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Sicherheitskonzept funktioniert

Corona-Fall im Hamburger Molotow zeigt, dass strenge Hygienekonzepte funktionieren

Spezial/Schwerpunkt von Florian Endres
veröffentlicht am 27.07.2021

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Corona-Fall im Hamburger Molotow zeigt, dass strenge Hygienekonzepte funktionieren

Cavity Search im Hamburger Molotow. © Charles Engelken

Nachdem ein Gast des Hamburger Clubs Molotow positiv auf COVID-19 getestet wurde, hatte das Gesundheitsamt Quarantäne für übrigen Gäste verhängt. Doch nun gibt die Behörde Entwarnung: bisher scheint es keine Infektionen gegeben zu haben. Das Hygienekonzept der Venue scheint zu funktionieren.

Wie das Molotow in einem Facebook-Post vom 20. Juli 2021 mitteilte, wurden die Betreiber am 19. Juli durch die Hamburger Gesundheitsbehörde davon in Kenntnis gesetzt, dass ein/e Teilnehmer/in einer Veranstaltung am 15. Juli am folgenden Tag positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. 

Sofortige Quarantäne

Die betreffende Person hatte nach Angaben des Molotow sowohl das Open-Air-Konzert der Post-Punk-Acts "Grundeis" und "Liiek" angeschaut, als auch an der ebenfalls im offenen Hinterhof stattfindenden Molotow-Schankwirtschaft teilgenommen. 

Nach dem Bekanntwerden des Corona-Falles hatte das Hamburger Gesundheitsamt sofort eine Quarantäne für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Outdoor-Konzerts verhängt. Außerdem wurden sofortige PCR-Testungen anberaumt, bei denen sich auch ein großer Teil des Molotow-Teams testen ließ.

Grund für die Maßnahmen war nach Berichten des NDR das hohe Infektionsrisiko durch die baulichen Maßnahmen des Molotow. So gab der Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, Martin Helfrich, an, dass die Gäste zwar draußen gewesen wären – dadurch, dass der Bereich von Schirmen überdacht gewesen sei, gleiche die Situation aus Ansteckungssicht der Situation in einem Innenraum.

Diese Aussage mutet angesichts der Tatsache, dass Schirme in der Regel seitlich offen sind und damit ein ständiger Luftaustausch gewährleistet ist, einigermaßen befremdlich an. 

Entwarnung

In einem weiteren Facebook-Post vom 24. Juli gab das Molotow dann jedoch bekannt, dass die Tests der Gäste des betreffenden Abends zu 100 Prozent negativ ausgefallen seien.

Das Gesundheitsamt habe bestätigt, dass sich "keine weiteren positiven Tests auf das vermeintliche Infektionsgeschehen im Molotow zurückführen" ließen – trotz des angeblich höheren Infektionsrisikos durch die Gestaltung des Außenbereichs. 

Strikte Umsetzung

Das Team des Molotow zeigt sich froh und dankbar darüber, dass keine weiteren Erkrankungen bekannt geworden sind. Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen, dass der Vorfall zeige, dass eine strikte Umsetzung der Hygieneregeln wirksam und notwendig sei. 

Derzeit ist der Einlass zu Konzerten im Molotow ausschließlich mit einem "3G"-Nachweis möglich – also lediglich für Personen, die entweder einen negativen Corona-Test vorweisen können, oder aber genesen oder bereits zweifach geimpft sind. 

Das Hygienekonzept des Molotow

Darüber hinaus haben die Betreibenden des Molotow bereits 2020 ein Hygienekonzept entwickelt, dass u.a. die Abstände zwischen den Tischen und deren Maximalbelegung sowie die Abstände an der Bar und den Toiletten regelt. Die Gäste werden bei Ankunft auf alle Regeln hingewiesen; bei Missachtung der Regeln schreiten die Angestellten sofort ein. 

Das Hygienekonzept wurde dabei – im Kontrast zu den Äußerungen der Hamburger Sozialbehörde – bei Vor-Ort-Kontrollen sowohl durch die Polizei als auch durch das Ordnungsamt positiv bewertet.

Das Team betont außerdem, die Lockerungen des Hamburger Senats jeweils nur soweit umzusetzen, wie das Ansteckungsrisiko möglichst gering gehalten werden kann. So sollen etwa Schnelltests für Nicht-Geimpfte mindestens solange verpflichtend sein, wie diese kostenfrei verfügbar sind –  unabhängig von den neuen Vorgaben, nach denen bei Open-Air-Events keine Tests mehr notwendig sind. 

Kultur ist möglich

Für die Kulturbranche zeigt der Fall "Molotow", dass ein hunderprozentig sicherer Kulturbetrieb aktuell nicht möglich ist. Doch gleichzeitig gilt, dass, obwohl die Sicherheit nicht bei 100 Prozent liegen kann, ein weitestgehend risikoarmer Kulturbetrieb im Freien bei strenger Umsetzung der Hygieneauflagen durchaus möglich ist.

Dabei zeigt sich, dass die Erfahrung von Veranstaltenden und Spielstättenbetreiber/innen im organisieren von Veranstaltungen und dem damit einhergehenden Management von größeren Menschengruppen unerlässlich ist. 

Weiterhin sind die Möglichkeiten zur Kontaktnachverfolgung, die sich durch die zentrale Organisation von Kulturveranstaltungen ergeben, unerlässlich, um im Falle einer COVID-Infektion schnell handeln zu können.

Verständnis und Lob

Auch die Facebook-Kommentare unter den beiden Posts des Molotow verdeutlichen, dass für viele Fans des Clubs sowie potentielle Gäste der verantwortungsvolle Umgang des Molotow-Teams mit der aktuellen Situation von äußerster Wichtigkeit ist. So loben die User nicht nur die strenge Einhaltung von Hygieneregeln, sondern auch die deutliche Krisenkommunikation der Location. 

Die positiven Reaktionen in den sozialen Medien wiederum zeigen, dass ein Großteil der Musikfans die Hygienemaßnahmen mitträgt, solange diese notwendig sind – nicht nur, um endlich wieder Livemusik zu erleben, sondern auch, um gerade kleinere Locations so gut wie möglich zu unterstützen. 

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Locations

Molotow Club

Molotow Club

Nobistor 14, 22767 Hamburg

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