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So stichst du mit deinen Vocals aus der Masse heraus

In zehn Schritten zur einzigartigen Gesangsstimme, Teil 1 von 2

Tipps für Musiker und Bands von Inna Ligum
veröffentlicht am 08.03.2019

gesang probe songwriting

In zehn Schritten zur einzigartigen Gesangsstimme, Teil 1 von 2

Inna Ligum "10 steps to your original sound". © Alina Zundl

Was ist für jeden Musiker, jeden Künstler das wichtigste in der modernen Musikwelt? Meine Antwort: Persönlichkeit und musikalische Individualität. Es gibt Unmengen an Musikern, Sängern und Künstlern. Herauszustechen ist eine große Herausforderung. Wie findet man zu Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit?

Manche Musikerinnen haben eine unverwechselbare Stimme, manche texten wie Götter, andere sind virtuos im Umgang mit ihren Stimmen und/oder an ihren Instrumenten. Und wiederum andere haben dieses mysteriöse gewisse Etwas. Wie findet man solch einen eigenen Original-Sound und -Style?

Ich habe ein Leben lang danach gesucht, mir sehr viele Gedanken gemacht und meine Erkenntnisse in den folgenden zehn Schritten festgehalten. Ich hoffe, sie können euch helfen – vielleicht sogar nicht nur für Sänger.

1. Stelle dir Fragen

Als Erstes und Wichtigstes musst du dich selbst fragen, wer du bist?

Manchmal scheint die Antwort leicht. Zum Beispiel: "Ich bin ein Kerl und ich bin ein Punkrocker". Oder "ich bin eine Frau, ich singe Soul und will dies mein Leben lang machen". In diesen beiden Fällen ist alles weitere recht einfach, denkt man. Aber das ist es nur auf den ersten Blick.

Ok – du willst Punkrock machen oder Soul singen, aber worüber willst du singen? Was sind deine Themen?

Die Antwort auf diese eine Frage erfordert zuerst ganz viele vorgelagerte, existenziell-wichtige Fragen. Indem du dir selbst einige stellst, wirst du einiges über dich selbst rausfinden und jene Themen identifizieren, die für dich wichtig sind. Genau davon sollten deine Songs dann handeln: So machen sie deine Gefühlswelt sichtbar und können andere Menschen berühren.

Hier sind zehn Fragen, die aus dir einiges herausholen werden. Ich empfehle dir einen großen Block oder ein Notizbuch rauszuholen. Du machst dich auf die Reise zu deinem Sound und deinen Songs. Diese Notizen werden dich vielleicht lebenslang begleiten, oder zumindest zu der Anfertigung deines ersten oder nächsten Albums.

  1. Wovor hast du Angst?
  2. Was hat dich in diesem Jahr glücklich gemacht?
  3. Was war dein größter Traum, der in Erfüllung ging?
  4. Wer ist dein bester Freund?
  5. Sind Menschen besser als Tiere?
  6. Sind Tiere bessere Menschen?
  7. Stell Dir eine weiße Wand vor… Woraus besteht diese Wand? Wie hoch ist sie? Gibt es eine Tür in der Wand? Was befindet sich dahinter?
  8. Was ist deine schönste Lovestory?
  9. Was ist deine schlimmste Lovestory?
  10. Wer sind deine Helden? Wenn du keine hast, dann ist dies auch eine gute Antwort.

2. Finde deine musikalische Richtung

Du liebst Punkrock oder Soul? Das ist genial. Du weißt, was du liebst, das kann die Basis für deinen Sound werden. Höre viel von dem, was dir am besten gefällt, aber vergiss nicht, dass – sofern du etwas "Neues" finden willst – du deinen Musikhelden nicht auf Schritt und Tritt folgen kannst.

Der Schlüssel zum Neuen liegt nicht selten im Alten. Deshalb beginnt etwas Neues manchmal ganz unspektakulär. Ebenso kommt es häufig vor, dass etwas Neues aus Fehlern entsteht. So zum Beispiel der berühmte Cher-Stimmeffekt, der die ganze Musikszene mit nur einem Song "Believe" revolutioniert hat und bis jetzt immer wieder beeinflusst.

Offensichtlich haben die Techniker zu viel Auto-Tune-Effekt auf der eigentlich schon außergewöhnlichen Stimme von Cher gelassen und boom, war der Sound des Jahrzehnts geboren. Eigentlich viel mehr als das: Ohne Auto-Tune ist die Musikproduktion heute nicht mehr denkbar – egal ob nur einen Tropfen davon für die tonale Sicherheit oder gleich einen ganzen Topf voll für eine bestimmte Stimmfarbe. Es hat alle von Black Eyed Peas über Kaleo, Beyonce bis hin zu Panic! At the disco erwischt… fast jeden. Mittlerweile sehnt man sich fast nach der Klarheit und so wenig Auto-Tune wie möglich, aber diese eine kleine Revolution kann Cher zu ihren Verdiensten zählen. Cher ist ein Unikat, sie hat "es geschafft": Grammys, Oscar und ewige Jugend. Und natürlich hat Cher schon immer alle möglichen Richtungen für sich entdeckt und wieder verlassen. Über Cher sprechen wir an einem anderen Punkt nochmal.

Du selbst solltest rund um die Uhr Musik hören. Du willst von und für die Musik leben, also musst du alles darüber wissen. Radiohören ist ein Muss, weil man dadurch einen Begriff vom Mainstream bekommt, um diesen vielleicht souverän zu verlassen oder mit ein paar Trends daraus zu spielen. YouTube, Spotify etc. und vor allem Live-Konzerte. Konzerte von den befreundeten Bands, von Stars. Alle Künstler und Musiker verdienen Respekt und von jeden kannst du etwas lernen. Manchmal besteht die Lektion darin, es niemals so zu tun, wie es gerade auf der Bühne abläuft. Schlechte Musiker zeigen schließlich deutlich, wie es nicht funktioniert; und manchmal können auch richtig gute Musiker und Sänger einen schlechten Tag haben…

Das Wichtigste dabei ist, dass du lernst, deine eigene Musik "zu hören". Was gefällt, was nicht und wie würdest du es machen? Die Inspiration kann dich dann überall und jederzeit treffen. Dann solltest du am besten alles stehen und liegen lassen und die Musik festhalten, die du gerade im Ohr hast: spielen oder singen und dann aufnehmen oder aufschreiben. Fertig! Jetzt hast du Ideen und kannst sie jemanden zeigen, mit dem du sie vielleicht weiterentwickelst.

3. Verlasse deine musikalische Richtung

Probiere auch etwas komplett gegensätzliches zu deinem bevorzugten Stil! Dabei kannst du überraschende, neue Facetten deines Sounds entwickeln.

Soul-Musik ist perfekt, um einiges an der Stimmtechnik zu entwickeln. Rap ist ideal für die Entwicklung der Schnelligkeit, einer besseren Phrasierung und interessanterweise auch besseren Songwritings. Ein Popsong bringt dich auf den perfekten Refrain, also die Hookline, und zeigt den richtigen emotionalen Bogen bei der Song-Entwicklung. Und was kann einem besser Energie und Dynamik beibringen, als ein cooler Rocksong?!

Das wichtigste bei ddieser "Out of my way"-Phase ist, dass du gezielt in dich hinein hörst, dich aufnimmst und auf der Suche nach deinem unverwechselbaren Sound bleibst. Und finally! Juhu, du hast es gefunden! Du hörst es ganz deutlich, du fühlst es. Diese Töne kommen direkt aus deinem Körper, sprechen die Sprache deiner Seele und haben etwas Unverwechselbares. Glückwunsch, du hast die Tür geöffnet zu deinem Original-Sound.

Komm rein, schau und höre dich um!

4. Gute und ideale Sänger/innen

Im Unterschied zu vielen anderen Gesanglehrern empfehle ich nicht unbedingt mit der Gesangstechnik anzufangen. Die Tonlage, die Stimmart, die Tonarten – das alles kann später noch erarbeitet werden. Die Persönlichkeit einer Stimme steht für mich immer im Vordergrund.

Oft kommen Sänger zu mir, die nicht so viel Erfahrung, dafür aber eine unglaubliche Stimmfarbe haben. Da ich selbst singe und im Tonstudio arbeite, weiß ich genau, wie wichtig das ist. Das Timbre, die einzigartige Stimmfarbe kommt oft erst im Studio zum Vorschein und zur Geltung. Sie ist von unschätzbaren Wert.

Ein richtig guter Sänger/in verfügt über eine ausgesprochene Musikalität, guten musikalischen Geschmack, der ihm oder ihr erlaubt eine gute, richtige, spannende oder coole, aber vor alle die richtige Phrasierung für den Song zu finden. Er ist sensibel, kann sich und seine Stimme gut kontrollieren. Er weiß was er kann, wie er das Ergebnis erreichen kann, ist aber offen für etwas, was ihn und seine Stimme weiterbringt.

Aber das alles kann durch eine einzigartige Stimme übertroffen werden! Es gibt diese besondere Stimmen, vielleicht ist es sogar deine? Jedenfalls verfügt ein idealer Sänger über alles, was ein guter Sänger hat und dazu besitzt er noch diese gewisse Etwas in der Stimme.

Das bedeutet für dich: arbeite an dir, um ein möglichst guter Sänger/in zu werden, aber vergiss nicht, dass genau du vielleicht die ideale Stimme für einen bestimmten (womöglich sogar deinen eigenen) Song haben könntest.

5. Tonarten

Um ein guter Sänger zu werden, wollen wir unbedingt das Beste aus der Stimme machen und begeben uns gemeinsam auf den Weg zum besseren Handwerk. Zuerst solltest du deine Tonarten kennenlernen.

Als Instrumentalmusiker ist diese Aufgabe etwas leichter. Dennoch habe ich einen einfachen Tipp:

Es gibt vielleicht ein paar Sänger/innen, mit deren Songs du dich am besten und wohlsten fühlst. Bei diesen Songs hast du keine oder wenige Probleme, es klappt fast immer alles und fällt dir leicht. Suche nach weiteren Songs dieser Sänger und probiere sie aus. Falls es immer noch leicht ist hast du die bequemsten Tonarten gefunden, denn die Tonarten bekannterer Songs rauszufinden ist Google-leicht! Jetzt hast du die Richtung. Suche gezielt nach weiteren Songs in diesen Tonarten in deinem bevorzugten Musikstil.

Jetzt weiterlesen hier klicken zum zweiten Teil!

Was denkt ihr, was ist das Wichtigste bezüglich der eigenen Persönlichkeit, Individualität und dem Original Sound?

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Artists

Inna Ligum

Alternative Pop aus Walldorf

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