeld vergleichst und dabei - zumindest gefühlt - den Kürzeren ziehst.
Der Vergleich ist hier der Knackpunkt. Ohne ihn hättest du keinen Grund, neidisch zu sein. Oder? Du würdest einfach dein Ding machen. Vergleichst du dich oft mit anderen und fühlst dich dadurch schlechter? Dann setze regelmäßig die Scheuklappen auf.
Sprich: Meide bewusst Situationen oder Umstände, in denen du dich mit anderen vergleichst. Social Media stellt dafür ein hervorragendes Beispiel dar. Dort werden dir besonders gerne die Schokoladenseiten des (musikalischen) Lebens präsentiert.
Kreative Krisen oder der Schmerz des Scheiterns spielen in den Netzwerken hingegen kaum eine Rolle oder werden sogar aktiv verschwiegen. Trotzdem ist das Gras auf der anderen Seite nicht grüner, auch wenn die passende Social-Media-Strategie den Anschein erweckt. Aber was, wenn du deine Neid-Auslöser nicht vermeiden möchtest oder kannst?
2. Akzeptiere, was ist
Sei dir bewusst: Wenn du neidisch bist, dann ändert sich nichts. Zumindest für die beneidete Person oder Band. Für dich ändert sich aber schon etwas. Nämlich die Art, wie du deine Zeit verbringst. Was wirst du machen? Die Sache ist die: Wut, Trauer oder Demotivation sind besonders häufige Zutaten im Neid-Cocktail. Den trinkt immer die Person aus, die neidisch ist. Die Gefühle anderer Menschen kann nämlich niemand lenken - zum Glück. Natürlich verbessert auch zum Ausdruck gebrachte Missgunst, Hate, nichts.
Im Gegenteil: Wer von Hass zerfressen ist, projiziert die eigenen, schlechten Gefühle in Bezug auf sich selbst auf andere. Was also tun? Im Endeffekt hast du zwei Möglichkeiten. Du kannst etwas an der Situation ändern, wenn du darunter leidest, oder du kannst sie akzeptieren. Aber wie?
Die Lösung besteht darin, dich selbst so zu behandeln, wie du von anderen behandelt werden möchtest. Wer mit sich im Reinen ist, sich respektiert und ehrlich lieben kann, braucht kaum neidisch zu sein. Warum auch?
Natürlich ist das viel leichter geschrieben als getan. Es geht aber auch nicht um Perfektion. Vielmehr geht es darum, freundschaftlich mit den eigenen Gefühlen existieren zu können. Es geht um Selbstliebe. Die wenigsten Menschen werden niemals neidisch sein. Doch die meisten Menschen können damit beginnen, sich selbst besser zu behandeln. Egal, ob Musiker oder nicht.
3. Sei lieb zu dir
- "Wie kann man nur so blöd sein und diesen einfach Part nicht hinkriegen?"
- "Du schimpfst dich musikalisch? Das ist doch ein schlechter Witz."
- "Aus dir wird nie etwas. Du klingst mies. Nein. Du bist mies! Mach dir nichts vor."
Was nach einem Bilderbuch-Hater klingt, spielt sich in den Köpfen vieler Musiker ab. Sie selbst kritisieren sich härter, als es eine andere Person je könnte - und das oft in Dauerschleife. Wenig überraschend, dass Musizieren so deutlich weniger erfüllend ist.
Höre dir also selbst aufmerksam zu. Wie sprichst du mit dir? Ermutigend wie deine Lieblingslehrkraft? Oder eher so, als wärst du dein ärgster Feind?
Die Qualität deines inneren Dialogs spielt eine wichtige Rolle, wenn du kreativer sein möchtest. Beschimpfst du dich selbst, dann hemmt das. Achte unbedingt auf deine Worte! Nach außen, aber vor allem auch im Inneren.
Einmalig, aber trotzdem nicht alleine: So bist du
Wenn Menschen zusammenkommen, sind Gefühle im Spiel. Manche dieser Emotionen sind himmlisch, andere angsteinflößend. Neid? Er kann beides sein: Fluch, wenn du dich von ihm herumschubsen lässt. Und Segen, wenn du ihn als das siehst, was er letztlich ist. Dein Neid zeigt dir nämlich, dass du gerne etwas hättest, was jemand anderes schon hat. Frage dich also nicht, warum er oder sie "dein" Ding besitzt. Das kannst du kaum beeinflussen. Frage dich lieber, was du aus den Erfolgen anderer für dich als Musiker mitnehmen kannst:
Du wärst gerne kreativ wie Person XYZ? Dann finde heraus, was Person XYZ dafür getan hat. Du hättest gerne mehr musikalisches Glück? Dann frage dich, wie du Fortuna auf die Sprünge helfen kannst. Du würdest gerne komplexere Rhythmen spielen? Dann schau dir auf die Finger und überlege, was du aktiv dafür machen kannst.
Andere mögen schöner, schlauer, reicher oder in irgendeiner Sache besser als du sein. Doch eine Sache, die kannst nur du: Du sein. Das zu erkennen, ist der wahre Turbo für mehr Kreativität. Denn sie beschreibt im Grunde genommen ja nur, bereits vorhandene Dinge neu zusammenzusetzen. Du bist ganz neu und einmalig auf dieser Welt. Das muss selbst der lauteste, innere Kritiker anerkennen. Oder?
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