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Eine der wichtigsten Einkommensquellen

Band-Merchandise optimieren: Fans wollen kaufen – verkauft!

Tipps für Musiker und Bands von Cristina Mlynek
veröffentlicht am 29.03.2019

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Band-Merchandise optimieren: Fans wollen kaufen – verkauft!

Merchandise-Stand bei Local Heroes in Salzwedel. © MKB

Heutzutage ist Merchandising eine der wichtigsten Einkommensquellen für Musikerinnen und Bands. Doch es kommt auf die Produktpalette an, damit Fans freiwillig zu eurer Werbefläche werden.

Die Produktpalette von erstaunlich vielen Bands beschränkt sich auf die typischen T-Shirts mit dem Motiv vom Albumcover. Letztens auf einem Konzert hatte ich einen direkten Vergleich zwischen zwei Co-Headlinern am selben Merch-Stand: eine Band hatte CDs, T-Shirts und Hoodies dabei, während die andere Band auch Merch-Artikel in allen Preissegmenten im Angebot hatte.

Metal Merchandise in 2019: meine Beobachtung

Es handelte sich um die Schwedische Doom Metal Band DRACONIAN und die Post Black Metaller HARAKIRI FOR THE SKY aus Österreich. Immerhin waren die Shirts und Hoodies der Schweden mit einem von ihrer Sängerin Heike Langhans exklusiv für diese Tour gestalteten Design versehen. Allerdings gab es für Fans mit weniger Bargeld in der Tasche absolut nichts zum Mitnehmen. Und natürlich war bargeldlose Bezahlung für keine der Bands möglich.

Die Österreicher dagegen hatten was für jedes Portemonnaie: Shirts und Hoodies mit verschiedenen Motiven und Farben, dazu noch Mützen, Jutebeutel, Flaggen, Feuerzeuge, Art Prints, Poster… - sogar Sektflaschen! Obwohl mir persönlich der Doom Metal an dem Abend besser gefallen hat, hat mich HFTS (wie sich die Österreicher abkürzen lassen) mit dieser vorbildlichen Vielfalt an Produkten sehr beeindruckt.

Bandshirts sind ein MUSS – aber man MUSS auch mehr anbieten

Als Metal-Fan, die allerdings kein einziges Band-Shirt besitzt freue ich mich immer, wenn meine Lieblingsbands auch andere Produkte anbieten. So ziehe ich meine EPICA-Leggings gerne auf Reisen und Festivals an und mein TRIVIUM-Jutebeutel ersetzt von Zeit zu Zeit meine Handtasche.  Eine besondere Erwähnung haben die gestrickte Tagesdecke von TRIVIUM verdient sowie die von Fans für Fans produzierten EPICA-Cycling-Klamotten, die in der öffentlichen Facebook-Gruppe “EpicaCycling Team!!!” auf Anfrage bestellt werden können. Von ESKIMO CALLBOY gibt es sogar Aromen für E-Zigaretten.

Musikfans sind durchaus bereit, Geld auszugeben, um der Welt ihre musikalische Persönlichkeit zu zeigen und die Bands zu unterstützen. Vielleicht streamen sie die Musik kostenlos auf den bekannten Plattformen, aber sie wollen oft kaufen, was ihre Idole verkaufen. Dafür müssen Bands und Künstlerinnen allerdings was zu verkaufen haben. 

Band-Merchandise nach Marketingstrategie

Die Grundkenntnisse zu Band-Merchandise sind den meisten von euch klar. Auch Beachtenswertes zu Qualität und Vertrieb könnt ihr bei Backstage PRO nachlesen.

Aber so wie die Musikindustrie selbst ist Merchandising in ständigem Wandel. Aus marketingstrategischer Perspektive lohnt sich die Überlegung, wie und wie oft euer Merchandising gekauft und getragen wird, um eure Zielgruppe und eure Ziele zu erreichen. Das Ziel vom Merchandise allgemein ist natürlich Geld zu verdienen, aber die Zufriedenheit der Fans und die Chance, sie zu freiwilligen Promotern zu befördern sollten niemals vernachlässigt werden. 

  • Vor dem kreativen Brainstorming der neuen Merch-Artikel eurer Band solltet ihr euch zuerst umschauen:
  • Was tragen bzw. kaufen eure Fans gerne?
  • Was für ausgefallene Produkte bieten andere, artverwandte Bands an?
  • Wie kann man euer Bandlogo oder Motive vom aktuellen Album in verschiedenen Stilrichtungen umwandeln und gestalten?
  • Habt ihr und eure Community vielleicht einen Insiderwitz? 

Natürlich sollten eure Ideen im besten Fall innovativ sein, aber diese sollten auch gut ankommen und euer Merch letzten Endes nicht im Lager vor sich hin gammeln. Trefft eine gute Auswahl an Ware ohne zu übertreiben und achtet auf gute Qualität, sowohl im Design als auch in der Produktion. Solltet ihr keinen Designer als Bandmitglied oder im Freundeskreis haben, zögert nicht, diese Dienstleistung einzukaufen. 

Wichtig bei der Auswahl ist auch, dass es Produkte in jeder Preiskategorie gibt. Auf Tour ist es auch praktischer, die Kategorien einfacher zu gestalten, zum Beispiel in 5-Euro-Sprüngen. So ist das Geldwechseln einfacher und die Buchhaltung am Ende des Abends übersichtlicher. In diesem Fall ist die aus der Werbung bekannte psychologische Wirkung der Preise wie 4,99 sinnlos. Die runden Beträge dann sichtbar auf den Merch kleben und den Stand ordentlich aufbauen nicht vergessen!

Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung – auch im Musikbereich

Die nachhaltigen und sozialen Aspekte der Textilienproduktion spielen heutzutage eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung vieler Konsumenten. Aber nicht nur die Modeindustrie kauft immer bewusster ein. Auch in der Produktion von Band-Merchandise wie Kleidung und Jutebeutel legen einige Marken und Shops Wert auf faire Arbeitsbedingungen . “Nachhaltige & Fairtrade Textilien (Shirts, Hoodies, Jutebeutel) für Bands und Festivals” gibt es beispielsweise von Green Shirts aus Bayern. Die Berliner Marke dna Merch produziert Bandshirts aus „indischer Biobaumwolle. Genäht in einer selbstorganisierten Arbeiterinnen-Kooperative in Kroatien.“ 

Wenn ihr selbst beim Kauf eurer eigenen Klamotten auf Nachhaltigkeit und Fairness achtet, warum sollte eure Band die konventionelle Textilindustrie unterstützen, die Mensch und Umwelt ausbeuten? Ist das nicht der Fall, könnt ihr trotzdem bei euren sozial- und umweltbewussten Fans mit diesem Argument punkten. Vielleicht ist es auch der letzte Impuls, der die Fans zum Kauf motiviert. Vielleicht macht ihr daraus eine Social-Media-Kampagne, damit die Fans weitererzählen, wie toll eure umweltfreundlichen Bandklamotten sind.

Auch Band-Merchandise braucht Promotion

Merchandising-Artikel brauchen selbst Werbung. Am besten fangt ihr an, Merchandise zu promoten bevor sie zur Produktion gehen – damit die Fans darauf heiß werden! Social-Media-Aktionen sind auch sehr beliebt und einfach zu organisieren. Ein Aufruf an die Fans, Fotos mit eurem Merchandising mit dem entsprechenden Hashtag zu veröffentlichen lässt sich schnell und unkompliziert erledigen. 

Ein Newsletter eignet sich bestens dafür. Als Anregung, sich dafür anzumelden könnt ihr Rabatte oder kostenlose Goodies wie Sticker anbieten. Diese Online-Aktion kann mit der Offlinewelt verknüpft werden, indem ihr eine Anmeldeliste (mit einem Datenschutzhinweis versehen) am Merch-Stand auslegt und die Rabatte oder Geschenke auch vor Ort ausgebt. Bundles und Sonderangebote kommen immer gut an, sowohl online als auch auf Tour. Bevor die T-Shirts mit dem alten Albumcover Staub ansammeln, macht daraus Pakete mit neuem Merch und entlastet somit eurer Lager. 

Auf Konzerten und Tourneen sind Treffen am Merch-Stand vor und nach dem Auftritt eine wichtige Anregung für Fans, etwas zu kaufen. Denn mit den daraus entstehenden Gesprächen, Autogrammen und Selfies verbinden Fans viel mehr als mit der Ware alleine. Das gilt auch für selbstgemachte und personalisierte Artikel: Sänger*innen verkaufen in letzter Zeit handgeschriebene Liedtexte, bemalte Schlagzeugfelle oder andere handgemachte Kunstwerke kommen bei Fans super an. Sammlungen dieser Unikate werden geschätzt und auf heimischen Wänden ausgestellt. 

Jetzt seid ihr dran – verkauft! 

Und denkt dabei auch an die verfügbaren Bezahlmöglichkeiten. Die meisten Online-Shops akzeptieren verschiedene Zahlungsmittel aber auch vor Ort solltet ihr bargeldlose Zahlung möglich machen. Zahlreiche Systeme vereinfachen diese Vorgänge heutzutage ungemein.

Jetzt habt ihr keine Ausrede mehr – verkauft Merch, damit ihr weiterhin Musik machen könnt! 

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