Gegen den Algorithmus
Kritik wegen Abhängigkeit: OK KID kritisieren Plattformen und suchen Nähe zu Fans
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© Kristina Wolf
"Wenn du's runter brechen willst, supporten wir mit unserer Musik eigentlich Donald Trump und fördern die Kriegswirtschaft". Es sind harte Worte, die Jonas Schubert im Gespräch mit dem Journalisten Tilmann Köllner wählt.
Mit ihnen möchte er aufmerksam auf ein Problem machen, mit dem sich aktuell viele Kunstschaffende konfrontiert sehen. Wer Musik über große Streamingdienste veröffentlicht und soziale Netzwerke nutzt, bewegt sich in einem System, dessen Geschäftsmodelle und politische Positionierungen den eigenen Überzeugungen auch häufig widersprechen.
Die Musik muss den Konzernen gefallen
Besonders kritisch sieht Jonas die Abhängigkeit von Algorithmen und Konzernlogiken. Künstler und Künstlerinnen seien darauf angewiesen, dass ihre Inhalte auf Plattformen funktionieren und damit letztlich auch darauf, dass Unternehmen wie Spotify oder Meta entscheiden, welche Musik sichtbar wird. "Du kriegst viel Kultur auch gar nicht mehr mit", warnt er. Popkultur werde zunehmend durch das geprägt, was Plattformbetreibende als relevant, erfolgreich oder "cool" bewerten.
Gleichzeitig räumt der Sänger ein, dass auch OK KID Teil dieses Systems sind. Schließlich freut sich die Band über Streams, Klicks und Reichweite auf TikTok, Instagram und Co., obwohl sie weiß, dass viele dieser Mechanismen problematisch sind.
"Wir sind davon abhängig, dass unser Content einem Mark Zuckerberg von Meta gefällt und das ist eigentlich so absurd, weil das eigentlich ja Multimilliarden-Konzerne sind, die auf der anderen Seite so viele Dinge tun, die so kontrovers sind zu dem, wer wir sind und was wir überhaupt wollen."
Aktuelle Entwicklungen begünstigen Plattformabhängigkeit
Es ist ein Widerspruch, der sich kaum auflösen lässt. Wer heute als Band gehört werden will, scheint an diesen Plattformen kaum vorbeizukommen. Denn die Musikbranche befindet sich in einem grundlegenden Wandel.
Einnahmen aus CD- oder Plattenverkäufen spielen für viele Bands nur noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen müssen Künstler und Künstlerinnen ihre Musik möglichst vielen Menschen zugänglich machen oder eine besonders enge Beziehung zu ihrem Publikum aufbauen, damit Konzerte, Merchandise und Streaming wirtschaftlich tragen.
Gerade Soziale Medien haben diese Publikumsnähe in den vergangenen Jahren durchaus erleichtert. Über Instagram und TikTok haben Bands heute viele neue Möglichkeiten, direkt mit ihren Fans in Kontakt zu treten, die Bindung zu diesen zu stärken und neue Menschen zu erreichen.
Ausbruch aus der digitalen Blase führt auf den Campingplatz
Vielleicht ist gerade deshalb auch die jüngste Aktion der Band interessant. Am vorletzten Juliwochenende 2026 verkündet die Gruppe in einem Instagrampost, Festivals "crashen" zu wollen. Damit dreht die Band übliche Gewohnheiten um. Anstatt, dass Fans zum Konzert anreisen müssen, kündigen OK KID an mit einem Bus voller Instrumente und mit eigener Anlage direkt zu den Fans zu fahren.
"Ihr habt das geilste Camp und braucht ne Band zum Frühstück genau vor eurem Zelt? Moshpit in Schlafsäcken? Genau unser Ding!", schrieb die Band in den sozialen Netzwerken.
Die jüngste Aktion der Gießener Band passt damit gut zu der Kritik, die Sänger Jonas zuvor formuliert hat, denn sie verlagert den Kontakt zwischen Band und Publikum jenseits digitaler Plattformen.
Statt im Feed begegnet die Band ihren Fans unmittelbar im "echten Leben" und das ohne zwischengeschaltetem Algorithmus. Umgesetzt wurde die Idee dann erstmals auf dem Happiness-Festival. Als Beweis teilte die Gruppe daraufhin einige Eindrücke des Auftritts zwischen Campingstühlen, Zelten und Festivalbesuchenden auf den Sozialen Medien.
Guerilla-Aktion landet im Feed
Ganz entkommen ist die Band mit ihrer Aktion dem digitalen System dann also doch nicht. Funktionieren tut die Aktion schließlich auch gerade deshalb so gut, weil sie perfekt für die Sozialen Medien geeignet ist. Spontane Auftritte, begeisterte Fans und ungewöhnliche Momente liefern genau den Content, der auf Plattformen wie TikTok und Instagram Aufmerksamkeit erzeugt.
Vielleicht liegt darin aber auch der eigentliche Punkt. Die Band versucht nicht, so zu tun, als könne man Spotify, TikTok oder Instagram einfach ignorieren, aber sie sucht eben auch nach Momenten, die sich der reinen Verwertungslogik entziehen.
Der Festival-Crash – dessen Wiederholung die Gruppe übrigens bereits plant – kann als Versuch gelesen werden, die Beziehung zwischen Band und Fans wieder unmittelbarer und persönlicher zu gestalten. OK KID schaffen damit ein Gegenmodell zu einer Musikwelt, in der Algorithmen zunehmend bestimmen, was gehört wird.
Es ist nicht die erste ungewöhnliche Aktion, mit der OK KID in letzter Zeit aufgefallen sind. So hat die Gruppe im Mai etwa bekannt gegeben, als Supportact auf ihrer Tour Künstler*innen mitnehmen zu wollen, die ihre eigene Tour aufgrund von mangelndem Ticketverkauf absagen mussten. Auch hier also versucht die Band mit ihrem Handeln, Algorithmen etwas entgegen zu setzen.
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