Zwischen Boom und Umbruch
GEMA Geschäftsbericht 2025: Rekordjahr trotz wachsender Herausforderungen
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Dr. Tobias Holzmüller, CEO der GEMA. © Manuel Vescoli
Die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA hat ihren Geschäftsbericht 2025 vorgelegt. Mit Erträgen von rund 1,34 Milliarden Euro (2024: 1,33 Milliarden Euro) und Ausschüttungen von über 1,15 Milliarden Euro (2024: 1,13 Milliarden Euro) an Rechteinhaber die Verwertungsgesellschaft ihren Wachstumskurs fort.
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und geopolitischer Spannungen zeigt sich die GEMA damit robust. Der leichte Anstieg verdeutlicht, dass das Musikgeschäft insgesamt weiter wächst, allerdings weniger dynamisch als in den Jahren zuvor.
Parallel zu Ertrag und Ausschüttungen wächst zudem auch die Mitgliederbasis. 2025 überschritt die GEMA erstmals die Marke von 100.000 Mitgliedern.
Live-Musik als Wachstumstreiber
Ein wesentlicher Faktor für das gute Ergebnis ist der starke Live-Sektor. Konzerte, Festivals und Großveranstaltungen haben nach der Pandemie weiter an Dynamik gewonnen und sorgen für steigende Einnahmen.
Allein in den Live- und Wiedergabesparten wurden deutliche Zuwächse verzeichnet, unter anderem durch höhere Ticketpreise und Großereignisse. Insgesamt berichtet die GEMA von einem Anstieg der Einnahmen aus dem Bereich der Live- und Hintergrundmusik auf 530 Millionen Euro (2024: 502 Millionen Euro).
Streaming wird zur tragenden Säule
Gleichzeitig gewinnt die Online-Nutzung weiter an Bedeutung. Digitale Erlöse machten zuletzt rund 328 Millionen Euro aus, 2024 waren es noch 310 Millionen Euro. Die Einnahmen aus dem Ausland stiegen ebenfalls leicht von 88 auf 90 Millionen Euro.
Streaming-Plattformen und soziale Medien entwickeln sich damit zunehmend zur wichtigsten Einnahmequelle im Musikmarkt. Die GEMA reagiert darauf unter anderem mit angepassten Verteilungsmodellen, etwa stärker nutzungsbasierter Ausschüttung bei Plattformen wie YouTube oder TikTok.
Rückgang in anderen Bereichen
Im Bereich Sendung (Fernsehen und Radio) kam es dagegen zu einem Rückgang der Erträge von 308 auf 293 Millionen Euro. Der Grund dafür ist eine schwächere Entwicklung der Werbemärkte von Radio- und Fernsehsendern.
Die Erträge im Bereich der Vergütungsansprüche (ZPÜ) lagen mit 53,5 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau von 58,5 Millionen Euro. Ursache hierfür ist das weiterhin verhaltene Absatzniveau über alle relevanten Produktgruppen hinweg.
Stark rückläufig zeigte sich der Verfielfältigungsbereich (d.h. physische Medien): Die Einnahmen sanken auch aufgrund von vertraglichen Anpassungen um fast 20 Millionen Euro von 45,5 Millionen auf knapp über 26 Millionen Euro.
Strukturwandel und offene Fragen
Trotz der positiven Zahlen steht die GEMA vor grundlegenden Herausforderungen. Das betont auch Lorenzo Colombini, CFO der GEMA:
"Das Jahr 2025 war gesamtwirtschaftlich kein einfaches Jahr. Umso erfreulicher ist es, dass die GEMA erneut ein sehr gutes Geschäftsergebnis erzielen konnte. Während sich rückläufige Bereiche wie der Werbemarkt oder physische Tonträger in unseren Ergebnissen bemerkbar machen, konnten positive Entwicklungen im Live-Bereich und Online-Geschäft diese Rückgänge kompensieren."
Auch GEMA-CEO Tobias Holzmüller kommentiert:
"Die Musikbranche befindet sich weiterhin in einem strukturellen Wandel. Trotz steigender Umsätze bleibt die Lage angespannt: Neue Streaming-Dynamiken, disruptive Technologien wie generative Künstliche Intelligenz, zunehmender Wettbewerbsdruck sowie knappe Budgets setzen das kulturelle Ökosystem unter Druck."
Meilenstein zum Schutz des Urheberrechts
Die GEMA verstehe sich in diesem Umfeld als Taktgeberin. Insbesondere im Umgang mit generativer KI habe sie bereits früh Verantwortung übernommen und zentrale Fragen adressiert, so Holzmüller.
"Wie schützen wir kreative Werke? Wie stellen wir Transparenz bei der Datennutzung sicher? Und wie gewährleisten wir eine faire Beteiligung an der Wertschöpfung?"
Das erste Grundsatzurteil im Bereich generativer KI, das die GEMA im November 2025 vor dem Landgericht München erwirkt hat, bestätigte, dass OpenAI mit dem Training und Betrieb von ChatGPT geltendes Urheberrecht verletzt. Diese Entscheidung sieht Holzmüller als bedeutenden Meilenstein.
Zahlreiche Herausforderungen
Insgesamt präsentiert sich die GEMA 2025 als wirtschaftlich starke Organisation mit stabilen Einnahmen und hohen Ausschüttungen.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass sich die Musikindustrie mitten in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Während die Dominanz des Streamings zunimmt, verlieren Einnahmen aus dem Verkauf physischer Tonträger drastisch an Relevanz.
Rückgänge im Bereich Senderecht können aktuell vom Live-Boom ausgeglichen werden, allerdings ist die Frage, wie lange dieser sich fortsetzt. Dazu kommt die Herausforderung von KI. Ein weiteres Wachstum der Erträge ist daher keineswegs selbstverständlich.
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