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"Junge Wilde trefffen auf wilde Alte"

Der Generationencontest: Reinhard Köhler über Young Wild, Wild Old

Interview von Markus Biedermann
veröffentlicht am 13.06.2014

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Der Generationencontest: Reinhard Köhler über Young Wild, Wild Old

Reinhard Köhler ist einer der maßgeblichen Initiatoren des ausgefallenen Events YOUNG WILD, WILD OLD. © Klaus-Peter Berg

Sie nennen es einen "Partnerschaftswettbewerb", bewerben können sich nur "Band-Tandems" – Banana Republic feiern 20-jähriges Bandjubiläum mit einem ganz besonderen Event. Wir haben bei Reinhard Köhler, dem Bassisten der Band und Mitinitiator des Young Wild, Wild Old Open Airs, das am 29. und 30. August 2014 in Ulm stattfinden wird, mal genauer nachgefragt.

Backstage PRO: Hallo Reinhard! Eure Ausschreibung fällt herrlich aus der Reihe. In ein oder zwei Sätzen für Leute, die noch nichts davon gehört haben, wie beschreibst du was ihr da plant?

Reinhard Köhler: Ganz knapp gesagt: Da geht's um ein musikalisches Begegnungsprojekt über die Generationen hinweg. Motto: Junge Wilde treffen auf wilde Alte. Oder salopper: Alte Säcke auf junge Hüpfer.

Backstage PRO: Ihr veranstaltet Young Wild, Wild Old aufgrund des 20-jährigen Jubiläums von Banana Republic. Ein "normales" Event war zu keiner Zeit angedacht?

Reinhard Köhler: Natürlich will man zu so einem Bandjubiläum etwas Besonderes machen. Meist werden frühere Mitmusiker auf die Bühne geholt und dann ergibt das eine ziemlich nostalgische Sache. Weil wir schon immer finden, dass es blöd ist, dass es so viele Contests für Bands mit Höchstdurchschnittsalter gibt, war dann zuerst mal die Idee da, einen Contest unter dem Motto "One foot in the grave" zu machen. Hehe! Aber das hat sich dann auch nicht durchgesetzt. Doch letztes Jahr haben wir bei einem Festivalgig eine ziemlich coole Schülerband kennengelernt, die als Opener spielte. Die Musiker sind so um die 15 Jahre alt und spielten saugut…

"Das Alt-Jung-Projekt steht im Vordergrund"

Backstage PRO: Die war die Initialzündung zur Idee, dass Teams aus je einer jungen und einer älteren Band antreten?

Reinhard Köhler: Ja, genau. Wir werden einfach jeweils zwei Bands zusammenspannen. Eine "Alte-Säcke"-Band und junge Hüpfer. Denen brauchen wir nichts beibringen, die haben schon spitze Lehrer. Aber was ihnen halt viel bringen kann, ist ein anderer Austausch über Fragen die zum Beispiel die Gigs angehen. Und die Bühnenpräsenz. Solche Themen. Daraus entstand die Idee, dass sich nur zwei Bands gemeinsam bewerben können. Aber bevor wir damit loslegten, war ja noch die Frage zu klären, wie das Ganze finanziert werden soll.

Backstage PRO: Dafür seid ihr auf die Stadt Ulm zugegangen?

Reinhard Köhler: Ja, gleich ganz zu Beginn stellten wir einen Antrag bei der Kommune. Da gibt es einen Topf für besondere Kulturprojekt-Ideen. In den Vordergrund rückten wir das Alt-Jung-Projekt, gar nicht so sehr das Bandjubiläum. Und siehe da, die Gemeinderäte waren ganz angetan und so haben wir jetzt auch einen passablen finanziellen Sockel. Wir haben das dann gleich im Booking-Bereich auf Backstage PRO eingestellt.

Backstage PRO: Wie ist die bisherige Resonanz darauf?

Reinhard Köhler:  Das Feedback ist sehr gut – es gibt lauter positive Rückmeldungen. Nur konkrete Bewerbungen gibt es noch nicht so viel.

Backstage PRO: Solch eine Doppelbewerbung ist natürlich eine echte Besonderheit. Bis wann haltet ihr die Bewerbungsmöglichkeit offen und wie viele Acts werden auftreten?

Reinhard Köhler: Der Bewerbungsphase ist solange offen, bis sich wirklich alles noch weiter konkretisiert hat. Wie viele Acts dabei sein sollen ist zum Beispiel noch nicht ganz klar. Wir wollen eigentlich nicht so ein 20-Minuten-Ding draus machen. Wir finden es schön, wenn sich Bands schon die Mühe einer Bewerbung und der Anreise machen, dass sie dann auch ruhig eine Stunde spielen sollen. Das ist so die Vorstellung. Daher würde ein Tandem also über zwei Stunden brauchen, dann gibt's an den zwei Tagen vielleicht 6 Tandems, also insgesamt 12 Bands. So ist es angedacht. Auf jeden Fall wollen wir erst mal sehen, welche Bewerbungen noch eingehen.

"Aufregend. Abenteuerlich. Spannend"

Backstage PRO: Wie trefft ihr die Entscheidung, wer final dabei sein wird?

Reinhard Köhler: Wie die Auswahl gemacht wird, steht auch noch nicht fest. Wir bezahlen keine berühmten Jurymitglieder, die große Namen haben und die man kennt. Daher muss das jetzt noch nicht festgelegt sein. Du merkst: es ist noch vieles offen. Der Wagen läuft und es macht Spaß. Aber wann wir wo abbiegen, entscheiden wir, wenn es so weit ist. Ist doch lustig.

Backstage PRO: Wahrscheinlich ist es auch sinnvoll, bei einem neuen Konzept nicht gleich alles bis ins letzte festnageln zu wollen.

Reinhard Köhler: Es ist vergleichbar mit einer Urlaubsreise. Der eine plant vorher alles ganz genau, der andere nur ganz grob – der fährt dann einfach mal los. Bei letzterem kann es mehr Überraschungen geben. Angenehme, vielleicht auch unangenehme, aber es ist auf jeden Fall etwas aufregender. Und abenteuerlicher. Und spannender.

Backstage PRO: Wie viele Besucher erwartet ihr?

Reinhard Köhler: Wir haben ja den Termin in den Baden-Württembergischen Sommerferien. Da sind manche in Urlaub, andere dagegen langweilen sich, weil nichts los ist. Wir lassen uns überraschen und stehen auch nicht unter Druck, jetzt ein Riesenunternehmen daraus zu machen.

Backstage PRO: Wer ist neben euch von Banana Republic organisatorisch noch mit an Bord?

Reinhard Köhler: Wir hatten überlegt, wenn wir noch als Partner ansprechen könnten. Jetzt ist der Club Action dabei, auf dessen Freigelände das kleine Festival sein wird. Da können wir bei schlechtem Wetter auch nach drin ausweichen, denn das ist gleich nebenan. Der Club Action liegt in einem der alten Forts, die früher Teil der Ulmer Bundesfestung waren. Das sind dann so alte Dinger mit meterdicken Mauern und viel Grün drumrum. Außerdem ist noch ein kleines Tonstudio dabei, Heckmann Sounds. Elmar Heckmann sorgt für den Livesound und wird alle Konzerte mitschneiden. Die Rohaufnahmen bekommt dann jede Band. Ein Preis des Contests wird sein, dass ein Tandem dann auch den fertigen Mix von ihm bekommt.

"Ich halte nichts von allgemeinen Weisheiten"

Backstage PRO: Klingt nach einer runden Sache! Du hast gesagt vorhin, dass es dabei ja durchaus auch um den Austausch von bestimmten Erfahrungen zwischen Jung und Alt geht. Wie würdest du aus deinem Blickwinkel als Vertreter der Oldies die unterschiedlichen Startvoraussetzungen der Generationen beurteilen?

Reinhard Köhler: Eine schlichte Tatsache ist, dass es heute ganz hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten gibt. Das fängt oft schon in den Musikschulen an. Früher wurde dort nur Klassik unterrichtet, Pop-Rock-Jazz war "bäh". Dann gab's noch die eher ländlichen Musikervereine, wo volkstümlich gespielt wurde, Pop-Rock-Jazz war auch dort "bäh". Da musste man sich viel selbst beibringen und in der Regel ganz schön wackelige, schwierige Wege gehen. Heute ist die Situation an den Musikschulen und oft auch in den Musikvereinen deutlich anders. Ganz zu schweigen von den Hochschulen. Dort konnte man ja früher auch nicht Pop-Rock-Jazz studieren – heute geht das überall. Ganz zu schweigen von speziellen Einrichtungen wie zum Beispiel der Popakademie.

Backstage PRO: Gibt es aus deiner Erfahrung heraus typische Fallstricke, die Musiker immer wieder erwischen?

Reinhard Köhler: Fallstricke gibt's wahrscheinlich 20000. Aber man sieht glücklicherweise gar nicht alle und geht ja an vielen auch einfach vorbei, ohne es zu merken. Ich glaube, dass da viel an den ganz persönlichen Voraussetzungen, Bedingungen, Vorhaben etc. hängt. Ich halte nichts von allgemeinen Weisheiten. Aber ich halte viel vom Prinzip der freien Vereinbarung. Und davon, dass man sich über alles offen und ehrlich austauschen kann.

Backstage PRO: Danke, dass wir uns mit dir austauschen durften! Wir drücken die Daumen, dass Young Wild, Wild Old ein voller Erfolg wird!

YOUNG WILD, WILD OLD

Alle Infos zur Bewerbung bei Backstage PRO

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Personen

Reinhard

Bassist, Musiker, Percussionist aus Ulm Bassist, Musiker, Percussionist bei Poca Sonic, Bassist bei Gruppe Sound Espace und Bassist, Musiker, Percussionist bei Mein langsamer Ferrari, Geschäftsführer bei Label Lehle

Artists

BANANA REPUBLIC (alternative rock)

alternative rock aus Ulm

Locations

Club Action

Club Action

Beim Alten Fritz 3, 89075 Ulm

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