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Wie verdiene ich als Musiker Geld mit Patreon – und ist OnlyFans eine Alternative?

Spezial/Schwerpunkt von Karla the Fox
veröffentlicht am 17.08.2021

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Wie verdiene ich als Musiker Geld mit Patreon – und ist OnlyFans eine Alternative?

Vor Fans auf der Bühne stehen ist das Beste, aber wie gelingt es Künstlerinnen und Künstlern, im digitalen Raum Einnahmen zu erzielen?. © Pixabay via Pexels

Der US-amerikanische Webdienst Patreon ermöglicht die direkte Finanzierung von Künstlerinnen und Künstlern durch deren Fans. Wir zeigen, wie die Plattform funktioniert, wie du sie nutzen kannst und was es mit OnlyFans als zwiespältige Alternative auf sich hat.

Die Lage des Veranstaltungsmarktes bleibt auch im zweiten Jahr der Coronavirus-Pandemie schwierig bis verheerend. Auch unzählige Künstlerinnen und Künstler, die auf die Einnahmen aus dem Live-Geschäft angewiesen sind, sind von der Pandemie und den Maßnahmen zu deren Bekämpfung betroffen.

Gerade jetzt ist es daher umso wichtiger, dass Musikerinnen und Musiker ihr Einkommen unabhängig von Kartenverkäufen und Live-Begegnungen mit Fans erzielen können. Können Plattformen wie Patreon – und neuerdings auch OnlyFans – dabei helfen?

Das Konzept von Patreon

Patreon ist fraglos der bekannteste Social Payment-Serviceanbieter. Social Payment bedeutet, dass sich jeder Kreative von seinen sozialen Kontakten beziehungsweise Fans auf freiwilliger Basis bezahlen lassen kann.

Der Service wird hauptsächlich von Kreativen wie YouTubern und Videoproduzenten, Podcastern, Videospieldesignern, Malern, Autoren oder eben Musikern genutzt. Theoretisch kann aber jeder einen Creator Account auf Patreon erstellen, unabhängig davon, was er oder sie kreiert.

Von einer Crowdfunding-Plattform unterscheiden sich Patreon und verwandte Plattformen dadurch, dass die Förderung nicht auf ein Projekt – also beispielsweise ein Videospiel oder Musikalbum, einen Film oder eine Tournee) beschränkt ist, sondern solange andauert, wie der Fan zu zahlen bereit ist. 

Vielfältige Belohnungen

Die Mitwirkungsmöglichkeiten auf Patreon sind vielfältig und grundsätzlich in den Händen der Künstlerinnen und Künstler. Der oder die Kreative stellt verschiedene Angebotspakete zusammen, die dann von zahlenden Followern gekauft oder abonniert werden können.

Meistens gibt es zwei bis fünf verschiedene Level, vereinfacht gesagt vom einfachen Fan bis zum Superfan. Für 5 Euro pro Monat erhält der Fan dann beispielsweise News früher als der Rest der Welt oder erlangt Zugriff auf exklusive Inhalte wie Musik oder Videos.

Für 10 Euro können Fans beispielsweise an Livestreams teilnehmen oder einen Online-Konzertstream ansehen. Für 15 Euro erhalten sie zu jedem Release physisches Merch wie Poster, T-Shirts oder andere Goodies. 

Mitwirkung und Feedback

Premium-Fans, die noch mehr zahlen, erhalten möglicherweise sogar das Recht zur Mitwirkung am kreativen Prozess. Sie können die Möglichkeit erhalten Demos zu hören, über Songtitel abzustimmen oder das Artwork der nächsten Veröffentlichung mitzugestalten.

Das alles liegt freilich in der Hand der Künstlerinnen und Künstler. Wer gar keine Ahnung hat, was er seinen Fans zukommen lassen soll, kann sich auf dem offiziellen Patreon-Blog die Top 10 Benefits ansehen, die Musiker ihren Fans zukommen lassen.

Weitere Möglichkeiten

Übrigens ist es bei Patreon auch möglich, kostenlose Abos anzubieten. Es kann auch erfolgreich sein, geringe Beiträge ab 1 Euro pro Monat zu erlauben, um einer möglichst großen Gruppe von Fans zu erlauben, ihre Lieblingskünstlerinnen und -künstler zu unterstützen.

Alternativ erlaubt Patreon eine Bezahlung pro Kreation, nicht pro Monat. Das hat den Vorteil, dass  Künstlerinnen und Künstler weniger regelmäßig neue Inhalte liefern müssen, um Fans bei Laune zu halten.

Für diese Beträge erwarten die Fans aber auch Nahbarkeit und Interaktion. Patreon ist definitiv keine Plattform für Musiker und Musikerinnen, die den direkten Kontakt zu Fans scheuen oder ihren kreativen Prozess möglichst geheimhalten wollen. Schließlich zahlen die Fans jeden Monat Geld und wollen dafür eine Gegenleistung erhalten.

Und die Kosten?

Patreon behält von allen Käufen eine Provision ein. Für die Creators ist die Nutzung also kostenlos, dafür behält Paetron einen Abschlag von den Zahlungen der Fans ein. Dieser beträgt zwischen 5 und 12 Prozent und richtet sich nach dem Service-Package, das der Creator von Patreon haben möchte.

Wer ausreichend "Patrons", also Unterstützerinnen und Unterstützer sammelt, kann ein unabhängiges, regelmäßiges Einkommen erzielen. Die Fans werden derweil in einen inneren Kreis hineingelassen und stehen in näherem Kontakt zu Künstlern und anderen Fans. Das macht den Reiz aus, erfordet es aber auch, dass Künstlerinnen und Künstler die Plattform ständig mit Inhalten bespielen.

Fans werben

Jeder Creator verfügt über ein Profil mit Beiträgen und sammelt Follower, weshalb Patreon Ähnlichkeiten mit anderen Social Media-Plattformen besitzt. Aber einen Feed mit Vorschlägen, was dem User noch gefallen könnte, gibt es nicht, weshalb der User oder die Userin direkt nach dem Lieblings-Act suchen muss. Dadurch besteht die Notwendigkeit, auf anderen Kanälen auf den Patreon-Account aufmerksam zu machen.

Die beste Methode dafür ist, die Mitgliedschaft zwar dauerhaft und auf allen Kanälen, aber zugleich unaufdringlich zu bewerben – zum Beispiel, indem die Patreon-Seite immer wieder aktiv genannt wird. Alternativ können Künstlerinnen und Künstler Hinweise auf ihrer Website sowie in ihren Social-Media-Profilen oder als Zusatz in ihren Posts einfügen.

Die Möglichkeiten reichen von der Verwendung in den Beschreibungen von Musikvideos, Hinweisen auf Postkarten in Fanartikelsendungen bis zu Flyern und dem Band-Blog – und grundsätzlich allen Orten, wo man Fans erreichen kann.

Einfach ausprobieren

Grundsätzlich muss natürlich jeder Kreative wissen, ob er über genügend und vor allem ausreichend engagierte Fans verfügt, damit sich ein Versuch bei Patreon lohnt. Möglicherweise geht die Idee sogar von den Fans aus.

Es ist jedenfalls kein Fehler, es einfach mal zu probieren und sich dabei von den Angeboten und Strategien anderer inspirieren zu lassen. Die Rewards der einzelnen Level können später immer noch geändert oder erweitert werden.

Wichtig ist zu verstehen, was die Fans an deiner Kunst schätzen und was sie gerne finanziell unterstützen möchten. Regelmäßiger Content ist ein Muss, aber eine Pause ist auch kein Problem, solange sie klar kommuniziert wird.

Wer aber nichts veröffentlicht oder anbietet, muss damit rechnen, dass die User die Abos kündigen. Schließlich möchten die meisten für ihr Geld irgendeine Gegenleistung.

Pro und contra

Es wird immer wieder auch Menschen geben, die die Verwendung einer Seite wie Patreon als "Betteln nach Geld" betiteln. Kritiker sollten aber bedenken: Alles, was Künstlerinnen und Künstler bisher ohne zusätzliche Bezahlung angeboten haben, wird auch weiterhin verfügbar bleiben. Auf Patreon gibt es nur Leistungen, die darüber hinausgehen und außerdem arbeitsintensiv sind.

Als Gegenargument zur Kritik lässt sich zudem anbringen, dass die Unterstützung hilft, Kunst besser zu machen. Erfolgreiche Künstler auf Patreon erhalten mehr Zeit für ihre Projekte, da sie nicht anderweitig nach Jobs suchen müssen. Sie können in Technik und coole Designs investieren, mehr riskieren und sich unabhängiger von den Anforderungen des Mainstreams positionieren.

Schließlich erhalten sie direktes Feedback von den Fans, die auch gute Ideen und Vorschläge beisteuern können, auf die die Künstlerinnen und Künstler vielleicht nie gekommen wären.

Zu guter Letzt ist dies nur ein Angebot für die Fans, die es gerne möchten. Niemand wird gezwungen, mitzumachen. Es gibt übrigens einige weniger bekannte Alternativen zu Patreon wie Buy Me A Coffee, Liberapay oder die europäische Variante Tipeee.

Ist OnlyFans eine Alternative?

Auch OnlyFans könnte eine Alternatve sein. Die Plattform wurde 2016 gegründet und hat im Jahr 2020 rasant an Popularität gewonnen: Innerhalb eines Jahres hat sich die Nutzerzahl mehr als verdoppelt. Der Wert des Unternehmens ist auf über 1 Mrd. Dollar gestiegen. 

OnlyFans ist ähnlich aufgebaut wie Patreon: Das häufigste Modell besteht darin, dass User für jeden Account zahlen, dem sie folgen möchten. Als Grund für die explodierende Nutzerzahl wird der pandemiebedingte Lockdown gesehen.

OnlyFans gewann nämlich dadurch an Popularität, dass die Plattform "adult content" von Beginn an offenstand. Dabei half, dass die Plattform nur ab 18 Jahren und in Verbindung mit einer Kreditkarte zu benutzen ist.

Provokation als Strategie

Zahlreiche männliche und weibliche Pornostars besaßen und besitzen einen Account. Gerade diese waren während der Pandemie auf der Suche nach Einkünften, da die Produktion von Pornofilmen ebenso zum Erliegen kam wie die Produktion von Kinofilmen und Serien. OnlyFans erlaubt es ihnen, mit selbstproduzierten Pornos Einnahmen zu erzielen und sich eine Fanbase aufzubauen.

Manche Musikerinnen und Musiker nutzen den Hype und das provokante Image von OnlyFans und erstellten sich ebenfalls einen OnlyFans-Account. Einige bieten dort offenherzige Einblicke in ihr Sexualleben, andere nutzen ihn ähnlich wie Patreon und posten zum Beispiel Behind the Scenes-Fotos oder Videos. Vertreten sind unter anderem Cardi B, Tyga, Austin Mahone oder Aaron Carter. Auf dem Vormarsch sind hier also Artists aus Rap, Hip-Hop und Pop.

Mögliche Vorteile von OnlyFans

Ein Vorteil von OnlyFans gegenüber Patreon ist, dass Fans und Creators in privaten Chats miteinander kommunizieren können. Diesen Kanal können die Creator zum Verkauf von personaisierten Inhalten nutzen. So können Musikerinnen und Musiker diese Funktion nutzen, um beispielsweise persönliche Geburtstagsgrüße für Fans oder einen Song für sie einzusingen.

Noch heftet das pornografische Image an OnlyFans, doch der Webdienst möchte sich selbst davon entfernen und ansprechender für den Mainstream werden. Die Betreiber sind auf der Suche nach Sportlern, Filmstars und anderen Content Creators, die ihre Plattform nutzen sollen. Für den Image-Wandel lässt sich das Unternehmen beraten und ist auf der Suche nach Investoren, wie Bloomberg berichtet.

Solange der Imagewechsel nicht vollzogen und die Plattform noch sehr stark auf die USA ausgerichtet ist (es gibt beispielsweise keinen deutschsprachigen Support), ist es jedoch fraglich, ob sich der Versuch lohnt, als Musikerin oder Musiker aktuell eine OnlyFans-Community aufzubauen.

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