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Fragwürdige Vorwürfe

Angebliche Vetragsverletzung: Billy Joel wird von Schlagzeuger wegen "You May Be Right" verklagt

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 10.09.2024

billy joel musikbusiness urheberrecht

Angebliche Vetragsverletzung: Billy Joel wird von Schlagzeuger wegen "You May Be Right" verklagt

Billy Joel wird von einem ehemaligen Sessionmusiker wegen jahrzehntelang zurückliegender Vorgänge verklagt. © Falk Simon

Billy Joel wird von Joseph Roderick Jr. verklagt, der behauptet, 1979 auf einem Demo von "You May Be Right" Schlagzeug gespielt zu haben, aber von allen Rechten und Tantiemen im Zusammenhang mit dem Song ausgeschlossen worden zu sein.

Roderick, der sich selbst vertritt, wirft Billy Joel sowie Sony Music und Universal Music Publishing vor, einen mündlichen Vertrag verletzt zu haben. Zudem macht er in der Klage "nachteiliges Vertrauen auf ein Versprechen" (engl. detrimental reliance on a promise) sowie Urheberrechtsverletzung geltend. 

Der Hintergrund der Klage

1979 wurde Roderick von dem Musiker Brian Shackleford dazu eingeladen, in den Pantheon Studios in Arizona bei einer Session von Billy Joel Schlagzeug zu spielen, während Shackleford das Keyboard übernahm. 

Zwei Wochen später soll Shackleford Roderick informiert haben, dass Billy Joel zwei dieser Songs aufnehmen würde, und ihm versichert haben ,"dass man ihn am Ende nicht vergessen würde." Diese Aussage impliziert laut Roderick, dass der Schlagzeuger Tantiemen für seine Arbeit an den Demoaufnahmen erhalten würde und dient Rodericks als Basis für seine Klage.

Schon diese Schlussfolgerung liegt keineswegs auf der Hand, denn es ist unklar, ob Shackleford das überhaupt mitteilen wollte und ob er überhaupt berechtigt war, solche Zusagen zu machen. 

Einer der aufgenommenen Songs war jedenfalls der Single-Hit "You May Be Right", der siebenfach mit Platin ausgezeichnet wurde und auf dem Album "Glass Houses" von 1980 erschien. Dies deutet laut Klage darauf hin, dass Roderick an der frühen Entwicklung eines echten Hits beteiligt war, dass seine Beteiligung aber nie anerkannt wurde. 

15 Millionen US-Dollar Schadensersatz

Roderick fordert in der Klage, die bei einem Gericht in Arizona eingereicht wurde, mindestens 15 Millionen US-Dollar Schadenersatz sowie anteilige Tantiemen aus Aufführungen, Verlagsrechten und Verkäufen, einschließlich TV, Film, Radio, sozialen Medien und Internetverkäufen. 

Trotz dieser Forderungen gibt Roderick zu, dass er nicht weiß, ob seine Performance auf dem Demo tatsächlich in die endgültige Aufnahme von "You May Be Right" eingeflossen ist, oder ob Liberty Devitto, Billy Joels Schlagzeuger, die Drums neu aufgenommen hat. 

Aber selbst wenn Devitto die Drums neu aufgenommen hat, sei Roderick laut seiner Klageschrift weiterhin für das "Gefühl und die Energie" der ursprünglichen Drums verantwortlich. 

Reicht das aus?

Selbst wenn Rodericks Schlagzeug in der veröffentlichten Version von "You May Be Right" enthalten war, wäre es für ihn als Sessionmusiker eher unwahrscheinlich gewesen, dass er Tantiemen aus der Aufnahme erhalten hätte. 

Derzeit ist Joel als alleiniger Songwriter von "You May Be Right" gelistet. Es ist auch vollkommen fraglich, ob Rodericks Beitrag ausreichend ist, um Songwriting-Credits zu erhalten. Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass Sessionmusiker einen Song im Studio weiterentwickeln, aber dennoch nicht als Co-Autor genannt werden, weil sie nichts zu Text, Melodie oder der Struktur beigetragen haben.

Folglich könnten Joel und seine Anwälte argumentieren, dass Roderick sowieso keine Tantiemen erhalten hätte, selbst wenn sich seine Behauptungen als wahr herausstellen sollten. 

Ansprüche verjährt?

Eine weitere Problematik der Klage ist, dass Roderick sie zu spät eingereicht hat. In den USA gibt es eine dreijährige Verjährungsfrist für Ansprüche aus Urheberrechtsverletzungen, die üblicherweise drei Jahre ab dem Zeitpunkt läuft, an dem der Urheberrechtsinhaber von der Verletzung Kenntnis erlangt. Ausnahmen sind allerdings für Fälle vorgesehen, in denen ein Urheberrechtsinhaber erst später Kenntnis eines Urheberrechtsverletzung erhält. Ob das in diesem Fall zutrifft, ist äußerst fraglich.

Als Grund für die späte Klage nennt Roderick in seiner Klageschrift, dass er 1981 und 1982 nach einem Nervenzusammenbruch wegen Depressionen in Ohio behandelt wurde und mehrere Jahre brauchte, um sich von dem Nervenzusammenbruch zu erholen. Warum dieser Erholungsprozess offensichtlich mehr als 40 Jahre dauerte, ist aber nicht klar.

Tragisch, aber auch einschlägig?

Roderick erklärt, seine Traum von einer erfolgreichen Karriere als Studiomusiker wäre möglich gewesen, wenn er für seine Arbeit an dem Song einen Songwriter-Credit und Tantiemen erhalten hätte. Da das nicht geschehen sei, habe er viele Prüfungen, Schwierigkeiten und viel Mangel erlebt. "Ich möchte, dass dieser Albtraum ein Ende hat", äußerte sich Roderick in der Klageschrift. 

So tragisch und unglücklich das Leben von Roderick verlaufen sein mag, es ist unklar, ob die Klage eine Lösung bietet. Abgesehen davon, dass sie auf vielen fragwürdigen Annahmen beruht, scheint sie schlichtweg verjährt zu sein, da nicht wahrscheinlich ist, dass Roderick erst innerhalb der letzten drei Jahre auf "You May Be Right" aufmerksam wurde.

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