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Plus bei Veranstaltungen, minus beim Streaming

Erneutes Rekordergebnis: GEMA schüttet mehr als 1,1 Milliarden Euro aus

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 09.04.2025

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Erneutes Rekordergebnis: GEMA schüttet mehr als 1,1 Milliarden Euro aus

Dr. Tobias Holzmüller (2024). © Manuel Vescoli

Die Gesamterträge der Verwertungsgesellschaft GEMA liegen im vierten Jahr in Folge bei über einer Milliarde Euro. Verantwortlich dafür sind vor allem gestiegene Erträge aus dem Veranstaltungsbereich. Die Erträge aus Streaming gingen hingegen überraschenderweise zurück.

Für das Geschäftsjahr 2024 meldet die GEMA Gesamterträge von 1,33 Mrd. Euro. Dabei handelt es sich um einen neuen Rekord und einen Anstieg um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der vollständige Geschäftsbericht ist hier.

Die Verteilungssumme für die rund 98.000 Mitglieder und über zwei Mio. Rechteinhaber lag bei 1,13 Mrd. Euro. Der Kostensatz konnte um 14,9 Prozent gesenkt werden.

Veranstaltungsbereich ist der größte Wachstumstreiber

Den größten Anteil der Erträge bilden die öffentliche Wiedergabe und Aufführung von Musik. Die Erträge aus dem Bereich erreichten 502 Mio. Euro, was einem Anstieg um 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. 

Das liegt nicht zuletzt an einem starken Veranstaltungsbereich, der im Geschäftsjahr 2024 rund 194,9 Mio. Euro erzielte – ein Anstieg um 16,8 Prozent. Mit Stand vom 4. April 2025 besuchten innerhalb des Geschäftsjahres 69,87 Mio. Menschen Live-Veranstaltungen.

Insgesamt fanden in Deutschland 2024 fast 250.000 Konzerte statt. Als besonders luktrativ für die GEMA erwiesen sich dabei Stadionkonzerte und die Fußball-EM. Auch gestiegene Ticketpreise spielten eine Rolle für den starken Anstieg.

Die Einnahmen durch "mechanische Wiedergabe", also die öffentliche Aufführung von Musik von technischen Geräten (Streaming, Radio, Tonträger) wuchsen ebenfalls deutlich von 163 auf 180 Millionen Euro.

Der Auslandsbereich trug ebenfalls zum Ertragsanstieg bei. Aufgrund weiterhin stattfindender Aufholeffekte durch die Corona-Pandemie lag der Anstieg bei 6,9 Prozent auf 87,8 Mio. Euro.

Leichte Erholung bei Radio und TV

Einen leichten Zuwachs erzielten die Erträge bei der Nutzung von Musik in Fernsehen und Hörfunk (308,4 Mio. Euro, +1,2 Prozent). Grund dafür ist laut GEMA die Stabilisierung des Werbemarkts.

Die Einnahmen durch Vervielfältigung und Verbreitung stiegen durch den anhaltenden Vinylboom auf 45,7 Millionen Euro – ein Plus von 2,2 Prozent. 

Was ist los beim Streaming?

Etwas überraschend ist die Stagnation im Online-Bereich, der Einnahmen von 310,1 Mio. Euro erzielte, ein Rückgang von 0,05 Prozent). Die Einnahmen durch Musik-Streaming gingen sogar um 12 Millionen Euro zurück. Angesichts des nach wie vor starken Wachstum des Streaming-Marktes ist dieser Umstand doch einigermaßen überraschend.

Eine wirkliche Erklärung liefert die GEMA nicht, sie macht "verändertes Nutzerverhalten" für den Rückgang verantwortlich, was freilich keine wirkliche Erklärung ist. Positiv erwähnt sie die gestiegenen Einnahmen aus Video-Streams. Allein diese sorgten für ein einigermaßen ausgeglichenes Ergebnis.

Rückgang wegen Sondereffekten

Einen stärkeren Rückgang gab es bei den gesetzlichen Vergütungsansprüchen, die sich mit 58,6 Mio. Euro (Rückgang um rund 20 Prozent) wieder auf dem Niveau von 2022 befinden.

Die GEMA nennt als Ursache gesunkene Ausschüttungen der Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ), die sich im Vorjahr durch "nachträglich gesicherte Vergütungsansprüche" auf besonders hohem Niveau befanden und im Berichtsjahr wieder gesunken sind.

Die GEMA sieht sich "auf dem besten Weg"

Dr. Tobias Holzmüller, Geschäftsführer der GEMA, sagt über das Ergebnis:

"Das Jahr 2024 war geprägt von geopolitischen Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und disruptiven technologischen Entwicklungen. Die GEMA beweist in diesem Umfeld Stabilität – finanziell, organisatorisch und kulturell. Eine Ausschüttungssumme von über 1,13 Milliarden Euro ist nicht nur ein wirtschaftlicher Erfolg, sondern Ausdruck unserer Verantwortung für die Musikschaffenden in Deutschland und weltweit."

Lorenzo Colombini, Vorstandsmitglied für Finanzen, fügt hinzu:

"Wir stehen finanziell auf einem stabilen Fundament. Trotz inflationsbedingter Herausforderungen konnten wir den Kostensatz auf 14,9 Prozent senken. Wir sind im internationalen Vergleich noch nicht da, wo wir hinwollen, aber wir sind auf dem besten Wege. Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die GEMA effizient arbeitet und konsequent ihre Prozesse verbessert und digitalisiert. Darüber hinaus investieren wir in neue Leistungen und Technologien, um auch in Zukunft fit für den Markt und die Erwartungen unserer Mitglieder sowie Kunden zu sein."

KI bleibt zentrales Thema für die GEMA

Ein wichtiges Thema im diesjährigen Geschäftsbericht betrifft Künstliche Intelligenz. Nach der Mitgliederversammlung im Mai, auf der KI ein zentrales Thema war, führte die GEMA einen eigenen Chatbot namens "Melody" ein, testete KI-Musikmonitoring auf Festivals (KIM) und veröffentlichte ein KI-Lizenzmodell und eine KI-Charta.

Holzmüller gab an, dass die GEMA sich "entschlossen für faire Regeln in der digitalen Musiknutzung" einsetzen werde, auch gegenüber großen Plattformen und KI-Anbietern:

"Kreativität braucht Schutz, und Urheberrecht bleibt ein zentrales Fundament unserer Kultur. Wir werden diesen Schutz weiterhin aktiv mitgestalten, mit innovativem Weitblick und unseren vehementen Bemühungen um Rechtsklarheit."

Den vollständigen Geschäftsbericht gibt es hier.

Unternehmen

GEMA

Verwertungsgesellschaft für Werke der Musik

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