Zwei-Säulen für Training und Nutzung
Faire Beteiligung von Kreativen: GEMA stellt Lizenzmodell für generative KI vor
gema verwertungsgesellschaft künstliche intelligenz
© Neeqolah Creative Works via unsplash
Generative KI ist ein fester Bestandteil der Musikindustrie geworden und spielt angesichts der hochpreisigen Investitionen und Umsätze auch aus wirtschaftlicher Sicht eine relevante Rolle.
Aber nicht nur die finanzielle Sicht der KI-Unternehmen ist im Fokus. Insbesondere die von Kreativschaffenden wird im Hinblick auf die Nutzung ihrer Werke für das Training künstlicher Intelligenz diskutiert.
KI-generierte Musik könnte bei Musikschaffenden für erhebliche Einnahmeverluste sorgen. So hebt eine Studie von Goldmedia hervor:
"Durch KI droht eine Einkommenslücke für Musikschaffende von bis zu 27%. Es gibt bis heute keine Vergütung für urheberrechtlich geschützten Input."
GEMA präsentiert Lösungsansatz
Im Rahmen des diesjährigen Reeperbahn Festivals stellte die GEMA einen Lösungsansatz vor, der zwar den technischen Fortschritt nicht einschränken, aber dennoch gewährleisten soll, dass Urheber*innen angemessen für die Nutzung ihrer Werke entlohnt werden.
Christina von Gemmingen-Hornberg von der GEMA betont:
"Als GEMA haben wir immer deutlich gemacht, dass wir bereit sind, gemeinsam mit den KI-Unternehmen faire Nutzungsbedingungen und Vergütungsmodelle auszuhandeln. Gleichzeitig ist aber ein Punkt erreicht, an dem wir konkrete Ergebnisse für unsere Mitglieder erzielen müssen – das hat Auswirkungen auf die ganze Branche."
Aus diesem Grund präsentiert die GEMA ein Lizenzierungsmodell, das zusätzlich zu den Gebühren für die primäre Nutzung von Musik für KI-Trainings auch Gebühren für die daraus generierten Werke verlangt.
Die erste Säule: Vergütung für KI-Training
Das Modell der GEMA unterteilt sich auf Basis dieser Ziele in Säulen. Die erste Säule ist an die Anbieter von Künstlicher Intelligenz gerichtet und betrifft besonders das Training der KI-Modelle.
Die Verwertungsgesellschaft schlägt eine Grundbeteiligung von 30 Prozent der Einnahmen an allen durch das generative KI-Modell oder -System erwirtschafteten Netto-Einnahmen vor. Die Werkschaffenden sollen beispielsweise an Abonnementgebühren des KI-Unternehmens und "weiteren Erlösen" in diesem Umfang beteiligt werden.
Aufgrund der intensiven Nutzung von Werken für das KI-Training beinhalten die Lizenzgebühren zudem eine Mindestvergütung. Diese ist angepasst an die Menge des Outputs, die mit dem KI-Modell im Anschluss generiert wird. Sie soll auch in Fällen greifen, in denen nur geringe oder keine wirtschaftliche Vorteile erzielt werden.
Die erste Säule des Modells richtet sich laut GEMA "an alle Anbieterinnen und Anbieter generativer KI-Dienste, die auf dem deutschen Markt tätig sind", da sie mit dem Output und nicht etwa mit dem Ort des Trainings verknüpft ist.
Die zweite Säule: Beteiligung bei der Folgenutzung
Um die Sicherheit für die Nutzenden von KI-Plattformen zu erhöhen und die Bezahlung von Werkschaffenden nachhaltig zu gewährleisten, umfasst das Modell der GEMA auch die Lizenzierung der Folgenutzung von KI-generierten Inhalten. Darunter versteht die GEMA beispielsweise die Nutzung dieser Werke als Hintergrundmusik von Videos.
Aus Sicht der GEMA enthält auch die KI-generierte Musik "schutzfähige Elemente der Werke, mit der [das KI-Modell] trainiert wurde." Die zweite Säule soll daher die angemessene Beteiligung der Rechteinhaber an den Einnahmen durch KI-generierten Songs sichern. Die Vergütung soll mindestens so hoch sein, wie sie bei von Menschen geschaffenen Werken wäre.

© GEMA
Musikschaffende gegen lizenzfreie Nutzung
Dass die Lizenzierung ihrer Werke für die KI-Nutzung auch aus Sichter der Künstler*innen ein dringendes Problem ist, zeigte zuletzt eine Petition gegen die lizenzfreie Nutzung für KI-Training, die Ende Oktober 2024 bereits mehr als 30.000 Unterschriften sammeln konnte.
Auch Singer-Songwriterin Alexa Feser, die beim Reeperbahn Festival gemeinsam Christina von Gemmingen-Hornberg an der Podiumsdiskussion zum Thema "KI trifft Urheberrecht" teilnahm, betont ebenfalls die Relevanz des Lizenzierungsmodells der GEMA:
"Ich bin überzeugt, dass das Menschliche in der Musik überleben wird. Aber wir dürfen die Verantwortung nicht den großen Technologiekonzernen überlassen. Wir müssen an der Wertschöpfung beteiligt werden. Es ist gut, dass die GEMA das Thema aufgreift und sich für unsere Rechte einsetzt. Wir müssen schnell sein, denn die technische Entwicklung eilt der Politik immer voraus."
Unternehmen
GEMA
Verwertungsgesellschaft für Werke der Musik
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