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Monitor-Controller und Zweitabhören

Andere Boxen, andere Ohren: Warum Perspektivwechsel beim Abhören gut tun

Tipps für Musiker und Bands von Julian Schmauch
veröffentlicht am 22.02.2019

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Andere Boxen, andere Ohren: Warum Perspektivwechsel beim Abhören gut tun

Monitor-Controller und Zweitabhören sind für die Studioarbeit eigentlich unerlässlich. © FAHA

Um den perfekten Mix eines Songs zu erreichen, sollte man diesen nicht nur auf einem einzigen Paar Monitorboxen abhören. Praktisch jedes Studio nutzt mehr als ein Abhörsystem – viele Master- und Mixengineers schwören darauf, nur im Heimstudiobereich ist dies noch eher selten. Wie sich das auch in kleinen Homerecording-Studios umsetzen lässt und wieso unsere Ohren uns belügen, erklären wir euch in diesem Artikel.

Jeder kennt das – man hat auf seinem System zu Hause einen neuen Song abgemischt, alles sitzt, die Bässe brummen angenehm, die Höhen peitschen nicht, der Sound ist druckvoll, breit und definiert. Man nimmt den Song mit, schickt ihn einem Freund oder Musikerkollegen und zack,…

Ernüchterung!

Aus dem Supermix ist eine instabile, kreischende Basswurst-Katastrophe geworden. Was ist passiert?

Eure Ohren haben euch belogen. Und eure Abhöre war der Komplize.

Der Gewohnheit ein Schnippchen schlagen

Natürlich haben große Studios und professionelle Mixer und Masterer ihre Hauptabhöre, ein Monitorsystem, auf das sie schwören und wo sie genau wissen, wie ein Mix klingt, welche Frequenzen wie verstärkt werden. Aber genau da liegt der Hund begraben. So wie Einsteiger beim Abmischen noch schnell dem Glauben erliegen, lauter klinge besser, kann uns die Gewohnheit an nur eine Abhöre verschleiern, wo Probleme im Mix unseres Songs liegen.

Um dieser Gewohnheit ein Schnippchen zu schlagen, kann man sich ein Setup mit einem zweiten Paar Abhör-Monitoren einrichten, zu dem man mit einem Monitor-Controller schaltet. Bei dem zweiten Paar kann es dann Sinn ergeben, gar nicht so sehr auf etwas Hochqualitatives, sondern eher auf etwas Exotisches oder vielleicht sogar Günstiges und nicht so gutklingendes zu setzen. Wichtig ist vor allem, dass die Zweitabhöre grundsätzlich anders klingt als die Hauptabhöre.

Mittlerweile gibt es zum Beispiel auch Audio-Interfaces, die neben Kopfhöreranschlüssen und den Main-Outs auch einen zweiten Ausgang für Monitore bieten. Sie fungieren dann als Kombination aus Audio-Interface und Monitor-Controller. Bekannte Modelle wie der Big Knob von Mackie, das SRI-2 von Fluid Audio (*) oder das iD22 von Audient bieten da platzsparende Möglichkeiten, vom heimischen Schreibtisch aus gleich zwei Monitor-Paare anzusteuern.

Große Entscheidungen auf kleinen Boxen

Warum und wozu nun also ein Monitor-Controller? "Große Entscheidungen auf kleinen Boxen und vice versa", sagt Arne Bergner von den Popschutz Studios. Die Berliner haben drei Abhören: JBL LSR 4328, Yamaha NS-10 und den Super Sound Cubes von Auratone.

Zwar sind die großen Achtzoll-Monitore von JBL ihre Hauptabhöre, aber der "Küchenradiosimulator" (O-Ton Arne) Super Cube, ein nicht mal fünf Zoll großer Brüllwürfel, zeigt ihnen beim Abhören unbarmherzig, ob die Stimme gut sitzt und die Snare die richtige Lautstärke hat. So wird es der Konsument auch hören. Die großen Boxen wiederum stellen das Frequenzspektrum so klar dar, dass Details wie matschige Transienten oder Bass-Probleme viel genauer erkannt werden können.

Ein Tipp also für euch: falls ihr euch vom nächsten Geburtstagsgeld neue Monitore kauft, behaltet die alten. Oder wenn ihr bisher nur auf einfachen Computer-Boxen abgehört habt, behaltet die auch. Mit einem Monitor-Controller könnt ihr in den letzten Phasen eines Mixes zwischen euren guten und den schlechter klingenden Monitoren hin- und herschalten und so letzte Fehlerquellen finden.

Hören, was der normale Hörer benutzt

Marc Wüstenhagen von den Dailyheroes Studios nutzt Genelec 1030 und Yamaha NS-10 als seine zwei Abhören und sagt, dass die Monitorpaare möglichst unterschiedlich klingen sollten. Dazu hört er seine Mixe auf seinen Kopfhörern und zusätzlich auf Laptopboxen oder Smartphone-Kopfhörern gegen, "sozusagen, um das zu hören, was der normale Hörer benutzt". Der beste Mix der Welt auf den teuersten Monitoren bringt wenig, wenn all das auf scheppernden Laptop-Boxen nicht mehr zu hören ist.

Ein weiterer Vorteil eines Monitor-Controllers ist, dass man sich das mühselige Einstellen der Lautstärke an den Monitoren selbst erspart und so Vergleichbarkeit gewährleistet. Außerdem regeln die großen Pegel-Potis den Pegel, anders als ein Programm oder Treiber des Herstellers eures Interfaces, nach der Digital-Analog-Wandlung des Ausgangssignals auf den Weg zu den Boxen. Damit kann an keiner Stelle vor der Audioausgabe Verzerrung oder Übersteuerung passieren. Und mit ihnen lässt sich der Pegel oft genauer einstellen, als mit Mausklicks.

Die ideale Abhör-Lautstärke

Mit großen Boxen kommt große Verantwortung. Für eure Ohren. Ihr habt nur die beiden, jedes Metal-Konzert in der ersten Reihe und jede Kuscheln mit den Subwoofern im Club ohne Gehörschutz malträtiert sie schon genug. Neben Nachbarn auf Kriegsfuß gibt es taube Ohren fürs Leben.

Deswegen: die ideale Abhör-Lautstärke liegt unter der einer auf Zimmerlautstärke geführten Unterhaltung, also ungefähr bei 75 dB. Nur so werden eure Ohren nach vielen Stunden Abmischen (mehr als sechs ist meistens unrealistisch) nicht ermüden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Apps und kleinen Pegelmessern, die zumindest grob anzeigen können, wie laut eure Abhören sind.

Und falls das Budget nicht für teure neue Monitore reicht und ihr erst mal mit dem Paar weiter produziert, mit dem ihr eingestiegen seid: Ein paar Computer-Boxen von Papas altem PC und ein Monitor-Controller tun es auch schon.

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Anlässlich dieses Artikels verlosten wir gemeinsam mit der Hyperactive Audiotechnik GmbH zwei SRI-2 von Fluid Audio – das Gewinnspiel ist mittlerweile beendet.

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