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Die besten Hacks für eure Heimproduktionen

Home Recording Tipps von Studiobetreiber Benedikt Hain (Outback Recordings)

Interview von Doktor Nic
veröffentlicht am 04.08.2020

recording homerecording

Home Recording Tipps von Studiobetreiber Benedikt Hain (Outback Recordings)

Home Recording Hacks mit Benedikt Hain. © Stephanie Probst (Rotwild Photography)

Benedikt Hain ist nicht nur Studiobetreiber, sondern hilft Musikern als Coach auch dabei, sich selbst aufzunehmen und den technischen Horizont zu erweitern. Wir sprechen darüber, wie man die Aufnahmequalität ohne Studioequipment verbessern kann und welche Tipps er für Leute ohne viele Vorkenntnisse hat.

In Zeiten der Corona-Krise erfährt das Homerecording wieder zunehmende Popularität. Ob zum Festhalten von Ideen in einer Band oder um digital Songs zu releasen oder sich einfach nur weiterzubilden: Audio Interfaces und DAW sind sehr gefragt und fast jeder Musiker beschäftigt sich mit Homerecording.

Hat man sich mit einem Interface und einem DAW auseinandergesetzt, kann man mit wenig Übung bereits loslegen. Doch wenn man im Sound Engineering noch nicht bewandert ist, stößt man schnell auf qualitative Grenzen: Das Sample für den Gitarrenamp klingt zu künstlich, die Vocals zu trocken oder die Abmischung zu lasch. Aber keine Sorge, die folgenden Tipps von Benedikt Hain (Outback Recordings, theselfrecordingband.com) werden euch dabei helfen, einen guten Sound zu mischen.

"Verstimmte Instrumente sind ein sehr häufiges Problem"

Backstage PRO: Moin Benedikt! Schön, dass du uns ein paar Einblicke lieferst! Als erstes möchte ich dich fragen: Welche Fehler machen deiner Einschätzung nach Amateure im Recordingbereich am häufigsten? Nehmen wir an, die Basis zum Umgang mit Cubase oder Ableton Live ist gegeben.

Benedikt: Hi Nick! Sehr gerne, danke für die Einladung! Die häufigsten Fehler sind meiner Erfahrung nach:

Erstens ein zu starker Fokus auf das Equipment und technische Dinge, anstatt auf die Performance, die Songs an sich, das Arrangement, usw. Jemand in der Band muss die Rolle des künstlerischen Produzenten übernehmen und das große Ganze, das gewünschte Endergebnis und dessen Wirkung auf die Hörer im Fokus behalten. Das ist es, worum es letztlich geht und das fällt umso schwerer, wenn man Musiker, Engineer und Produzent in Personalunion ist.

Zweitens, aus Angst vor Fehlern keine mutigen Entscheidungen zu treffen und sich nie festzulegen. Aufregende Kunst entsteht nicht dadurch, dass man sich alle Optionen offenhält, sondern dadurch, dass man eine klare Vision im Kopf hat und dann macht, was auch immer notwendig ist, um diese Vision zum Leben zu erwecken. Das kann bedeuten, dass man unkonventionelle Entscheidungen trifft und man muss sich während des Prozesses auch immer wieder mal festlegen, weil ein Sound auf dem anderen aufbaut und es nicht gut ist, am Ende alle Optionen zu haben.

Ich verstehe aber, dass viele Musiker unsicher sind, was denn eigentlich einen guten Sound ausmacht und worauf sie hören sollen, deswegen kann und soll man natürlich immer z.B. DI-Spuren aufnehmen und im Zweifel eine zweite Version mancher Spuren machen. Aber es muss eine klare erste Version geben, die feststeht, bevor man weitermacht. Nur im Notfall greift man dann auf die "Sicherheitsmaßnahmen" zurück.

Drittens: Alte Schlagzeugfelle und Gitarrensaiten sowie Tuningprobleme! Verstimmte Instrumente und alte Saiten oder Felle sind leider ein sehr häufiges und schwerwiegendes Problem. Viele Leute unterschätzen einfach immernoch, wie unfassbar wichtig das ist. An dieser Stelle würde ich nie sparen. Ich würde viel eher ein billiges Mikrofon benutzen und auf teure Preamps verzichten, als mit alten Saiten und Fellen aufzunehmen und keine Zeit in ein vernünftiges Setup zu stecken.

Bei einer professionellen Album-Produktion wechselt man oft mehrmals die Schlagzeugfelle und verbraucht pro Song gerne mal 1-2 Sätze Saiten. Wie oft man genau wechseln muss, hängt von mehreren Dingen ab. Aber ein Satz Saiten pro Song ist es schon meistens.

"Wichtiger als der Amp ist tatsächlich meistens die Box"

Backstage PRO: Mitgelieferte Plug-Ins und Samples klingen meistens sehr künstlich. Welche gratis VST sind dir die liebsten, zum Beispiel für Gitarrenamps?

Benedikt: So pauschal würde ich das gar nicht sagen. Es gibt sogar sehr gute mitgelieferte Plugins und virtuelle Instrumente. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass Plugins (EQs, Kompressoren, Effekte, Synths usw.) auf der Einkaufsliste ganz, ganz hinten stehen, weil man mit mitgelieferten Plugins richtig gut arbeiten kann und praktisch alles andere wesentlich wichtiger ist.

Bei akustischen Samples, realistischen virtuellen Instrumenten und Gitarrenamps wird es allerdings schon recht schnell schwierig, das stimmt.

Mein Tipp an dieser Stelle: Wichtiger als der Amp ist tatsächlich meistens die Box. D.h. einen schlecht klingenden Digital-Amp kann man mit guten IRs (Impulse Responses, Boxensimulationen) immens aufwerten. Einfach, wenn möglich, die mitgelieferten Speakersimulationen deaktivieren und einen IR-Loader nach dem Plugin laden. Ein sehr guter kostenloser ist NadIR von Ignite Amps. Da kann man sich dann alle möglichen Gitarrenlautsprecher, Mikrofone, etc. virtuell laden und vergleichen. IRs gibt’s ohne Ende im Netz.

Was kostenlose Amps betrifft, finde ich den Emissary – ebenfalls von Ignite Amps – sehr gut. Achtung: Da ist keine Box dabei, also hier muss man unbedingt einen IR-Loader hinterher schalten, damit es natürlich klingt.

Backstage PRO: Hast du Tipps, wie man Digitalamps im EQ verändern sollte, damit sie organischer klingen?

Benedikt: Ähnlich wie bei echten Amps, sollte zunächst das Setting am Amp, die Boxenauswahl (der wichtigste Baustein), sowie die virtuelle Mikrofonposition soweit wie möglich optimiert werden. Wenn man z.B. sowas wie STL ToneHub oder eine der Neural DSP Simulationen hat (beides großartige Plugins), kann man das Mikro wie vor einer echten Box bewegen. Erst dann sollte man zum EQ greifen. Je nach Qualität der DI-Spur, der Amp-Simulation, sowie der virtuellen Box kann es sein, dass man unangenehme "zischelnde" Resonanzen in den oberen Mitten hört, die man sehr schmalbandig rausziehen sollte. Das ist wie ein schrilles Pfeifen, das über dem Signal liegt. Es braucht etwas Übung und man darf es nicht übertreiben, aber das wäre das erste, wo ich ansetzen würde.

Ältere oder einfach schlechtere Digitalamps haben oft ein etwas kratziges, zweidimensionales Klangbild. Dem kann man entgegenwirken, indem man die Höhen etwas filtert, um das Rauschen und Kratzen loszuwerden (nicht zu tief ansetzen) und indem man sich "untenrum" die Frequenzen sucht, wo man den Schub und die Luftbewegung vorm Speaker spürt – oft grob irgendwo zwischen 100 Hz und 200 Hz. Diesen Bereich leicht anzuheben, kann einem ein realistischeres Gefühl von Druck, Bewegung und Tiefe geben. Und schließlich kann man in den Mitten den Frequenzbereich suchen und betonen, der den meisten Charakter hat und den musikalischen Inhalt, also die tatsächlichen Akkorde am besten transportiert.

Backstage PRO: Was empfiehlst du, wenn ich lieber meinen tatsächlichen Amp aufnehmen möchte? Schnittstelle mit dem Audio Interface oder Mikrofon? Wenn ja, vor welchen Speaker?

Benedikt: Das funktioniert beides wunderbar und kommt vor allem drauf an, ob du Lärm machen darfst, oder nicht. Wenn ja, dann benutz eine gute Kombination aus Amp und Speaker, dreh auf und mikrofoniere die Box. Die Wahl der Box ist wie gesagt mega wichtig, aber natürlich auch Geschmacksache. In meinen Genres (harte Gitarrenmusik, Rock, Metal, Punkrock, etc.) funktioniert eine hochwertige Box mit Celestion V30 Speakern eigentlich immer gut und wäre meine erste Empfehlung. Die 2x12 Boxen von Mesa und Orange sind meine Favoriten.

Such dir an der Box den Lautsprecher, der am besten klingt (ja die klingen tatsächlich sehr unterschiedlich, auch wenn sie vom gleichen Typ und innerhalb derselben Box sind) und dann such dir an diesem Lautsprecher die beste Mikroposition. Am Mittelpunkt des einzelnen Speakers ist es am klarsten und schrillsten, am Rand des Speakers ist es am druckvollsten und eher dumpf. Irgendwo dazwischen liegt meist der Sweet Spot.

Falls es leise sein muss, dann kann man eine Load-Box benutzen. Das ist ein Gerät, das man anstelle des Lautsprechers hinter den Amp hängt, so dass ein Widerstand gegeben ist und das einen Ausgang hat, den man mit seinem Interface verbinden und aufnehmen kann. Manche mit und manche ohne Lautsprechersimulation. In letzterem Fall kann man dann wieder auf eine Software-Lösung (IR) zurückgreifen. Ganz wichtig ist, dass man Röhrenamps niemals ohne Widerstand, also ohne Box oder Loadbox verwenden darf, ansonsten schrottet man den Amp! (Ausnahmen sind Amps mit integrierter Recording-Möglichkeit, bei der die Endstufe ausbleibt) Außerdem darf man niemals den Lautsprecher-Ausgang eines Amps mit dem Interface verbinden, sonst zerstört man das Interface gleich mit.

"Die Technik der Sampler ist mittlerweile so gut, dass man gut programmierte Drums von echten Drums nicht mehr unterscheiden kann"

Backstage PRO: Thema Drums: Die Wenigsten werden wohl die Möglichkeit haben, ihr Drumkit zu mikrofonieren und gescheit aufzunehmen. Sollten diese dann mit einem Raummikro ihr Akustik-Kit aufnehmen oder sollten sie auf E-Drums oder gar Drumcomputer setzen?

Benedikt: Wenn man nicht die Mikrofone, die Inputs, den Raum, oder das Know-How hat, um das vernünftig zu machen, dann sollte man definitiv auf virtuelle Drums, also Samples, setzen. Vorausgesetzt, man will eine differenzierte, druckvolle Produktion. Für sehr rohe, "vintage"-mäßige Aufnahmen können auch reduzierte Setups mit 2-4 Mikrofonen gut funktionieren. Schlagt mal die "Glyn Johns" oder die "Recorderman" Technik nach.

Das Ding mit Samples ist ja, dass es keine künstlichen Sounds sind, sondern echte Drums, aufgenommen von echten Menschen mit echtem, hochwertigem Equipment in echten, großartig klingenden Räumen. Die Technik der Sampler ist mittlerweile auch so gut, dass man gut programmierte Drums von echten Drums nicht mehr unterscheiden kann und nur die allerwenigsten Menschen in der Lage sind, mit ihrem Setup und Wissen selbst zu besseren Ergebnissen zu kommen. Den Versuch kann ja jeder mal gerne selbst machen. Wenn die eigenen Aufnahmen besser klingen, dann auf jeden Fall die echten Drums aufnehmen, klar.

Ich habe auch eine ganz klare Empfehlung, was Drum Samples betrifft: Room Sound Drums (roomsound.com) machen meiner Meinung nach die natürlichsten und am besten klingenden Drum Libraries auf dem Markt. Ich stehe zu 100% hinter diesen Samples und empfehle sie immer wieder, weil ich sie jeden Tag benutze. Das sind alles Signature Libraries von weltklasse Engineers wie Kurt Ballou, Beau Burchell, Jay Maas, oder Jason Livermore und Bill Stevenson (The Blasting Room). Sie sind sehr flexibel, bezahlbar und die Features sind unfassbar. Alles darauf ausgelegt, möglichst authentisch klingende Ergebnisse zu bekommen.

Abseits von Room Sound kann ich noch Superior Drummer 3 sehr empfehlen. Zwar teurer, aber ebenfalls ein absolut großartig klingender Industrie-Standard.

"Je weiter reflektierende Flächen weg sind, desto besser"

Backstage PRO: Welches Zimmer zuhause macht den schönsten Vocal Sound? Was sollte ich bei der Bearbeitung beachten, zum Beispiel bei Hall-Effekten?

Benedikt: Ein typisches Wohnzimmer ist dafür gar nicht schlecht. Vor allem, wenn es möglichst voll mit Möbeln, Sofa, etc. ist. Wichtig ist, dass man hinter sich, an der Wand, eine möglichst dicke, absorbierende Fläche hat, also z.B. ein paar dicke Matratzen, oder ähnliches. Richtige Absorber sind natürlich super, aber die müssen wirklich dick sein. Dünner Schaumstoff oder ähnliches bringt leider nicht viel. Man stellt sich also mit dem Rücken zu einem Absorber, damit keine unmittelbaren Reflexionen zusammen mit der Stimme das Mikrofon erreichen und den Klang verfärben. Die gegenüberliegenden, weiter entfernten Wände können etwas offener gestaltet sein, wenn man einen natürlichen Raumklang haben will. Wenn nicht, kann man natürlich noch mehr Absorber verwenden.

Je weiter die reflektierenden Flächen weg sind, desto besser. Und je mehr unterschiedliche Oberflächenformen und Materialien in dem Raum sind, desto besser funktioniert es normalerweise. Außerdem sollte man parallele, kahle Wände möglichst vermeiden. Kleine Kabinen und ähnliches schaden übrigens oft mehr, als sie nutzen. Die Wände sind sehr nah, die Reflexionen meist nur unzureichend gedämpft und das ganze klingt sehr schnell sehr dumpf und matschig, oder fängt in den tieferen Frequenzen an zu dröhnen.

Zur Bearbeitung, also dem Mixing, kann man leider kaum pauschale Tipps geben. Da gehört vor allem eine Menge Erfahrung dazu und das ist komplett Genre-abhängig. Hall, Delays, etc. sind reine Geschmacksache, müssen zum Song passen und richtig gewählt und eingestellt sein. Oft sind subtile Delays besser als Hall/Reverb, weil sie Tiefe schaffen, aber den Mix nicht so "zuschmieren", da sie weniger dicht sind. Mit einem längeren Pre-Delay (diesen Parameter kann man in vielen Hall-Plugins einstellen) kann man Hall-Effekte akustisch etwas vom Direktsound trennen und so mehr Hall verwenden, ohne, dass die Vocals selbst im Mix nach hinten rutschen.

Ansonsten werden Vocals meistens relativ heftig komprimiert, oft mit einer Kombination aus einem schnellen und einem eher langsamen, "musikalischen" Kompressor. Und dann kommt natürlich meist ein EQ zum Einsatz, der häufig die Sprachverständlichkeit in den oberen Mitten herausarbeitet, störende Frequenzen entfernt und dem ganzen mehr Glanz und Druck verleihen kann.

Backstage PRO: Wie vermeide ich Störgeräusche und wie kann ich Audio-Spuren sauber machen?

Benedikt: Die häufigsten Störgeräusche sind Klicks und Knackser aufgrund fehlender Fades oder Crossfades. D.h. immer wenn ihr schneidet, müsst ihr an der Schnittstelle einen Fade-In, Fade-Out oder (wenn zwei Files zusammengefügt werden) einen Crossfade machen, bevor ihr die Datei konsolidiert, oder exportiert. Das vermeidet diese Störgeräusche.

Außerdem kann man tieffrequentes Rumpeln mit einem Low-Cut (auch manchmal High-Pass genannt) entfernen. Dieser sogenannte Trittschallfilter findet sich auf vielen Mikrofonen, Preamps, Interfaces und in der Software und reduziert alles unterhalb einer bestimmten Frequenz. Man uns nur aufpassen, dass man ihn nicht zu hoch ansetzt und versehentlich das eigentliche Signal ausdünnt.

 "Der Song, das Feeling und die Performance sind immer wichtiger als der Klang"

Backstage PRO: Nehmen wir an, ich habe jetzt gescheit aufgenommen, auf Click und alles. Jetzt würde ich gern einen kleinen Mix zurecht machen, für Demo-Zwecke in etwa. Was muss ich dabei beachten, damit mein Sound so wird, wie ich ihn haben will?

Benedikt: Das ist mit Abstand das schwierigste Thema und eine so umfassende Frage, die man leider kaum beantworten kann. Am wichtigsten ist zunächst einmal, dass die Performance genau so ist, wie ihr sie haben möchtet. Also das Timing und die Intonation. D.h. zuerst, noch vor dem Mix kommt das Editing. Das ist schon die halbe Miete, denn der Song, das Feeling und die Performance sind immer wichtiger, als der Klang.

Korrigiert alle störenden Fehler, macht das Timing so tight wie nötig und tuned die Vocals, falls die Intonation leicht daneben ist. Dann achtet auf eine gute Balance der Spuren untereinander, also rein was die Pegel betrifft. Das ist der wichtigste Mixing-Schritt, wird aber leider tatsächlich oft vernachlässigt. Verteilt die Spuren zwischen links und rechts im Panorama und dann entfernt mit einem Equalizer auf den einzelnen Spuren alles, was euch stört und betont alles, was euch gefällt. Macht so viel wie nötig, aber übertreibt es nicht, bzw. macht es mit einem Ziel im Sinn und nicht einfach aus Prinzip. Nicht alles muss wirklich bearbeitet werden. Das ist denke ich eine allgemein gültige Faustregel. Auch wenn ihr komprimiert, Limiter einsetzt, oder ähnliches.

Ein weiterer Schritt: Die Dynamikbearbeitung. Damit kann man Signale dichter, lauter, druckvoller, härter oder weicher machen, je nachdem, was man wie benutzt. Leider zu komplex, um das hier komplett zu erklären. Ich denke eine gute Performance, ausgewogene Balance, funktionierende, musikalische EQ-Settings, gutes Stereobild und Verteilung im Panorama und natürlich keine ungewollten Verzerrungen (Pegel im Auge behalten!) sind schonmal eine sehr gute Basis.

"Fasse den EQ oder auch Kompressoren nur an, wenn du weißt, was du vorhast"

Backstage PRO: Empfiehlst du Anfängern bei Demos viel mit PAN zu arbeiten, also Spuren nach links und rechts zu legen?

Benedikt: Ja, absolut! Siehe meine vorherige Antwort. Das ist nicht schwer und wenn man sich einige Referenzproduktionen anhört, findet man schnell raus, wo was üblicherweise platziert ist. Üblich ist zum Beispiel:

Kick, Snare, Bass, Vocals und Leadgitarre in der Mitte, Toms halb links/rechts, Overheads hart links/rechts, Rhythmusgitarren hart links/rechts (ggf. Dopplung einspielen, damit Leads in die Mitte können), Background-Vocals, Synths, Flächen, Keyboards, etc. so breit wie eben gewünscht.

Backstage PRO: Gibt es Faustregeln, die man beim Mix einhalten sollte, wenn man sich jetzt nicht mit Frequenzen auskennt?

Benedikt: Ja, die oberste Regel ist: Fasse den EQ oder auch Kompressoren nur an, wenn du weißt, was du vorhast. Du musst nicht wissen, wie es genau geht, das kannst du rausfinden. Aber du solltest einen Grund haben, etwas zu verändern und nicht einfach aus Prinzip etwas machen, weil du denkst, das hat grundsätzlich so zu sein.

Andersrum gilt aber auch: Wenn viel sein muss, dann muss viel sein. Also es gibt kein Limit, wie viel man manchen darf. Wenn ein 20dB Boost einer bestimmten Frequenz gut klingt, dann klingt er gut und fertig! Abgesehen davon würde ich vor allem bei Gitarrenmusik immer drauf achten, die oberen Mitten nicht zu schrill werden zu lassen (grob der Bereich zwischen 2kHz und 5kHz) und den Bassbereich nicht zu dick und wummernd, oder matschig zu gestalten.

Backstage PRO: Gibt es so etwas wie ein "Mastering for Dummies"?

Benedikt: Klar, man kann am Ende sein Demo einfach mit einem Limiter etwas lauter machen und vielleicht nochmal störende Frequenzen rausziehen. Oder ein Werkzeug wie "Ozone" mit seinen automatischen Mastering-Presets benutzen, aber das ist kein Mastering. Das ist dann einfach der letzte Schritt des Mixings. Kann aber für ein Demo völlig ausreichen!

Richtiges Mastering findet in einem separaten Arbeitsschritt statt und im Idealfall auch mit etwas zeitlichem Abstand, oder durch einen anderen Engineer in einem anderen Raum, um die Objektivität zu wahren. Das ist die beste Lösung. Ansonsten gibt es automatisierte Online-Mastering-Dienste, die zum Teil grottenschlecht sind und zum Teil aber ganz brauchbare Ergebnisse liefern. Ich rede jetzt nicht von Menschen, die Online-Mastering anbieten, sondern von automatischer Software (oder robotergesteuerter Hardware), die auf Knopfdruck "mastert" und einem das File sofort wieder zurückschickt. Da gibt es mittlerweile etliche Dienste. Das kann jeder selber ausprobieren und es mag für Demos eine Option sein. Ich persönlich kann bis jetzt kein Tool wirklich empfehlen. Mal sehen, was sich da in der Zukunft tut.

Es gibt einige spannende Entwicklungen, allerdings dürfte es sehr schwer sein, das menschliche Musikempfinden, das Feedback zum Mix, den Service und den individuellen Geschmack und Stil eines Mastering-Engineers zu ersetzen.

Backstage PRO: Vielen Dank für deine Zeit und diese Tipps, Benedikt!

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Unternehmen

Outback Recordings

Benedikt Hain

Tonstudio und Recording, Musikproduktion in 94227 Zwiesel

Personen

Benedikt Hain

Mixing Engineer, (Remote-)Producer at Outback Recordings, Teacher/coach/mentor at www.theselfrecordingband.com Musiker aus Zwiesel Owner / Mixing Engineer bei Outback Recordings

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