Bisheriges Fördersystem hat sich überholt
Fokus auf Gleichberechtigung der Genres: GEMA stellt Reformantrag für Kulturförderung vor
GEMA-Mitgliederversammlung 2025. © Manuel Vescoli
Nach Einschätzung der GEMA erreicht das bisherige Fördersystem nicht mehr die Breite der Mitglieder: Während einige wenige, vornehmlich E-Musik-Komponisten, stark profitieren, gehen viele Urheberinnen und Urheber (vornehmlich aus dem Bereich der populären Musik) leer aus, obwohl sie maßgeblich zum Repertoire und zu den Einnahmen beitragen. Das soll sich nach dem Willen der GEMA-Führung ändern.
Allgemeine Förderung und Fokusförderung
Kern der Neuausrichtung ist eine vereinfachte Förderstruktur mit klaren Regeln. Die Gesamtmittel der Kulturförderung werden in gleichem Umfang beibehalten. Die Mittel für kulturelle Zwecke werden – abgesehen von der separat laufenden Online-Förderung – weiterhin in zwei Säulen vergeben:
70 Prozent sollen künftig in eine Allgemeine Förderung fließen, die allen Mitgliedern offen stehen soll. Weitere 30 Prozent werden über eine Fokusförderung vergeben, die gezielt den Bereich Contemporary Classic stärken soll.
Struktur der neuen Förderung
Die konkrete Ausgestaltung übernimmt eine neu eingerichtete Förderkommission, Förderkommission aus je drei Vertreterinnen und Vertretern des Aufsichtsrats und Werkausschusses und hier jeweils aus jeder Kurie, deren Entscheidungen vom Aufsichtsrat bestätigt werden.
Die Allgemeine Förderung ersetzt die bisherige "Wertung U" und steht künftig allen Mitgliedern offen, einschließlich des Bereichs Contemporary Classic. Damit wird die Basisförderung deutlich verbreitert. Mitglieder aus dem bisherigen "Wertung E"-System sollen über Übergangsregelungen abgefedert werden.
Die Fokusförderung gliedert sich künftig in drei Module:
Fokus CCL als Sonderförderung für zeitgenössische Kunstmusik mit garantierten Mitteln und zusätzlicher Nachwuchsförderung,
Fokus Repertoire als werkbezogene Förderung für alle Genres auf Basis eines digitalen, objektiven Bewertungssystems ("Mischpult"),
Fokus Impuls als Projektförderung für innovative, genreübergreifende oder gesellschaftlich relevante Vorhaben.
Das neue Bewertungssystem im Modul Fokus Repertoire soll ab 2027 zunächst in einer Pilotphase getestet werden. Eine Evaluation ist für 2030 vorgesehen, über mögliche Anpassungen entscheidet dann erneut die Mitgliederversammlung.
Umstellung bis 2030
Die Umstellung erfolgt stufenweise bis 2030. Die heutigen Wertungsverfahren bleiben bis einschließlich 2028 bestehen, wobei die Mittel für die "Wertung E" schrittweise abgeschmolzen werden.
Im Jahr 2029 werden weitere Mittel bereitgestellt, um individuelle Belastungen durch den Systemwechsel abzufedern. Parallel bauen sich die Mittel für die Fokusförderung in den Jahren 2027 bis 2030 stufenweise auf – so soll die Pilotphase der Fokusförderung solide finanziert werden.
"Konsequente Weiterentwicklung"
GEMA-Vorstandsmitglied Georg Oeller kommentiert den Antrag wie folgt:
"Der neue Antrag steht für die konsequente Weiterentwicklung der GEMA Kulturförderung als Ganzes. Dabei haben wir bewusst an dem bestehenden Konzept angesetzt und es nicht neu erfunden.
Er zielt darauf ab, die Kulturförderung verlässlich auszugestalten, diese breiter für mehr Mitglieder zugänglich zu machen und zugleich künstlerische Vielfalt, Innovation und Nachwuchs sowie Werke in deutscher Sprache gezielt zu stärken. Besondere Repertoires und Projekte sollen dabei auch unter veränderten Marktbedingungen angemessen berücksichtigt werden.
Der neue Antrag ist das Ergebnis eines intensiven Austauschs mit den Mitgliedern, den es bei der GEMA in dieser partizipativen Form bislang nicht gegeben hat."
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