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Branchenwandel

Münchner Veranstalter: "Eigentlich läuft es ja gut. Aber…"

News von Markus Biedermann
veröffentlicht am 23.02.2015

münchen liveszene gebietsschutz

Münchner Veranstalter: "Eigentlich läuft es ja gut. Aber…"

"Kontakt zu den Künstlern, die Musik ist geil, die Ideale passen", so wünscht sich das der Münchner Veranstalter Frank Bergmeyer. © MKB 2015

Im Jetzt-Magazin äußern sich drei Münchner Veranstalter über den Wandel innerhalb der Live-Branche und die konkrete Situation in ihrer Stadt. Backstage PRO dokumentiert einige Kernaussagen.

Wie nehmen eigentlich Veranstalter den Wandel in der Musikbranche wahr? Was denken sie zum Beispiel über die steigenden Ticketpreise, welche Risiken wollen und können sie gehen und wie gestaltet sich ihr Zugriff auf Locations?

Autor Jan Stremmel hat drei Veranstalter aus München an einen Tisch geholt und sie dazu befragt. Tobias Frank (Clubzwei), Frank Bergmeyer (Propeller Music & Event) und Thomas Bohnet (Target Concerts) gaben darauf einige eindrückliche Antworten zu Protokoll. "Eigentlich läuft es ja gut", resümmiert Bohnet die allgemeine Lage der Live-Branche zwar insgesamt durchaus positiv, doch es gäbe eben auch zahlreiche Schwierigkeiten und Herausforderungen.

Kaum Gewinn trotz steigender Ticketpreise

So seien die Gewinnmargen der Veranstalter geschrumpft, obwohl die Tickepreise gestiegen seien. Als Hauptursachen fürhren die drei erfahrenen Branchenkenner auf, dass…

  • …GEMA-Kosten sowie Künstler-Gagen gestiegen seien.
  • …sich insbesondere aber auch die Location-Mieten vervielfacht haben. Zum Beispiel sei die "Olympiahalle ist inzwischen so teuer, dass du fast komplett ausverkaufen musst, damit es sich rechnet" (Thomas Bohnet). Die Situation sei deshalb besonders schwierig, weil die Stadt München bei Veranstaltungsorten der Größenodnung einer Olympiahalle ein Monopol habe und die Konditionen somit diktieren könne, ergänzt Bergmeyer.

Insgesamt zu wenige Locations

Alle Drei konstatieren einen Location-Mängel in München, und zwar egal welche Größenordnung man in den Blick nimmt:

  • "Wo kann ich denn noch ein Konzert mit 100 bis 200 Leuten machen?", fragt sich Tobias Frank, dem nur einige "Nischen-Geschichten" dazu einfallen.
  • Auch bei mittleren Größen und den Hallen mit der höchsten Kapazität sei die Situation vor Ort so, dass ein Wechsel von der einen zur anderen, zum Beispiel in Fällen ausverkaufter Shows, in denen deutlich mehr Tickets nachgefragt werden, nicht so einfach möglich seien. Terminprobleme, die Bestuhlung mancher Location und anderes wirke sich hier negativ aus.
  • Neue Locations könne man durchaus finden. Doch dann stünde man vor schweren Aufgaben, so Frank Bergmeyer: "Genehmigungen von der Stadt, Lautstärkenbelästigung, Konzessionen." Seitens der Stadt würde man sich hierbei also mehr Unterstützung oder Erleichterungen erhoffen.

Wachsende Konkurrenz zu Festivals

Live-Bands würden heute eher Festivalshows den Clubgigs vorziehen und da die Festivaltermine mittlerweile schon im Mai beginnen, sei das Club- und Hallengeschäft vor allem auf März und April fokussiert, was die zuvor erwähnten Terminprobleme verschärfen würde. Doch Probleme mit Festivals ergäben sich noch durch andere Punkte:

  • Der Gebietsschutz verhindert das Booking jener Acts, die im definierten Zeitraum ein Open Air in der Region spielen.
  • Große Veranstalter bieten auch die großen Festivals an – und sichern sich Bands durch exklusive Deals, bei denen es dann schonmal um Gagen von "ein paar Millionen für mehrere Shows auf Partnerfestivals" ginge.

Hiermit sei nicht zu konkurrieren. Lieber "Back to the Roots" mit kleineren Shows, als die "irrwitzigen Risiken von diesen gigantischen Veranstaltungen" zu tragen, lautet Bergmeyers Gegenentwurf.

Eure Meinung

Vor welchen Herausforderungen stehen Veranstalter deiner Meinung nach? Welche Erfahrungen hast du in deiner Region machen können? Ganz ähnliche wie die drei Veranstalter aus München?

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