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Indie-Labels und Musiker/innen fordern GVL in offenem Brief zum Dialog auf

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 06.07.2020

gvl verwertungsgesellschaften

Indie-Labels und Musiker/innen fordern GVL in offenem Brief zum Dialog auf

Die Berechtigtenversammlung der GVL im Jahr 2014. © Thilo Schoch

In einem offenen Brief fordern Independent-Labels, Musiker/innen und Schauspieler/innen strukturelle Veränderungen bei und einen "konstruktiven Dialog" mit der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL).

in dem Brief stellen die Unterzeichnenden, darunter Labels wie Audiolith, City Slang und Grand Hotel Van Cleef sowie Künstler/innen wie Alva Noto, Funny Van Dannen, Boris Brejcha und Rocko Schamoni, Verbesserungsbedarfe bei der GVL fest, die durch die derzeitige COVID-19-Pandemie nur noch offensichtlicher würden. 

Die Verfasser/innen des offenen Briefes verweisen u.a. auf die Fragwürdigkeit der von der GVL ausgeschütteten Soforthilfen in Höhe von 250 Euro, die erneut verzögerten Ausschüttungen durch die Gesellschaft sowie die unnötig erschwerten Bedingungen für Vorschussleistungen. 

Schwierige Kommunikation

In dem Brief heißt es weiter, dass die Kommunikation mit der GVL derzeit nicht ideal sei. Der in einem Interview von Tilo Gerlach (Geschäftsführer der GVL) geäußerte Wunsch nach einem Dialog sei fragwürdig, da sich die Gesellschaft den Gesprächsangeboten der Künstler/innen entziehe, während sie beispielsweise auf Schauspieler/innen zugehe. 

In dem Brief heißt es zur Gleichstellung der Berechtigten:

"Wir wollen nochmals betonen, dass die GVL aus ihrem treuhänderischen Auftrag gegenüber allen Berechtigten gesetzlich verpflichtet ist und dass die dafür zur Verfügung stehenden Mittel durch die künstlerischen Leistungen der Berechtigten erwirtschaftet werden. Die GVL hat ausschließlich für die Berechtigten und nur in deren Interessen tätig zu sein. Dies erfolgt aus unserer Sicht nicht in ausreichendem Maße."

Konkreter Veränderungskatalog

Zu den konkret geforderten Veränderungen und Verbesserungen gehört u.a.: 

  • Mehr Mitbestimmung der Berechtigten im Sinne des Verwertungsgesellschaftengesetzes, u.a durch ein verändertes Wahlrecht
  • Mehr Transparenz im generellen Geschäftsbetrieb, etwa durch die detaillierte Aufstellungen der Sender und Sendeminuten bei den Verteilungen der Künstleranteile
  • Eine deutliche Ausweitung der Überwachung von realer Nutzung
  • Die Erweiterung der Verteilregeln – es sollen die tatsächlichen Nutzungsformen berücksichtigt werden, anstatt eine pauschale und nahezu ausschließliche Verteilung nach Rundfunknutzungen durchzuführen.
  • Die Nutzung von Erkennungssoftware im Bereich der öffentlichen Wiedergabe in Clubs, Diskotheken und bei Open Air-Veranstaltungen.
  • Eine quellenbezogene Verteilung der Privatkopieabgaben nach physischen und digitalen Umsätzen und Marktanteilen, anstelle der ausschließlichen Verteilung nach Rundfunkminuten. 
  • Mehr Informationen über die Verteilung von Einnahmen aus Open Airs und Festivals, die über das Inkasso der GEMA in den letzten fünf Jahren eingesammelt wurden.
  • Die Einhaltung der Verteilungsfristen. So geben die Verfassenden an, dass insbesondere im Bereich der Künstler/innen immer noch Einnahmen nicht verteilt seien, die vor 2016 aufgelaufen sind. Die offenen Verteilungen zögen sich für bestimmte Verteilsegmente aktuell zurück bis in das Jahr 2010.
  • Eine nachvollziehbare Bearbeitung und Erklärung von fehlerhaft erstellten oder nicht erfolgten Abrechnungen.
  • Detaillierte Informationen über die Möglichkeiten der GVL zur Auslandswahrnehmung. So gibt es angeblich Beispiele, bei denen Künstler/innen und Tonträgerhersteller/innen trotz nachweislicher Nutzungen im Ausland keine Einnahmen aus der Auslandswahrnehmung der GVL erhalten haben.
  • Kürzere Kündigungsfristen für die Berechtigten, um der GVL die Auslandswahrnehmung zu entziehen.
  • Aktives Engagement für die zukünftige Wahrnehmung von digitalen Nutzungsformen, wie Audio- und Audiovisuelles-Streaming durch die GVL.

Guter Wille gefragt

Dass es sich um eine derartige Vielzahl an Forderungen handelt, sei nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass diese zum Teil bereits seit mehreren Jahren erfolglos von den verschiedenen Berechtigungsgruppen an die GVL herangetragen würden.

Die Unterzeichner/innen des Briefes wünschen sich den konstruktiven Austausch mit dem ehrlichen Willen, die Verbesserungsvorschläge anzugehen. 

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