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Kreativität, Krise, Coversongs

Field Music zeigen wie Tribute- und Coverbands für Musiker zur Überlebenshilfe werden

Spezial/Schwerpunkt von Antonia Freienstein
veröffentlicht am 23.07.2025

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Field Music zeigen wie Tribute- und Coverbands für Musiker zur Überlebenshilfe werden

© Vishnu R. Nair

Künftig mit der eigenen Band nicht nur Original-Songs, sondern auch Tribute-Shows zu spielen, um sich das Leben als Musiker zu finanzieren – das ist der Plan der englischen Indie-Rock Band Field Music. Ihre Entscheidung unterstreicht ein strukturelles Problem.

Die Besetzung ist dieselbe, der Name und die Musik eine andere. Seit Mai 2025 treten die Mitglieder von Field Music auch als The Fire Doors und damit einem The Doors-Tribute-Projekt auf. Nachdem die Band damit auf wenig Verständnis seitens ihrer Fans gestoßen war, meldete sich die Gruppe im Juli über Facebook zu Wort, um ihre Beweggründe zu erklären. So heißt es dort etwa:

"Vom Komponieren und Veröffentlichen unserer eigenen Musik zu leben, ist zunehmend schwieriger geworden. Wir brauchen zusätzliche Einkommensquellen. Wir verfügen über eine Menge musikalisches Können. Wir lieben The Doors. Wir wurden Musiker, indem wir genau diese Songs gespielt haben, als wir noch Kinder waren. Viele Veranstaltungsorte setzen auf Tribute-Acts. Und es schauen sich auch viele Menschen Tribute-Acts an. Wir glauben, dass wir sehr gut darin sein könnten, diese Band zu covern. Wenn wir vielleicht einmal im Monat ein solches Konzert spielen, können wir damit ein Loch in unserer miserablen finanziellen Lage stopfen."

Große Namen ziehen, kleinere Acts bergen Risiko

Was Field Music beschreiben geht letztendlich weit über eine individuelle Situation hinaus. In ihrem Statement geht die Gruppe auf ein strukturelles Problem ein, das immer mehr Musiker*innen betrifft: Der Markt für Indie-Livekonzerte ist angespannt. 

Während Arena-Touren von großen Namen der Branche boomen und einen Großteil des Konsumentenbudget binden, haben es kleinere Acts schwer, überhaupt noch Gigs zu erhalten, die kostendeckend sind. Veranstalter*innen und Venues verfügen in Zeiten von Inflation, Coronanachwirkungen und dem Trend hin zu Stadion- und Arena-Konzerten häufig über knappes Kapital und können es sich weniger leisten, Risiken einzugehen.

Boomender Tribute-Markt

Tribute-Acts hingegen sind gefragt. Sie bieten das, was viele suchen: Unterhaltung, Vertrautheit, Mitsing-Momente. Außerdem füllen sie eine Lücke: Fans, die sich das Original nicht leisten können, bei ausverkauften Konzerten leer ausgehen oder deren Lieblingsartists nicht (mehr) auf Tour gehen, bekommen durch Tribute-Acts die Möglichkeit, ihre Lieblingssongs dennoch live zu erleben. 

Den großen Erfolg von Harry Styles "Love on Tour"-Tour und Taylor Swifts "Eras"-Tour etwa nahmen sich zahlreiche Veranstaltungsorte zum Anlass regelmäßige "Harry & Taylor Nights" zu hosten, bei denen den ganzen Abend lang Songs aus den Songkatalogen der beiden Artists gespielt werden.

Während es sich bei diesen Formaten um Musik aus der Konserve handelt, ist nicht zu übersehen, dass insbesondere im Pop- und Rockbereich die Zahl der Tribute Bands förmlich explodiert. Das gilt keineswegs nur für Acts, die nicht mehr existieren wie The Doors oder Led Zeppelin, sondern auch für nach wie vor aktive, ständig tourende Bands wie Metallica, Iron Maiden oder Coldplay.

Etwas nachahmen, um sich treu bleiben zu können

Doch nicht nur die Herausforderungen, denen sich Veranstaltende und Venues zu stellen haben, machen Tribute-Shows aufgrund ihrer Beliebtheit beim Publikum und somit einer sichereren Investition attraktiv.

Acts wie Field Music nutzen die erhöhte Nachfrage gezielt für sich, um weiterhin Musik zu machen, die sich nicht an Streamingalgorithmen und Trends orientieren muss.

Field Music etwa erklären, es sei unter anderem so schwierig geworden sich seinen Lebensunterhalt mit eigener Musik zu verdienen, weil spontane Tonträgerkäufe in Zeiten des Streamings stark abgenommen hätten – "Wie viele von euch haben in den 90er Jahren zehn Euro für eine CD ausgegeben und sie dann nur einmal angehört?" Durch die Streamingkultur gäbe es solche Gelegenheitskäufe, durch die unabsichtlich mehrere kleinere Künstler*innen mitfinanziert worden wären, kaum mehr. Stattdessen konzentriere Streaming Aufmerksamkeit und Einnahmen auf ein paar wenige Superstars, die enorme Streaming-Zahlen erreichen. 

Die Band habe jedoch habe stets Musik gemacht, die sie auch wirklich selbst machen wollte. Dadurch, dass diese wenig zum Streaming-Paradigma passe, sei sie jedoch langsam in Irrelevanz abgedriftet. Das Auftreten als Tribute-Band ermöglicht es Field Music, ihre eigene Musik weiterhin finanzieren zu können, ohne sie zu kommerzialisieren.

Gefahr eines Bumerang-Effekts?

Die Sache mit den Tribute-Bands kann sich jedoch auch schnell als zweischneidiges Schwert herausstellen. Während Acts wie Field Music die steigende Nachfrage für sich nutzen, um das eigene Projekt weiterhin zu finanzieren, wird es für kleinere Acts durch die wachsende Menge an Tribute-Bands immer schwieriger, sich überhaupt noch mit ihren Original-Werken zu behaupten. 

Eine Beobachtung, die unter anderem ein Teilnehmer aus unserer BackstagePRO-Umfrage zu den Erwartungen an das Live-Jahr 2025 gemacht hat:

"Ich denke, die Anzahl der ausgeschriebenen Gigs, die eine akzeptable Gage beinhalten wird weiter abnehmen. Für Bands mit eigener Musik wird es generell schwer werden, da viele Veranstalter auf DJs und Mainstream setzen."

Chance oder Risiko?

Letztendlich also stehen Field Music beispielhaft für einen wachsenden Trend einer sich wandelnden Musiklandschaft. Während sich die Anforderungen des Marktes verändern und wirtschaftliche Unsicherheiten zunmehmen, suchen viele Musiker*innen und Veranstaltende nach Wegen, um ihre Leidenschaft am Leben zu erhalten.

Tribute-Shows sind dabei eine pragmatische Lösung, werfen jedoch auch die Frage auf, wie viel Raum im Musikgeschäft noch für Neues, Sperriges oder Eigenes bleibt.

Wie steht ihr zum Thema Tribute-Acts? Teilt eure Gedanken und Erfahrungen gerne in den Kommentaren.

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