×

"We don't want our music killing people"

Wegen Investment in KI-Technologie für Militär: US-Indie-Band Deerhoof verlässt Spotify

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 01.07.2025

spotify streaming daniel ek

Wegen Investment in KI-Technologie für Militär: US-Indie-Band Deerhoof verlässt Spotify

Deerhoof (2025). © Satoru Eguchi

Wie die Indie-Rock Band auf Instagram bekannt gibt, möchte sie ihre Musik nicht länger über Spotify vertreiben. Auslöser für diese Entscheidung sei eine Investition Daniel Eks in das Unternehmen Helsing, das Deerhoof als "AI Battle Tech Company" bezeichnen.

Die 1994 gegründete Band hat bis heute 12 Alben veröffentlicht, zuletzt erschien 2025 "Noble and Godlike in Ruin". Diese 12 Alben werden schon bald nicht mehr auf Spotify verfügbar sein.

Am 30. Juni veröffentlichte die Gruppe über Instagram einen Beitrag, in dem sie ihr Vorgehen begründet. In diesem heißt es unter anderem:

"'Daniel Ek verwendet 700 Millionen US-Dollar [umgerechnet etwa 600 Mio. Euro] seines Spotify-Vermögens, um Vorsitzender eines Unternehmens für KI-Battle-Tech zu werden' war keine Schlagzeile, die wir diese Woche gerne gelesen haben. Wir wollen nicht, dass unsere Musik Menschen tötet. Wir wollen nicht, dass unser Erfolg an KI-Battle-Tech gebunden ist."

Hintergrund

Mit ihrem Statement bezieht sich die Gruppe auf eine Investition des Spotify-CEOs in das Start-up Unternehmen Helsing, das laut dem Far Out Magazin Drohnen, Flugzeuge und U-Boote produziert und ein neues "Centaur"-System zur Integration von "KI-Piloten" in die Cockpits von Kampfflugzeugen entwickelt.

Bereits im Jahr 2021 soll Ek 100 Millionen Euro in das Unternehmen investiert haben, dessen Wert inzwischen auf 12 Milliarden Euro geschätzt wird. Schon damals hatten Musiker*innen zum Boykott aufgerufen. Die erneute Investition Eks, die sich auf etwa das sechsfache beläuft, wurde Mitte Juni publik.

Privilegierte Situation

Wie Deerhoof in ihrem Statement betonen, ist ihnen bewusst, dass Privileg zu haben, dass ihnen die Entscheidung sehr leicht gefallen sei.

"Spotify zahlt sowieso nur einen Hungerlohn, und wir verdienen viel mehr mit Tourneen. Aber wir verstehen auch, dass andere Künstler und Labels für einen größeren Teil ihres Einkommens auf Spotify angewiesen sind, und wir verurteilen nicht diejenigen, die kurzfristig nicht den gleichen Schritt machen können."

Deutliche Kritik

Die Gruppe kritisiert in ihrem Statement ausführlich die Praktiken rund um KI-Battle-Technologien – letztendlich führe die computergestützte Ausrichtung auf Ziele dazu, dass Unannehmlichkeiten für Kriegstreiber reduziert werden – Unannehmlichkeiten wie menschliches Mitgefühl und Moral.

In diesem Zusammenhang prangern Deerhoof auch das Handeln von Ek und anderen Superreichen an, bei dem Profit alle anderen Erwägungen bei weitem übertrifft. Spotify habe unter diesen Umständen keine Zukunft:

"Spotify ist dabei, sich selbst die Toilette runterzuspülen. Irgendwann werden sich die Künstler von diesem bereits weithin verhassten Datenerfassungsbetrug verabschieden wollen, der sich als "Musikunternehmen" tarnt. Das ist gruselig für die Nutzer und beschissen für die Künstler. Das Musikmachen dauert ewig, aber dieses oder jenes digitale System, mit dem man schnell reich werden kann, wird mit Sicherheit überflüssig werden."

Unterstützung der Labels

All das habe Deerhoof überzeugt, den Schritt zu gehen und ihren Katalog von der Plattform zu nehmen. Dass Spotify als eine wichtige Musikentdeckungsplattform gilt, stellt für die Gruppe keinen ausschlaggebenden Grund dar zu bleiben:

"Eine der Behauptungen, die oft über Spotify aufgestellt werden, ist, dass es theoretisch die eigene Musik für jeden, der sich anmeldet, auffindbar macht [...]. Deerhoof ist ein kleiner Familienbetrieb ["mom and pop operation"] und wir wissen, wann genug ist. Wir sind keine Kapitalisten und wollen auch nicht die Welt erobern. Vor allem, wenn der Preis für die 'Entdeckbarkeit' darin besteht, dass Oligarchen den Globus mit compterisierten Waffen füllen, werden wir auf die vermeintlichen Vorteile verzichten."

Noch ist unklar, wann die Werke von Spotify verschwinden werden, Deerhoof betonen jedoch, dass das ganze "so schnell wie möglich" vonstatten gehen soll und bedankt sich in diesem Zusammenhang auch noch einmal bei ihren verschiedenen Labels, die sie in dieser schwierigen Entscheidung unterstützt haben. Es sei der Band bewusst, dass die Labels aufgrund der Entscheidung der Band finanziellen Schaden in Kauf nehmen, weshalb ihr ihre Unterstützung viel bedeute.

Ähnliche Themen

Spotify-Musikchef Charlie Hellman über die Lage der Streaming-Industrie

Rekordzahlungen, KI und neue Tools

Spotify-Musikchef Charlie Hellman über die Lage der Streaming-Industrie

veröffentlicht am 30.01.2026

Führungswechsel bei Spotify: Daniel Ek tritt von seiner Position als CEO zurück

Formale Anpassung statt Neuausrichtung

Führungswechsel bei Spotify: Daniel Ek tritt von seiner Position als CEO zurück

veröffentlicht am 02.10.2025

Spotify-Boykott setzt sich fort: Godspeed You! Black Emperor verlassen Streaming-Dienste

Auch Deezer, Tidal und Apple betroffen

Spotify-Boykott setzt sich fort: Godspeed You! Black Emperor verlassen Streaming-Dienste

veröffentlicht am 19.08.2025   29

Newsletter

Abonniere den Backstage PRO-Newsletter und bleibe zu diesem und anderen Themen auf dem Laufenden!