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Wurde Cascada auf frischer Tat erwischt? Und wie erkenne ich ein Plagiat?

Spezial/Schwerpunkt von Daniel Nagel
veröffentlicht am 22.02.2013

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Wurde Cascada auf frischer Tat erwischt? Und wie erkenne ich ein Plagiat?

Cascada live auf dem RPR1 Rheinland-Pfalz Open Air 2009. © Susann Heinrich

Cascada machte bisher die Schlagzeilen, doch jetzt decken wir eure Plagiate auf! Nein, machen wir nicht… Denn ob bei dem ein oder anderen Song tatsächlich unzulässiges Abkupfern vorliegt, ist gar nicht leicht zu klären. Welcher Musiker hat nicht selbst schonmal gedacht, dass ein fremdes Lied ihn an eine andere, eventuell sogar seine eigene Kompositionen erinnert? Wir stellen euch im Folgenden einige Varianten vor, mit denen Plagiate aufgedeckt werden sollen, darunter eine High-Tech-Lösung vom Fraunhofer Institut.

Kurze Zeit nachdem Cascada mit ihrem Titel Glorious den deutschen ESC-Vorausscheid gewannen, meldeten sich erste Kritiker zu Wort und erklärten das Lied kurzerhand zum Plagiat. Glorious weist in der Tat eine offensichtliche Ähnlichkeit zu dem letztjährigen Siegertitel Euphoria der schwedischen Sängerin Loreen auf.

Aber was ist überhaupt ein Plagiat und wie erkennt man es?

Ähnlichkeit macht kein Plagiat

Bloße Ähnlichkeit reicht für diese Feststellung bei weitem nicht aus, nötig ist vielmehr eine Übereinstimmung von Text, Melodie oder Harmonik. Besonders geschützt ist die Melodie. Denn anders als die übrigen Elemente eines Werkes darf sie nicht als Grundlage zur Schaffung einer neuen selbstständigen Komposition dienen. Das legt das Urheberrechtsgesetz in §24 fest.

Eine genau Beurteilung von Plagiatsvorwürfen ist in der Regel erst anhand des Notenbildes möglich. Letztlich entscheidet ein Gericht darüber, ob tatsächlich ein Plagiat vorliegt. Zur Klärung dieser Frage beauftragt es Musikwissenschaftler oder andere Sachverständige, die Gutachten anfertigen.

Darin setzen sich die Sachverständigen im Detail mit Ähnlichkeiten und Unterschieden von Kompositionen auseinander und kommen zu einer Beurteilung, die das Gericht zur Entscheidungsfindung heranzieht.

Musikwissenschaftliche Analyse

Kein Künstler schätzt es, wenn seine Arbeit von anderen ohne seine Zustimmung verwendet wird. Zudem stehen handfeste finanzielle Interessen im Raum. Es ist daher nützlich über Möglichkeiten zu verfügen, um Plagiate zu erkennen, ohne den teuren oder langwierigen Rechtsweg einzuschlagen.

Jeder kann sich an einen Musikwissenschaftler wenden und ihn bitten, ein Gutachten darüber zu erstellen, ob ein bestimmtes Lied ein Plagiat ist. Allerdings dürften die Kosten sich nur in seltenen Fällen lohnen. Daher sind Alternativen gefragt, die zumindest einen ersten Anhaltspunkt liefern.

Software erkennt Plagiate

Euphoria vs. Glorious: Vergleich im PlagiarismAnalyzer

Euphoria vs. Glorious: Vergleich im PlagiarismAnalyzer, © (Bild: Fraunhofer Institute for Digital Media Technology)

Das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie hat eine Software entwickelt, die beim Erkennen von Plagiaten hilft. Sie ermöglicht den direkten Vergleich zweier Musikstücke anhand von Melodie, Harmonien und Rhythmus. Nach Abschluss der Analyse erhält der Benutzer eine Prozentzahl, die ein Maß der Übereinstimmungen liefert. Mit der Plagiatssoftware lässt sich im Übrigen auch die Verwendung von Samples feststellen.

Im Fall von Glorious/Euphoria ergab die Analyse eine Übereinstimmung von lediglich 30%. Genretypische Ähnlichkeiten, die gerade im Dance-Pop sehr ausgeprägt sind, werden durch substantielle Unterschiede beispielsweise in der Melodieführung und Harmonik aufgehoben. Die Analyse ergab: kein Plagiat.

Möglichkeiten der Überprüfung

Die Plagiats-Software des Fraunhofer Instituts ist nicht käuflich zu erwerben. Allerdings ist es möglich beim Fraunhofer-Institut eine Analyse in Auftrag zu geben. Die Kosten dafür betragen nach Auskunft von Steffen Holly vom Fraunhofer-Institut mehrere hundert bis tausend Euro. Aus diesem Grund dürfte dieser Weg nur in Einzelfällen sinnvoll sein.

plagiat

Bild: Euphoria vs. Glorious – Vergleich der Refrains (Fraunhofer Institute for Digital Media Technology)

Es gibt allerdings eine Alternative, die zumindest eine erste Möglichkeit der Überprüfung bietet. Die Software Songs2See ist sozusagen ein Spin-Off der Plagiatssoftware. Eigentlich soll sie nicht der Suche nach Plagiaten, sondern dem Erlernen von Liedern dienen, die man in das Programm laden kann, um sie nachzuspielen.

Erste Eindrücke mit Songs2See

Ob zumindest ein vorläufiger Plagiatsverdacht besteht, kann man feststellen, indem man die entsprechenden Lieder nacheinander in das Programm lädt und die musikalische Struktur vergleicht.

Stellt man entsprechende Ähnlichkeiten fest, kann man sich an einen Anwalt wenden um festzustellen, ob sich eine weitergehende Analyse lohnt, so Steffen Holly. Mit Kosten von 19,90€ ist die Software erschwinglich, zumal sie dem Benutzer freie Benutzung für 30 Tage ermöglicht.

Am Ende entscheidet ein Mensch

Bei allem Vertrauen auf die Verlässlichkeit von Software, sollte man allerdings das Ergebnis der Analyse nicht überbewerten. Trotz aller technischen Hilfsmittel entscheidet letztlich ein Gericht – und damit Menschen – über die Frage, ob ein Plagiat vorliegt.

Das bedeutet, menschliches Ermessen spielt bei der Beurteilung immer noch eine wesentliche Rolle. Das menschliche Urteil kann man allerdings mit Software nicht simulieren. Wer sich allein auf das Ergebnis einer Softwareanalyse verlässt, könnte vor Gericht eine böse Überraschung erleben.

Eure Meinung

Ärgert ihr euch über allzu ähniich klingende Tracks wie im Fall Cascada? Habt ihr unbewusst selbst schonmal Songs oder einzelne Passagen von anderen übernommen und das erst hinterher gemerkt? Wie sorgt ihr für eure musikalische Eigenständigkeit? Und was haltet ihr von der Möglichkeit, Plagiate mit Hilfe von Software zu überprüfen?

Euphoria vs. Glorious: Vergleich der Refrains

Euphoria vs. Glorious: Vergleich der Refrains, © (Bild: Fraunhofer Institute for Digital Media Technology)

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